Ines Papert: Eisklettern in Romsdalen, Norwegen (+ Bilder)

Anfang Februar war Ines Papert zum Eisklettern in Norwegen. Hier gibt's ihren Bericht und eindrucksvolle Bilder aus dem Land der abenteuerlichen Kletterziele.

Fotostrecke: Bilder von Ines Papert beim Eisklettern in Norwegen

9 Bilder
Eisklettern in Norwegen | Ines Papert Foto: Thomas Senf | visualimpact.ch
Eisklettern in Norwegen | Ines Papert Foto: Thomas Senf | visualimpact.ch
Eisklettern in Norwegen | Ines Papert Foto: Thomas Senf | visualimpact.ch

Bericht von Ines Papert:

"Nach einer Erkundungsfahrt von Rudi Hauser im Dezember 2010 reisten wir an die Westküste Norwegens. Nur wenige Autostunden von Trondheim entfernt, schlängeln sich die Fjorde zwischen steilen Schluchten und gigantischen Felswänden hindurch. Das Gebiet ist unter Basejumpern bekannt, doch bislang wenig bekannt für die Möglichkeiten schwieriger Eis- und Mixedlinien.

Ich hatte die großartige Chance, gemeinsam mit Rudi Hauser, Lukas Seiwald, Kurt Astner, Emanuele Ciullo, Thomas Senf und Scott Milton dorthin zu reisen. Unsere Erwartungen waren groß, das Team stark und hoch motiviert.

Von unserer Basis, einer idyllische Fischerhütte am Sunndalenfjord aus, erkundeten wir die Gebiete Sunndalen, Amotan, Eikesdal, Eresfjord und Trollveggen.

Großer Schreck und „Surprice“ (WI6+/M8, 350m)

Bei perfekten Bedingungen um die null Grad, starte ich mit Thomas Senf, unserem Alpin-Fotografen, in unsere erste Route in Litldalen. Ein massiver Eiszapfen nach 300m Kletterei im Eis ist unser Ziel.

Mit mobilen Sicherungen ausgestattet nehme ich diese Mixedlänge in Angriff. Der Fels gibt tatsächlich Risse für Camalots und Keile her. Dann sichere ich mich ein letztes Mal an einer Eisglasur, bevor es an den gigantischen Zapfen geht. Vorsichtig lehne ich mich vom Felsen nach außen, schlage mit dem linken Eisgerät in den Zapfen. Ich setze das zweite dazu, und schwinge meine Füße vorsichtig hinüber.

Plötzlich: Ein Riss unter meinen Eisgeräten, der tonnenschwere Zapfen reißt ab und stürzt unter mir in die Tiefe. Ich hänge mit beiden Füßen plötzlich in der Luft, muss kurz den Schrecken verdauen und pendle meine Füße zurück zum Fels, um die sichere Glasur zu erreichen. Mein erster Gedanke: ob Thomas unter dem felsigen Überhang genügend sicher platziert ist. Ich rufe ihm zu und er gibt grünes Licht von unten. Alles gut gegangen.

Der Schrecken sitzt tief, doch die Route möchte beendet werden. Nun besteht zwar keine Gefahr mehr, aber der Zapfen wurde zu einem Eisdach, welches ich nur mit großer Anstrengung überwinden konnte.

Beim Abseilen hören wir Stimmen. Unsere Freunde steigen nach Ankunft ihres verloren gegangenen Gepäcks erst am Nachmittag ein. Kurt Astner und Rudi Hauser probieren den direkten Einstieg, müssen sich jedoch aufgrund der schlechten Felsqualität geschlagen geben. Ohne Bohrhaken ein zu riskantes Unternehmen.

Quattro Naziones“ (WI 6/M9/A1, 500m)

Am oberen Talabschluß des Eikesdals entdecken wir eine Mixedvariante. 400 Meter leichte Kletterei führten mich mit Lukas Seiwald, Thomas Senf und Emanuele Ciullo dort hinauf, bevor es ernst wird. Das Ziel: hoch über dem Tal, 40m mit mobilen Sicherungen durch den steilen Granit an den abschließenden Eiszapfen.

In Wandmitte muss ich jedoch einen Bohrhaken (mit der Hand) platzieren, um einen Bodensturz zu vermeiden. Bis zum Ausstieg bleibt jeder Meter anspruchsvoll und meine Partner sichern voller Geduld und motivieren mich, alles aus mir rauszuholen. Ich komme oben an und bin total erschöpft. An eine freie Begehung ist heute nicht mehr zu denken. Wir müssen den weiten Aufstieg noch einmal in Angriff nehmen. Doch starke Schneefälle und die hohe Lawinengefahr machen das Unternehmen unmöglich. Die freie Begehung bleibt ein Ziel für die Zukunft.

Sea Gull Jonathan“ (WI 6) und „Offshore“ (WI 7, 250m)

Als absolutes Highlight unserer Reise ging es mit einem Fischerboot von Eisvag über den Eresfjord zur gegenüberliegenden Wand. Hoch über dem Fjord kletterte ich mit Lukas und Scott Sea Gull Jonathan und zeitgleich erklimmen Rudl, Kurt und Thomas Off Shore. Uns gelingen zwei nebeneinander liegende 250m Eislinien, die noch keiner vor uns geklettert war. Ein Erlebnis der besonderen Art.

50$ King Crab” (WI6/M10, 350m)

Noch nie bin ich und Thomas Senf derartig orange/gelbes Eis geklettert. Der Zapfen erinnert uns an die Beine der King-Crabs, die Rudl am Tag zuvor in den Kochtopf beförderte. Meine Moral war inzwischen fast aufgebraucht, so dass ich den 50$ King Crab mit fünf Bohrhaken absicherte.

Die steile und schwierige Kletterei an geschlossenem Fels ließ kaum mobile Sicherungen zu. Ein Spannweitenzug wurde zur absoluten Schlüsselstelle, die ich erst nach mehreren Versuchen- und dem Absturz meines Eisgerätes schließlich doch knacken konnte. Das abschließende Eis ist vom Feinsten, was ich jemals geklettert bin.

Perly on Ice“ (WI6/ M9 70m Trad)

Eine Mixedlinie, die ich nach Vorarbeiten und zahlreichen weiten Stürzen an unserem letzten Tag frei klettern konnte, während die Temperaturen schon weit über den Gefrierpunkt gingen. Diese Route habe ich unserer „Pflegemutter Perly” gewidmet, die uns während unseres Aufenthaltes mit Informationen, frischem Lachs und bester Unterkunft versorgte.

Danke an alle, die dabei waren und besonders Rudi Hauser, der diese Reise möglich gemacht hat.

Erstbegehungen Ines Papert mit Partner:

- Sunndalen/Litldalen: Nice Surprice (WI6+/M8 350m) Ines Papert/Thomas Senf

- Eikesdal: Quattro Nazioni (WI6/M9/A1 500m) Ines Papert/Lukas Seiwald

- Eresfjord (Boatstripp): Sea Gull Jonathan (WI6 250m) Ines Papert/Lukas Seiwald

- Eikesdal: 50 $ King Crab (WI6/M10 300m) Ines Papert/ Thomas Senf

- Sunndalen/Powerhouse: Perly on Ice (WI 6/M9 70m) Ines Papert/Thomas Senf"

Weitere Informationen:
alpine-extreme.com
kurtastner.com
thomassenf.ch

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28.02.2012
Autor: Papert / Burmester
© klettern