David Lamas heißer Sommer: "American Beauty" und Co.


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David Lama Chamonix
Foto: Archiv David Lama
David Lama hat in den letzten Wochen eine beachtliche Reihe an alpinen Highlights geklettert. Unter anderem: "Camillotto Pellissier" (8a+) an der Großen Zinne onsight und "Paciencia" (8a) am Eiger.

 

David Lama Alpinklettern
Foto: Archiv David Lama David in der "Camillotto" an der Großen Zinne der Dolomiten.

David Lama, seit August 21 Jahre alt, hat in diesem Sommer einige der ganz großen Linien des Planeten geklettert. So gelang ihm am 9. Juli die Camillotto-Pellissier (8a+, 12 SL) an der Großen Zinne in den Dolomiten im Onsight. Zusammen mit Klemens Holzleitner hat er den Dolomiten-Klassiker angegangen, und wegen kalten Fingern fand er die erste Länge gar nicht von Pappe:

"Ich steige in die erste Seillänge ein. Sie ist zwar nur mit 7b+ bewertet, aber ich muss mich erst wieder an die Kletterei im Dolomit gewöhnen. Die Nordwände der Zinnen sind allesamt extrem steil und ausgesetzt. Ihre unzähligen Querbänder und Querrisse prägen die Kletterei und am Anfang ist man sich nie ganz sicher welchen Griffen man vertrauen darf und welche ausbrechen. Ich bekomme kalte Finger, klettere die Länge aber trotzdem sturzfrei zum Stand."

Die folgenden Längen sind zwar schwerer bewertet, fallen dem mittlerweile aufgewärmten David aber leichter. Geholfen haben wohl auch die Spuren von anderen: "Magnesiumspuren von früheren freien Begehungen helfen mir, die Griffe zu finden, Gummispuren der Kletterschuhe verraten, wo sich die Tritte verstecken. Ich steige die Seillänge auf Anhieb durch und auch die nächsten Längen klettere ich onsight..." Herr Pellissier hätte den Kopf geschüttelt. Doch damit nicht genug. Nur wenige Wochen später gibt David noch einmal Gas.

American Beauty heißt eine Route mit einer eindrucksvollen Riss-Länge am Rognon du Plan Inferier direkt bei Chamonix. David war inspiriert: "Vor ein paar Jahren sah ich das erste Foto von einem Kletterer in der American Beauty. Ich war begeistert. Die zweite Seillänge ist ein perfekter Riss, wie man ihn nur selten in Europa findet. Mit Friends der Größe 0,5 sicherte sich der Kletterer in der sonst komplett glatten Wand. Die relativ hohen Schwierigkeiten und die Tatsache, dass die Wand auf über 3000 Meter Seehöhe aus dem Gletscher ragt, faszinierten mich..." Mitte Juli war es soweit, er stieg ein.

 

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Foto: Archiv David Lama "American Beauty" - eindrucksvoll ist sie immer noch.

"Die erste Seillänge ist kein Problem. Auch die zweite Länge klettere ich auf Anhieb, wundere mich jedoch, wo man hier einen 0,5er Friend setzen soll. Die dritte Seillänge ist mit 8a+ bewertet, doch sie fällt mir erstaunlich leicht. Ich wundere mich wieder einmal, wie leicht manche Touren bewertet werden…

Die vierte Seillänge kommt mir dann etwas komisch vor. Zuerst klettere ich sieben Meter nach rechts, bis ich vor einer brüchigen Platte stehe, in der man keine Sicherungen legen kann. Ich klettere wieder zurück und probiere es fünf Meter links vom Stand..." Der Fels ist durchweg schlechter und schwieriger, als im Topo beschrieben, und David ist sich sicher, dass er falsch ist. Nur wie zum Stand kommen? Einige Stürze später schafft er es endlich zum Stand und gemeinsam mit Seilpartner Florian Klingler klettert er die restlichen Seillängen ohne weitere Probleme. Wieder am Wandfuß vergleicht er die Route mit dem Bild im Führer: "Man sieht deutlich, dass manche Risse um fünf bis zehn Zentimeter breiter geworden sind. Es muss also in den Jahren seit der Erstbegehung der Route eine Felsverschiebung gegeben haben. Dies erklärt auch die Bewertung der Schlüssellänge, welche durch die Felsverschiebung sicherlich deutlich leichter geworden ist.

