Michi Wohlleben klettert "Camillotto Pellissier" (8a+, 12 SL)

Am 2. August gelang Michael Wohlleben der Klassiker "Camillotto Pellissier" an der Großen Zinne. Hier gibt es Michis Bericht.

Fotostrecke: Michi Wohlleben klettert die "Camillotto Pellissier" (8a+, 12 SL)

9 Bilder
Michael Michi Wohlleben Camillotto-Pellissier Dolomiten Foto: Hansi Heckmair
Michael Michi Wohlleben Camillotto-Pellissier Dolomiten Foto: Hansi Heckmair
Michael Michi Wohlleben Camillotto-Pellissier Dolomiten Foto: Hansi Heckmair

Michi Wohllebens Bericht:

"Das erste Auschecken
Zusammen mit Thomas Schrott (30) einem Tiroler, der in Berlin wohnt, war ich das erste Mal Anfang Juli in der Camilotto-Pellisier an der Großen Zinne Nordwand. Die Route war 1968 im technischen Stil erstbegangen worden. Die Route hat sechs schwere, konstant überhängende Seillängen am Anfang, 7b+, 7c, 8a+, 7c+/8a, 7a, 8a+. Danach flacht die Route ab und es folgen weitere sechs klassische, alpin abgesicherte Seillängen die sich um den sechsten und siebten Schwierigkeitsgrad (UIAA) bewegen. Nach diesen sechs Seillängen kommt man dann im oberen Teil der Dibona-Kante raus und gelangt über sehr leichtes Gelände auf den Gipfel der Großen Zinne.
Das erste Auschecken war sehr vielversprechend! Wir kletterten in Wechselführung. Neben der 7c+/8a Seillänge, die ich im Nachstieg onsightklettern konnte, konnte ich auch dank Thomas, der mir die ganzen Züge der letzten Seillänge (die Schlüsselseillänge) ansagte im Flash klettern, was mich wirklich sehr freute!

Da das Wetter dann allerdings erst mal für eine ganze Weile schlecht war, saßen wir zuhause, trainierten viel und telefonierten fast täglich mit Albert? Leichtfried von der ZAMG in Innsbruck, um einen gescheiten Wetterbericht zu bekommen.
Nach über drei Wochen war dann endlich Hoffnung, gutes Wetter! Natürlich nutzten wir die Chance, um dieses Psycho-Drama endlich zu beenden. Das ewige Zuhause sitzen und warten, dass das Wetter gut wird macht irgendwie krank! Vor allem weil mir die Zeit davon lief! Ende August begann für mich die Staatliche Prüfung zum Berg -und Skiführer, was dann vorübergehend nicht mehr hart klettern bedeutet.

Der Durchstieg

Mit dabei waren Hansi Heckmair als Fotograf, Hans Hornberger als Filmer, wieder Thomas Schrott als Kletterpartner und meine Wenigkeit. Ein Chaotentrupp, den es nicht mehr schlimmer gibt. Am Dienstag den 2. August war es dann endlich soweit, der Plan war, dass Hans Hornberger über den Normalweg solo auf den Gipfel geht und wir über die Route auf den Gipfel klettern. So konnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, ich konnte versuchen die Seillängen Rotpunkt zu klettern und am Gipfel könnten wir dann noch Gipfelaufnahmen schießen, die ja auch gemacht werden müssen. Gesagt getan, wir standen morgens um 8:30 Uhr am Einstieg. Es war wie immer diesen Sommer eiskalt, aber daran haben wir uns gewöhnt. Nun war endlich Zeit fürs Klettern und das lief perfekt, jede gepunktete Seillänge mehr machte mich entspannter, der Druck wurde kleiner und die Freude größer. Ich hatte einen Flow wie ich ihn selten hatte, ich kletterte endlich mal, kein Fotoshooting, kein Filmer der sagt stopp zurück… Einfach klettern und das lief super. Ich kam am Stand der sechsten Seillänge an, ohne an diesem Tag in irgendeiner Seillänge einen zweiten Versuch gebraucht zu haben. Die weiteren Seillängen kamen mir vor wir ein Siegeszug, wir rannten die Seillängen hinauf ich voraus, Thomas hinterher und freuten uns jeden Meter, den wir kletterten, dem Gipfel näher zu kommen. Vom Ringband aus sahen wir schon Hans, der am Gipfel auf uns wartete. Und schließlich standen wir dann um 15:30 Uhr auf dem Gipfel. Ein lauter Schrei und es war geschafft!

Mein großer Dank gilt mal wieder dem Hansi Heckmair, für die coolen Bilder. Dem Hans Hornberger, der mit vollem Einsatz die ganze Zeit gefilmt hat, als erster morgens aufgestanden ist und als letzter ins Bett gegangen ist. Und natürlich dem Thomas, der mich die ganze Zeit unterstützt hat.
Eine weitere Route, die mein Jahr ein bisschen vollkommener macht. Ich habe mir nach jeder Aktion dieses Jahr geschworen, dass ich mir ein bisschen Ruhe gönnen werde, was ich aber nie geschafft habe. Ich habe jedes Mal weiter auf das nächste Ziel trainiert. Nun werde ich mir diese Pause nachträglich gönnen und mich auf meine Ausbildung konzentrieren."

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09.09.2011
Autor: Michi Wohlleben
© klettern