Alexander Huber macht Free Solo
 am Grand Capucin

Im August kletterte Alexander Huber die Schweizerführe am Grand Capucin im Montblanc-Massiv free solo. Außerdem gelangen ihm zwei Erstbegehungen im oberen zehnten Grad. Alexander Huber berichtet.
Foto: Heinz Zak Alexander Huber Free Solo Grand Capucin

Alexander Huber kultiviert den Stil ohne Seil.

"Entlang der Schweizerführe fand ich einen free solo gut machbaren Weg. Nachdem diese Route die leichteste auf den Grand Capucin ist, habe ich sie logischerweise auch wieder als Abstieg benutzt.

Nach solider Vorbereitung waren dann am 5. August die Bedingungen perfekt. Es war zwar relativ kühl, dafür waren aber der Fels und alle Risse vollständig trocken und eisfrei. Um zehn Uhr startete ich vom Schneecouloir in den Fels, 59 Minuten später war ich oben. Nach fünf Minuten Pause machte ich mich wieder auf dem Weg nach unten. Logisch, dass der Abstieg erheblich schwieriger wurde als der Aufstieg. Beim Abklettern fehlt der Überblick, man ist im Bewegungsablauf bei weitem nicht so routiniert als auf dem Weg nach oben und als Extra gibt es noch die ständig notwendige Aussicht nach unten. Stress tauchte trotzdem keiner auf und nach einer Stunde und 46 Minuten des Abkletterns war ich wieder unten bei den Steigeisen. Selbst der anschließende Abstieg durch das Schneecouloir und über den riesigen Bergschrund war an diesem Tag denkbar einfach. Durch die kühlen Bedingungen war beim Rückweg der Schnee im Couloir und am Bergschrund noch halbwegs durchgefroren und bescherte einen sicheren Weg über das letzte, für einen Alleingänger beizeiten durchaus gefährliche Hindernis."

Die Schweizerführe am Grand Capucin bietet auf den üblicherweise gekletterten 11 Seillängen Schwierigkeiten bis zum siebten Grad. Die insgesamt 400 Meter Wandhöhe lassen sich unterteilen: Auf ein 100 Meter hohes, leichtes Schneecouloir folgen 300 Meter reiner Fels.

Mit seinen 3838 Metern gehört der Grand Capucin nicht zu den großen Gipfeln im Montblanc-Massiv. Trotzdem steht er seit der Erstbegehung seiner Ostwand durch Walter Bonatti und Luciano Ghigo bei den Kletterern hoch im Kurs. Es ist vor allem der exzellente Granit, der den Grand Capucin für die Kletterer attraktiv macht.

Foto: Archiv Huber Topo Sansara von Alexander Huber

Topo der "Sansara" von Alexander Huber.

Sansara

Die Wände um Lofer haben es Alexander Huber ebenfalls angetan. So hat er diesen Sommer zwei Routen vollendet, die kompromisslose Kletterei erfordern und beide "im oberen Zehnten Grad" liegen.

"Während meine Route Desperate Reality die ersten beiden Dächer der Wand noch geschickt umkurvt, führt Sansara mitten durch die Dächer, um dann am Ende direkt über das Rissdach von Desperate Reality auszusteigen. Das erste Dach bietet dabei extrem coole Powerkletterei im oberen zehnten Grad und auch der psychische Aspekt kommt bei Sansara nicht zu kurz. Die Route habe ich selbstredend im Vorstieg erstbegangen und am 25. Juni 2008 gelang mir schließlich die Rotpunktbegehung. Die Seillängen im einzelnen: VII+, X+,VIII+,VIII+, IX-, X-, III."

Foto: Archiv Huber Topo der Feuertaufe Alexander Huber

Topo der "Feuertaufe" von Alexander Huber.

Feuertaufe

"Bereits 2007 eröffnete ich zusammen mit Guido Unterwurzacher eine neue Route an der Sonnwand bei Lofer. Dabei erschlossen wir die Route wie immer: von unten, ohne vorheriges Erkunden von oben, im Vorstieg und das bei minimalen Einsatz von Bohrhaken. Herausgekommen ist ein absolutes Highlight, ein erstklassiges Abenteuer in bestem Fels an einer durchgehend überhängenden Wand.

Letztes Jahr blieb uns eine Rotpunktbegehung noch verwehrt, doch dieses Jahr blieben wir dran und wurden belohnt. Am 31. Juli gelang uns die Rotpunktbegehung der Feuertaufe. Die zweite Seillänge erreicht den oberen zehnten Schwierigkeitsgrad, trotzdem sind die Schwierigkeiten vor allem im moralischen Anspruch zu sehen. Die Schlüsselstelle ist zwingend vier Meter über dem Bohrhaken zu klettern, ein Abgang endet in einem 12-Meter-Sturz. Doch auch die anderen Seillängen sind interessant. Die große Hürde, die man bei der Feuertaufe nehmen muss, ist somit nicht die Rotpunktbegehung, sondern vielmehr die erste Berührung mit der Route im Vorstieg. Ein echtes Abenteuer."

16.09.2008
Autor: Huber / Burmester
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