Jasper und Schaeli klettern "Sebastien Gay Memorial Route“ (1000m, F5/ A2, 90°) an der Matterhorn Nordwand frei


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Matterhorn Nordwand Robert Jasper
Foto: Frank Kretschmann

 

Robert Jasper Matterhorn Nordwand
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Robert Jasper Matterhorn Nordwand
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Robert Jasper Matterhorn Nordwand
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Robert Jasper Matterhorn Nordwand
Foto: Frank Kretschmann
Mit der "Sebastien Gay Memorial Route“ an der Matterhorn Nordwand befindet Robert Jasper seine Trilogie der großen Nordwände für beendet. Hier gibt es die Details und Bilder.

Robert Jasper (43) war Anfang Oktober zusammen mit seinem Seilpartner, dem Schweizer Roger Schaeli (33) in der Matterhorn Nordwand erfolgreich. Sie verkündendeten "die erste freie Begehung der Sebastien Gay Memorial Route (1000 Meter, F5/ A2, 90°, rotpunkt M8), an einem Tag."

Robert Jasper beschreibt die Route: "Die Route des berühmten Schweizer Bergsteigers Jean Troillet, die er 2008 zusammen mit Martial Dumas und Jean Fredriksen in drei Tagen 2008 erstbegangen hatte, folgt auf den ersten 400 Metern der Tschechendirettissima von 1972, um dann ein kurzes Stück der klassischen Schmidroute zu folgen; dann folgt der vom Pitelka-Ausstieg."

Jasper und Schaeli kletterten am 4. Oktober 2011 in 16,5 Stunden bei guten Verhältnissen durch die Nordwand, so berichtet Robert. Das erste Wanddrittel stelle mit seinen 400 überhängenden Metern und Schwierigkeiten bis M8 dabei die Schlüsselstelle dar. Mitten in der Steilwand fanden Robert und Roger einen Haken und eine daran fixierte Holzkiste. Statt um ein Wandbuch handelte es sich dabei allerdings um eine Urne. Die war, wie sich später herausstellte, vom Schweizer-Französischen Team um den verunglückten Sebastien Gay (Namensgeber der Route) dort zurückgelassen worden.

Mit dieser Besteigung freut sich Robert Jasper über die letzte Etappe seiner 'Nordwand-Trilogie'; "der Freikletter-Triologie von Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses, einem Bergprojekt das sich hoffentlich in die Freiklettergeschichte der größten Nordwände der Alpen einreihen wird".

Details zu den Routen der Triologie von Robert Jasper:

Grandes Jorasses Nordwand, erste freie Begehung von No Siesta (1000m, M8) (Jasper/ Stofer, 2003)

Eigernordwand, erste freie Begehung der John Harlin Direttissima (1800 m, M8) (Jasper/ Schaeli, 2010)

Matterhorn Nordwand, erste freie Begehung der Sebastien Gay Memorial Route (1000m, M8) (Jasper /Schaeli, 2011)

 

Robert Jasper Matterhorn Nordwand
Foto: Frank Kretschmann Roger Schaeli und Robert Jasper vor dem Matterhorn.

Interview mit Robert Jasper

Wir haben Robert noch ein paar Fragen gestellt:

Was für eine krasse Geschichte mit der Urne! Wie ist denn das abgelaufen? Habt Ihr da reingeguckt?
Ja, war ein echt krasses Erlebniss. Wer denkt den in solch einer "schattigen Wand" an eine Urne. Wir dachten an alles, an ein Wandbuch, aber nicht an eine Urne, wir hatten absolut keine Ahnung.

Oder habt Ihr das im Nachhinein herausgefunden? Und: war das der Wunsch von Sebastien Gay, dass seine Asche dort deponiert würde? Weißt Du das?
- Ich will erst noch mit Jean Troillet sprechen und genaueres über die Details und die Urne erfahren . Er ist leider noch auf Expedition in Nepal, dauert also noch etwas.
Ich habe aber bei meinen Nachforschungen herausgefunden, dass es die Urne von Sebastien Gay war.

Wieso (diese) Trilogie? Warum hast Du diese Routen ausgewählt?
Mein Traum war, in den drei größten Nordwänden der Alpen das freie Mixedklettern zu etablieren. Es sollte aber auch gleichzeitig ein Zeichen für die jungen Bergsteiger sein, dass man nicht immer auf Expedition weit weg fahren muß.
Es gibt in den Alpen immer noch lohnende Ziele zu realisieren. Es gibt ja viele harte Routen, keine der härteren in diesen großen Nordwänden war aber erstaunlicher Weise komplett frei geklettert.

Mit No Siesta an der Grandes Jorasses war uns 2003 eine aus meiner Sicht der besten alpinen Mixedrouten erstmals frei gelungen. Da wollte ich dann mit dem Eiger und dem Matterhorn weiter machen. Solche Projekte brauchen aber sehr viel Zeit, sehr gute Partner und ein absolut hohes Kletterlevel, da die Absicherung oft sehr zweifelhaft ist. Um die richtigen Verhältnisse zu haben muss man immer dran bleiben, aber auch einen kühlen Kopf behalten, sonst wird das absolut lebensgefährlich! All das machte das Projekt so schwierig und langwierig.

Danke Robert!

Robert Jasper, geboren 1968, gehört zu den besten Allroundern im Klettersport. Der in Schopfheim (Deutschland) und Faulensee (Schweiz) lebende Berg- und Skiführer hat schon über hundert Tage seines Lebens in der Eiger Nordwand verbracht und hört gerne Jimi Hendrix und The Doors.

www.robert-jasper.de

11.11.2011
Autor: Jasper / Burmester
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