Drei Mal Zinnen Nordwand: "Winter-Trilogie" von Michi Wohlleben und Ueli Steck in unter 16 Stunden (Bilder + Interview)

Ueli Steck und Michi Wohlleben haben am 17. März eine "Wintertrilogie der Nordwände" an den drei Zinnen non-stop in den Dolomiten geklettert. Sie waren deutlich schneller, als sie geplant hatten.

Fotostrecke: Ueli Steck & Michi Wohlleben: Wintertrilogie an den Drei Zinnen

10 Bilder
Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie Foto: Archiv Steck / Wohlleben
Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie Foto: Archiv Steck / Wohlleben
Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie Foto: Archiv Steck / Wohlleben

Die Idee einer Wintertrilogie an den Nordwänden der Zinnen hatte Michi Wohlleben schon seit ein paar Jahren. Jetzt hat er mit Ueli Steck den vermutlich besten Seilpartner dafür gefunden.

Kein Wunder, dass die beiden deutlich schneller waren als erwartet: In unter 16 Stunden (15:42h) kletterten sie die Cassin (8-, 630m) an der Westlichen Zinne, Comici (7, 550m) an der Großen Zinne und die Innerkofler (4) mit Nordwandeinstig an der kleinen Zinne; drei klassischen Nordwandrouten.

Michi Wohlleben berichtet:
"Am Montag starteten wir um 8:30 Uhr in die Cassin; eigentlich hatten wir 6-12 Stunden eingeplant, aber wir waren nach 3h37min am Gipfel... wir waren beide ziemlich überrascht. Durch simultanes Klettern, "running belays" sparten wir extrem viel zeit und kamen zügig vorwärts.

Für den Abstieg brauchten wir eine Stunde. In dem Col zwischen der westlichen Zinne wartete schon unser Freund Lukas Binder, der bereits Wasser geschmolzen hatte... wir machten kurz Pause, aßen und tranken und dann stiegen wir ab zum Einstieg der Comici.

 

Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie
Foto: Archiv Steck / Wohlleben Die Winter-Trilogie von Michi Wohlleben und Ueli Steck im Überblick.

Den Vorbau und die erste Seillänge kletterten wir unangeseilt und dann gings wieder los. Mit simultanem Klettern und langen Stretcher-Seillängen waren wir bis zum Ringband wieder extrem schnell, einzig der viele Schnee auf dem Ringband, welches wir auf die Südseite traversieren mussten, hielt uns ein bisschen auf.

Wir kahmen im letzten Abendlicht auf den Gipfel (nach 4h47min) die Stimmung dort oben war einzigartig und wir ziemlich glücklich.

Dann kam der Abstieg, im Dunkeln war es nicht ganz einfach, aber wir waren circa gegen 21.00 Uhr am Einstieg der Innerkofler. Auch hier stiegen wir durch das Col zwischen Großer und Kleiner Zinne ab. Am Einstieg wartete wieder ein Freund: Flo Rex, der uns dort mit warmen Tee und Cola in Empfang nahm.

Wir zogen uns warm an und gegen 21:30 Uhr starteten wir in die Nordwand der kleinen Zinne. Bis zum Nordwandsattel kletterten wir auf einer Route deren Name ich nicht kenne – klassisches alpines Kombigelände mit einem Wächtenboulder auf den Nordwandsattel.

Ab dem Sattel gings über die Innerkofler Route zum Gipfel der kleinen Zinne. Um circa 0:20 Uhr standen wir beide – zugegebenermaßen ein bisschen kaputt – am Gipfel der kleinen Zinne, schlugen in die Hände und waren beide ziemlich happy...

Eigentlich hatten wir mit einer Gesamtzeit von 30 Stunden oder vielleicht sogar
mehr gerechnet, aber wir haben nur knapp 16h (15h42min) gebraucht. Wir waren selbst etwas verwundert!

Es gibt eben diese Tage, wo alles passt – Verhältnisse gut, Team gut, Kopf gut. Um 2:00 Uhr waren wir an der Auronzo Hütte, weckten Flo, auf der mittlerweile im Bett lag. Dann haben wir eine Flasche Wein getrunken und mit Uelis Smartphone “Tage wie diese” von den Toten Hosen gehört..."

 

Ueli Steck + Michi Wohlleben Drei Zinnen Wintertrilogie
Foto: Archiv Steck / Wohlleben Michi Wohlleben.

Interview: Michi Wohlleben zur Winter-Trilogie an den Zinnen

Michi, wie hast Du Dich auf die Aktion vorbereitet?

Letztes Jahr im Sommer habe ich mal zum Spaß Cassin und Comici an einem Tag geklettert. Und Im November mal bei richtig schlechten Verhältnissen die Innerkofler.

Welche Rolle haben Flo und Lukas gespielt, wärt Ihr auch ohne Support so schnell gewesen?

Lukas und Flo waren extrem wichtig. Um keine Zeit zu verlieren war abgemacht, dass wir am Gipfel jeder Route eine SMS schreiben, und sie dann anfangen Wasser zu kochen, da wir an den Einstiegen keine Zeit verlieren wollten. Am zweiten Depot vor der Innerkofler Route haben wir uns dann richtig warm angezogen und es war schon warmer Tee und Cola bereit. Das war auch perfekt, so mussten wir nicht mit Gaskocher und Ersatzklamotten und so weiter klettern.

Außerdem wäre deren Aufgabe gewesen, falls wir hätten umdrehen wollen, uns zu sagen, dass es die Option abzubrechen nicht gibt!!! Aber Ueli und ich waren eh so extrem von den guten Zeiten in Cassin und Comici gepusht, dass wir nicht mal ans Abbrechen gedacht haben.

Dann gab es (einen oder mehrere) Momente, an denen du gern umgekehrt wärst?

Nein, keinen einzigen!

Mit welchem Schuhwerk habt Ihr das meiste geklettert? Habt Ihr oft gewechselt?

Ich hab mit 'nem großen Kletterschuh geklettert und Ueli auch. Wir hatten Daunensocken dabei um diese am Stand kurz drüber ziehen zu können. Das hat zwei Vorteile: Dann können die Kletterschuhe nicht runterfallen in den steilen Seillängen und man bleibt warm. Und man kann die Socken einfach unter die Primaloft Jacke schieben...

Bergstiefel hatten wir beide, aber gewechselt haben wir nicht oft. Cassin und Comici haben wir beide bis circa 50 Meter vor dem Ringband mit Kletterschuhen geklettert. Mussten halt ab und zu ein bisschen in den Schnee reintreten... Die Innerkofler haben wir von unten mit den Steifeln und Steigeisen gemacht.

Danke Michi!

Mehr zu den Alpinisten unter www.michiwohlleben.de und www.uelisteck.ch.

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Dolomiten Foto: Georg Trappeiner / National Geographic
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Michael Michi Wohlleben Camillotto-Pellissier Dolomiten Foto: Hansi Heckmair
Michael Michi Wohlleben Camillotto-Pellissier Dolomiten Foto: Hansi Heckmair
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