Das Gefühl, gerade durch eine vermutlich instabile Wand geklettert zu sein, hinterlässt ein etwas flaues Gefühl in unseren Mägen. Inwiefern die Route wirklich gefährlich ist müssten Locals beobachten und beurteilen, aber es wäre nicht das erste Mal dass im Mont Blanc Gebiet eine Wand einstürzt…"

Mein lieber Herr, wir freuen uns, dass sie überlebt haben. Weiter so, David!

Und das hat er auch gemacht...

 

David Lama Alpinklettern
Foto: Archiv David Lama David in der "anspruchsvollsten Felsroute", die er dieses Jahr in den Alpen geklettert ist.

Am 21. August stieg er mit Peter Ortner in die Eiger Nordwand ein. Das Ziel: eine freie Wiederholung der von Ueli Steck und Stephan Siegrist erstbegangenen Paciencia. Und Geduld braucht David diesmal, denn diese mit 8a bewertete Alpinroute knipst er nicht gar so schnell ab:

"Stef und Ueli haben die erste schwere Länge nur mit 7b bewertet, also versuche ich sie onsight zu klettern, doch ich stürze schon nach wenigen Metern. Die Wand ist hier nur senkrecht und die Griffe und Tritte sind extrem schwer zu sehen. Ich klettere die Seillänge bis zum Stand, dann lässt mich Peter wieder zu sich ab und ich versuche mein Glück erneut...

Dieses Mal steige ich die Länge durch, aber mit 7b hat das ganz sicher nichts zu tun!" Auch die folgenden Längen fordern den Spitzenkletterer Lama, die ein oder andere Länge muss er zwei Mal probieren. Nach einer kalten Nacht am Eiger kämpfen sie sich durch die letzten Längen, dankbar für gute Bedingungen und unter Anstrengungen:

"Die erste Länge nach dem Biwak ist eine 7c+. Die Zweite ist nur eine 7b+, aber sie fällt mir um einiges schwerer. Bei meinem ersten Versuch habe ich keine Chance. Beim Zweiten bricht mir am Ende der Seillänge ein Griff aus. Beim dritten Anlauf steige ich sie dann endlich durch.

Die restlichen 11 Seillängen sind zwar immer noch schwer, aber ich rette mich von Stand zu Stand und Peter und mir gelingt die erste freie Wiederholung der Route.

Paciencia ist für mich die mit Abstand anspruchsvollste Felsroute, die ich heuer in den Alpen geklettert bin. Ihre schwerste Seillänge ist zwar „nur“ 8a, aber die unzähligen 7bs und 7cs – die mir oft schwerer fielen als die 8a Seillänge – haben es in sich.

Bewertungsvorschlag der einzelnen Seillängen: 6b, 6a, 6a+, 7c, 7c, 7a, 8a, 7a+, 6b+, 6a+, 6a+, 2 (Biwak), 7c, 7c+, 7b, 7a, 6a, 7a+, 7c, 7a, 6c+, 6b, 6b, 6c+"

Alle Berichte in voller Länge und weitere Bilder gibt es unter www.david-lama.com.

Ach ja, und natürlich ist der Tiroler Spitzenkletterer jetzt im September erneut ausgezogen, um das Abenteuer zu suchen: diesmal im Himalaya. Das Ziel von David, Stephan Siegrist und Denis Burdet ist die Nordwand des 6200 Meter hohen Cerro Kishtwar.

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Fotostrecke: Bilder - David Lama klettert am Trango Tower, Pakistan

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David Lama besteigt Trango Tower Foto: Mammut Sports Group AG/Red Bull Content Pool
David Lama besteigt Trango Tower Foto: Mammut Sports Group AG/Red Bull Content Pool
David Lama besteigt Trango Tower Foto: Mammut Sports Group AG/Red Bull Content Pool

Fotostrecke: David Lama in Patagonien

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David Lama am Cerro Torre - Eindrücke aus Patagonien Foto: (c)Corey Rich/Red Bull Photofiles
David Lama am Cerro Torre - Eindrücke aus Patagonien Foto: (c)Corey Rich/Red Bull Photofiles
David Lama am Cerro Torre - Eindrücke aus Patagonien Foto: (c)Corey Rich/Red Bull Photofiles
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