Piolets d'Or 2013 – alle Nominierten ausgezeichnet (plus Fotos und Videos)

Am 4. und 5. April wurden am Fuße des Mont Blancs zum 21sten Mal die Piolets d'Or für die anspruchsvollsten alpinistischen Leistungen des Vorjahres verliehen. Erstmals wurden alle sechs nominierten Teams ausgezeichnet. Kurt Diemberger wurde für sein Lebenswerk geehrt.

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Piolets d'Or 2013 Foto: Piolets d'Or
Piolets d'Or 2013 Foto: Didier Jourdain/GMHM
Piolets d'Or 2013 Foto: Piolets d'Or

 

Piolets d'Or 2013
Foto: Lanzeni/Piolets d'Or Ein breites Stockerl: Die Sieger der 21. Piolets d'Or 2013, ganz rechts Jury-Präsident Stephen Venables und Moderatorin Kay Rush.

Kann man alpinistische Leistungen vergleichen? Gibt es eine "beste Begehung des Jahres"? Oder stellt die Hervorhebung einer alpinen Unternehmung gegenüber anderen Erstbegehungen eine absurde Quantifizierung des nicht Messbaren dar? Auf die harsche Kritik vieler Spitzenalpinisten am Modus der alljährlichen Piolet d'Or-Veranstaltung in Chamonix und Courmayeur hatten die Organisatoren 2009 reagiert. Seither stehen die goldenen Pickel im Plural, es können also mehrere Piolets d'Or vergeben werden. Auch wird seit 2009 jedes Jahr ein Bergsteiger für sein alpines Lebenswerk mit dem "Piolet d'Or Walter Bonatti Lifetime Achievement Award" geehrt. Zudem wurde die Charta des Events verändert, um deutlich zu machen, dass es weniger um siegen oder verlieren geht, sondern vor allem darum, den Alpinismus und den damit verbundenen Entdeckergeist zu feiern und ihm eine würdige öffentliche Plattform zu geben.

Sechs Piolets d'Or

In den letzten Jahren wurden immer zwei Begehungen prämiert, diesmal sorgte die Jury unter Vorsitz von Stephen Venables für eine dicke Überraschung. Um die Vielfalt der alpinistischen Erfahrungen hervorzuheben, wurden alle sechs nominierten Teams mit dem "Oscar des Alpinismus" ausgezeichnet. Sébastien Bohin, Didier Jourdain, Sébastien Moatti und Sébastien Ratel aus Frankreich für die Erstbegehung der Südwestwand des Kamet (7756 m) in Indien; die Briten Mick Fowler und Paul Ramsden für ihre Neutour über die Nordostkante des Shiva (6142 m) in Indien; die Russen Dmitry Golovchenko, Alexander Lange und Sergey Nilov (für die Erstbegehung des Nordostpfeilers am Muztagh Tower (7284 m) in Pakistan; Kyle Dempster und Hayden Kennedy aus den USA für ihre Neutour am Ogre (7285 m), Pakistan; die Briten Sandy Allan und Rick Allen für die Erstbegehung der kompletten Mazeno Ridge am Nanga Parbat (8125 m), Pakistan); Tatsuya Aoki, Yasuhiro Hanatani und Hiroyoshi Manome aus Japan für ihre Begehung des Südpfeilers des Kyashar (6770 m) in Nepal. Die einstimmige, aber ungewöhnliche Entscheidung der Jury begründete Venables wie folgt: "2012 war ein außergewöhnliches Jahr mit vielen herausragenden alpinen Leistungen, die den Werten der Piolets d'Or entsprechen. Die Jury tat sich schon sehr schwer damit, die Liste der Nominierungen auf sechs einzuschränken, aber diese sechs Begehungen sind allesamt außergewöhnlich. Ob eine neue Route an einem 6000er oder der längste Grat aller Achttausender, ob berühmter Gipfel oder eine abgelegene Entdeckung – alle sechs Begehungen haben eins gemein: Alle waren Überschreitungen und alle wiesen anhaltend hohe technische Schwierigkeiten auf."

 

Piolets d'Or 2013
Foto: Lanzeni/Piolets d'Or Kurt Diemberger wurde mit dem Piolet d'Or Walter Bonatti Lifetime Achievement Award ausgezeichnet.

Montagnes-Magazine und Vertical steigen aus

Haben nun alle gewonnen oder jeder "Sieger" auch ein wenig verloren? Mit der Entscheidung der Jury waren jedenfalls nicht alle Anwesenden einverstanden. Manu Rivaud vom Montagnes Magazine und Claude Gardien von der Zeitschrift Vertical gaben Tage später bekannt, dass sie sich mit ihren Zeitschriften aus dem Piolets d'Or-Organisationskommittee zurückziehen. Rivaud kritisierte, dass die Jury-Entscheidung die Stellung der Piolets d'Or als als alpinistische Referenzveranstaltung schwäche und den Persönlichkeiten der Alpinisten, die Geschichte schreiben, nicht gerecht werde. Nun ja. De facto ging die Jury nur den seit 2009 eingeschlagenen Weg noch einen Schritt weiter: alpinistische Höchstleistungen nicht gegeneinander aufzurechnen. Allerdings hatten sie dies zuvor schon mit der Auswahl von sechs Erstbegehungen aus der ursprünglichen Liste mit 80 alpinen Großtaten getan. Frei nach George Orwell schienen der Jury offensichtlich doch manche Begehungen gleicher als andere … Da wäre es letztlich auf jeden Fall konsequenter, den Weg zu Ende zu gehen und die Piolets d'Or zu einer Veranstaltung umzubauen, die den Alpinismus zelebriert und herausragende Begehungen und Akteure präsentiert, aber abgesehen von der Verleihung von Lifetime Awards keine Sieger mehr kürt.

Der Piolet d'Or Walter Bonatti Lifetime Achievement Award ging an den 80-jährigen Kurt Diemberger, Erstbesteiger des Broad Peak (8051 m, 1957) und des Dhaulagiri (8167 m, 1960), erfolgreicher Filmemacher und Buchautor. Neben dieser Auszeichnung und den vergebenen sechs Goldenen Pickeln erhielten noch drei weitere Kletterer eine besondere Erwähnung: Jason Kruk und Hayden Kennedy für die erste "by fair means"-Begehung des Südostgrats am Cerro Torre in Patagonien. Kennedy und Kruk hatten bei ihrer Besteigung keinen der über 300 Bolts des Erstbegehers Cesare Maestri benutzt und anschließend beim Abseilen einen Großteil dieser Haken entfernt. Die zweite besondere Erwähnung erhielt David Lama für die erste freie Begehung des Cerro Torre-Südostgrat nur wenige Tage nach Kruks und Kennedys Ausnagelung.

Video: Kyashar – Piolets d'Or 2013




Video: Muztagh Tower – Piolets d'Or 2013




Video: Baintha Brakk – Piolets d'Or 2013




Video: Nanga Parbat, Mazeno Ridge – Piolets d'Or 2013




Kamet – Piolets d'Or




Shiva – Piolets d'or




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