Piolet d‘Or 2014: "Alpin-Oscar" für für große Erstbegehungen vergeben

Ende März wurde in Chamonix und Courmayeur der Piolet d‘Or für herausragende alpinistische Leistungen vergeben. Dabei: ein berühmter Schweizer und eine kanadische Seilschaft. Bilder & Info hier.

Ueli Steck erhielt den „Alpin-Oskar“ für seine kühne Solobegehung der Annapurna-Südwand, die kanadische Seilschaft Raphael Slawinski und Ian Welsted bekam ebenfalls eine Auszeichnung für die Erstbesteigung des K6 West in Pakistan über die 2700 Meter hohe Nordwestwand.

Beim 22. Piolet d‘Or, der seinen krönenden Abschluss am 29. März in Courmayeur mit der Verleihung des prestigeträchtigen Titels an zwei Expeditionen aus dem Jahr 2013 fand, hatte die Jury keinen leichten Job.

Aus über 70 großen alpinen Unternehmungen rund um den Erdball hatten die sechs Jurymitglieder am Ende fünf ausgewählt, die am besten mit den ethischen Vorgaben des Piolet d‘Or übereinstimmten.

Kleine Teams, wilde, noch unerschlossene Ziele, keine Hochlager, Träger oder künstlicher Sauerstoff, wenig Spuren hinterlassen, gute Teamarbeit und Rücksicht auf die Umwelt und Menschen vor Ort, so lauten kurz gefasst die Vorgaben. Hinter alledem steht die Idee, modernen Extremalpinismus zu würdigen und einer breiteren Öffentlichkeit nahe zu bringen.

Die Teams der fünf geladenen Expeditionen waren für die Feierlichkeiten in Chamonix und Courmayer alle vor Ort.

– Matthias und Hansjörg Auer (Österreich) und Simon Anthamatten (Schweiz) für die Erstbesteigung des Kunyang Chhish East (7400 m, Pakistan) über die rund 2700 Meter hohe Südwestwand

– Marek Holecek und Zdenek Hruby (Tschechische Republik) für die Erstbegehung der etwa 2000 Meter hohen Nordwand des Talung (7439 m, Nepal); Zdenek Hruby kam leider im Herbst 2013 am Gasherbrum 1 ums Leben

– Raphael Slawinski und Ian Welsted (Kanada) für die Erstbesteigung des K6 West (7040 m) über die etwa 2700 Meter hohe Nordwestwand

– Mark Allen und Graham Zimmermann (USA) für die zweite Besteigung des Mount Laurens (3052 m, Alaska), die ihnen über eine neue, rund 1400 Meter hohe Route über Nordostpfeiler und Nordgrat gelang

– Ueli Steck (Schweiz) für die Erstbegehung einer neuen, rund 2700 Meter hohen Route durch die Südwand der Annapurna (8091 m, Nepal) im Alleingang

 

Piolet d'Or 2014 - Alpinismus-Auszeichnung in Chamonix
Foto: Ralph Stöhr Ueli Steck (li.), Ian Welsted und Raphael Slawinski mit ihren Piolet d'Or-Auszeichnungen.

Natürlich war die Freude bei den Ausgezeichneten groß: Ueli Steck strahlte übers ganze Gesicht, und Raphael Slawinski beschreibt den Moment, als er mit der Trophäe auf der Bühne stand so: „Ich wartete irgendwie darauf, jeden Moment aus diesem Traum aufzuwachen.“

Für alle Nominierten galt aber: Schon die Einladung zu diesem großen Event ist eine große Ehre. Und der Austausch unter den vielen anwesenden Extremkletterern viel wert: Vier Tage lang wurden in Chamonix Erfahrungen ausgetauscht und von neuen Zielen geträumt.

Eine Ehrung für sein alpinistisches Lebenswerk wurde außerdem dem amerikanischen Alpinisten John Roskelley zuteil. Der 1948 geborene Roskelley bestieg unter anderem den K2 über den langen Nordostgrat und erstmals ohne Flaschensauerstoff, kletterte als erster auf den Great Trango Tower (6286 m) und den Gaurishankar (7134 m), war in der Nordwestwand des Nanda Devi (7816 m) erfolgreich und vieles mehr.

Nach Walter Bonatti, Reinhold Messner, Doug Scott, Robert Paragot und Kurt Diemberger war John Roskelley der sechste, der den „Piolet d‘Or Lifetime Achievement Award“ erhielt. Und das, obwohl er aus einer Generation stammt, die über ihre Leistungen nur wenig berichtete: „Wir hielten das Klettern und Bergsteigen immer für unsere Privatsache“, erklärte er bei der Preisverleihung. War aber dennnoch gerührt über so viel Aufmerksamkeit.

Schließlich bekamen Stéphane Benoist und Yannick Graziani eine „besondere Erwähnung“. Den beiden Franzosen war acht Tage nach Ueli Steck die zweite Begehung der Route in der Annapurna-Südwand geglückt. Bei wesentlich schlechteren Verhältnissen brauchten sie aber neun Tage für Auf- und Abstieg, am Ende bekam Stéphane Benoist eine Lungenentzündung und nur mit viel Glück und einem wunderbaren Teamgeist schafften die beiden es zurück ins sichere Basislager, Benoist allerdings mit schweren Erfrierungen, die ihn einige Zehen und Finger kosteten.

Verliehen wird der Piolet d‘Or durch die Groupe de Haute Montagne (GHM), eine Vereinigung französischer Spitzenalpinisten mit Sitz in Chamonix.

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Fotostrecke: Ueli Steck & Michi Wohlleben: Wintertrilogie an den Drei Zinnen

10 Bilder
Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie Foto: Archiv Steck / Wohlleben
Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie Foto: Archiv Steck / Wohlleben
Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie Foto: Archiv Steck / Wohlleben