Hochsaison am Fitz Roy

Eine patagonische Schönwetterperiode mit warmen Temperaturen sorgte im Februar für einige grandiose Begehungen am Fitz Roy (3441 m) und seinen Trabanten.

 

Die Ostwand des Fitz Roy mit den existierenden Routen
Foto: Rolando Garibotti/www.pataclimb.com Die 1200 Meter hohe Ostwand des Fitz Roy (3441 m). Die Ostpfeiler-Route folgt dem Verschneidungssystem links von "Royal Flush" und verschwindet dann ums Eck.

Die beeindruckendste Leistung gelang den Belgiern Nico Favresse und Sean Villanueva Mitte Februar mit einer Onsight-Begehung der oft vereisten und deshalb selten gekletterten Ostwand des Fitz Roy (3441 m). Dabei verbanden sie zwei extreme, bislang unwiederholte Routen miteinander: den Ostpfeiler (6a, A3, 1200 m, 1976 erstbegangen durch Casimiro Ferrari und Vittorio Meles) und El Corazon (6b, A4, 1200 m, 1992 von Kaspar Ochsner und Michal Pitelka erstbegangen). Da ihr eigentliches Ziel El Corazon im unteren Wandteil nass war, stiegen sie über den Ostpfeiler ein und folgten dessen Verschneidungssystem bis auf ein Drittel Wandhöhe. Von dort querten sie über das markante Band nach rechts in El Corazon und kletterten über diese Route bis zum Gipfel. Bei ihrer Onsight-Kombination, für die sie 28 Stunden benötigten und fast die komplette Nacht durchkletterten, meisterten die Belgier Schwierigkeiten bis 7b. Dabei setzten sie keine Jümars ein, auch der Seilzweite kletterte alle Längen frei.

 

Der Routenverlauf von "The Wave Effect"
Foto: Damian Llabres/www.pataclimb.com Ein Ritt auf Messers Schneide: die Linie von "The Wave Effect" (7b+, 40 Grad, 1900 m).

Zuvor war den Amerikanern Kate Rutherford und Mickey Schaefer am 9. Februar eine Erstbegehung durch die Südwand des Berges gelungen. The Washington Route führt durch eine Verschneidung einige 100 Meter östlich der Kalifornierroute und bietet Risskletterei von schmalen Handrissen bis zu Kaminen. Da die Risse im unteren Teil oft mit Eis gefüllt waren, kletterte das Duo dort halb technisch, halb frei. Die Schwierigkeiten geben sie mit 5.10, A1, 12 SL an, vermuten aber, dass die Route bei besseren Verhältnissen im Bereich 5.11 komplett frei zu klettern ist.

Mitte Februar glückte dann Whit Magro, Nate Opp and Josh Wharton die erste Überschreitung von Aguja Desmochada, Aguja de la Silla und Fitz Roy, wobei sie mehrere existierende Routen aneinander reihten und rund 800 Meter Neuland erstbegingen. Die klettertechnische Schlüsselstelle im Bereich 7b+ befindet sich auf der Brass Parrot Variant, einer neuen Verbindung zwischen El Condor und Golden Eagle an der Desmochada. Die Aguja de la Silla bestiegen sie über eine komplett neue Route, die sie The Vertical Current (6b, 600 m) nannten, bevor sie den Gipfel des Fitz Roy über die Kalifornierroute erreichten. Vier Tage benötigte das Trio im Alpinstil, wobei die Nachsteiger jümarten. Ihre Überschreitung widmeten die Amerikaner ihrem Landsmann und Patagonien-Veteran Bean Bowers, der die Idee zu dieser Überschreitung hatte und nun an Krebs erkrankt ist.

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04.03.2011
Autor: Steffen Kern
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