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Favresse & Co. rocken Baffin Island
In nur zwei Wochen kletterten die Favresse-Brüder Nicolas und Olivier sowie Sean Villanueva und Stephanne Hanssens fünf Riesenrouten im Granit von Baffin Island.
Nachdem Sean Villanueva und Nicolas Favresse Anfang des Jahres in Patagonien die erste freie Begehung der "Südafrikaner-Route" gelungen war, zog es sie im Juli und August gemeinsam mit Olivier Favresse, Stephane Hanssens und der spanischen Techno- und Solo-Spezialistin Silvia Vidal in den hohen Norden des amerikanischen Kontinents – auf die kanadische Insel Baffin Island. Vidal hatte sich aufgrund der einfacheren Logistik dem belgischen Quartett angeschlossen, vor Ort wollte sie dann eigene Projekte realisieren. Doch vor dem Klettern hieß es erstmal wandern. Insgesamt dauerte die Expedition 45 Tage, davon benötigten die Fünf gut drei Wochen für den Zustieg und eine für den Rückweg – und so blieben gerademal zwei Wochen zum Klettern.
Quasi zum Aufwärmen kletterten Villanueva und Hanssens eine Erstbegehung am 700 Meter hohen Nordwestpfeiler des Tirowka, die sie Chocolate Boomerang (5.11) nannten, komplett frei. Parallel dazu gelang den Favresse-Brüdern die Erstbesteigung eines namenlosen Turmes am Mount Odin. Ihre Route nannten sie Le bic rouge de Odin (5.10, 20 SL).
Dann machten sie sich gemeinsam an ihr eigentliches Ziel, die Befreiung einer Technoroute am Mount Asgard. Ihre Entscheidung fiel auf die Bavarian Route an der Westwand des Südturms, erstbegangen 1996 von den Deutschen Bernd Adler, Markus Bruckbauer, Tom Grad, Luca Guscelli, Mane Reichelt und Christian Schlesener.
Da seit der Erstbegehung der Gletscher zurückgegangen ist, sahen sie sich gleich am Einstieg mit einer 15 Meter hohen, glatten Wandpassage konfrontiert. Ein Fall für Silvia Vidal, die sich kurzfristig dem belgischen Quartett anschloss und die Seillänge im Grad A4+ kletterte. Später gelang die Länge im Headpointstil doch noch im Briten-Grad E8 frei. Wie auch sonst fast die gesamte Wand, wobei das Team oft von der Route der Erstbegeher abwich und letztlich fast die Hälfte der 850 Meter hohen Granitmauer auf unberührtem Fels unterwegs war. Aus diesem Grund gaben sie ihrer Kreation einen neuen Namen, der trotzdem auf die bayerischen Erstbegeher verweist: The Belgarian Route.
In elf Tagen in der Wand kletterten die Belgier viele Seillängen bis in den Bereich 5.12/5.13 frei, nur in der siebten Seillänge blieb ihnen der Rotpunktdurchstieg verwehrt. Zwar konnte Nicolas Favresse alle Züge klettern, diese aneinanderzureihen schaffte er aber nicht – und so scheiterte die komplett freie Begehung letztlich an einem Zug. Nicolas schätzt diese Länge auf 5.13+.
Nach einem Ruhetag, an dem wie üblich mit Blechflöte, Mandoline, Mundharmonika und Akkordeon gejammt wurde, kletterten Hanssens und Villanueva noch in 24 Stunden ohne Pause die Porter Route (5.12, A4) an der Nordwand des Mount-Asgard-Nordturms, wobei sie alle Längen bis auf drei onsight kletterten. Doch auch diese würden ihrer Ansicht nach mit etwas Aufwand frei gehen. Olivier und Nicolas Favresse holten sich derweil noch eine Erstbegehung in der 1200 Meter hohen Nordostwand des Berges, die ihnen komplett onsight gelang – obwohl Whisky Gonzales anhaltende Schwierigkeiten im Bereich 5.10/5.11 und delikat abzusichernde Passagen bieten soll. Was eine Ausbeute innerhalb von zwei Wochen!
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