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7+ im Eis des Gasteinertals
Erst zum dritten Mal in der Geschichte des Eiskletterns wurde jüngst der obere siebte Grad für eine reine Eisroute vorgeschlagen. Von Albert Leichtfried und Benedikt Purner für ihre 300 Meter hohe Erstbegehung "Centercourt" im österreichischen Gasteinertal.
Albert Leichtfried und Benedikt Purner scheinen sich zum neuen österreichischen Eis-Dreamteam zu entwickeln. Vor kurzem hatten sie Moonwalk (WI 6, M7, 1000 m) in den Zillertaler Alpen erstbegangen, nun legten sie mit der Fünf-Seillängenroute Centercourt in der Eisarena im Anlauftal oberhalb von Böckstein nochmal eine Schippe drauf. Für das alte Projekt des Locals Hans Zlöbl geben die beiden Tiroler den Grad WI 7+ an. Mit WI 7+ wurden bis dato erst zwei reine Eisrouten bewertet: Second choice, von Will Gadd in Norwegen erstbegangen, und Senda real eine Kreation von Leichtfried und Hary Berger in den chilenischen Anden. Bei Centercourt handelt es sich demnach um eine der härtesten Eisrouten weltweit.
Benedikt Purner berichtet:
"Nachdem wir am Mittwoch die beiden Klassiker Supervisor (WI 6, 270 m) und Seidenraupe Direkt (WI 5, 200 m) geklettert waren, blieben unsere Blicke immer wieder an der hauchdünnen Glasur hängen, die zwischen den Hans Zlöbl-Testpieces Rodeo (WI 6, A2, 250 m) und Land under (WI 7-, M6+, 300 m) durch die Arena zieht - unser Match für den nächsten Tag stand fest.
Centercourt
1. Satz: Aufschlag Purner
Vom ersten Band geht's gleich richtig zur Sache. Die von unten schier unkletterbar anmutende Platte erweist sich zum Glück nur als sauschwer - mangels Sicherungsmöglichkeiten möchte man am liebsten jeden eingefrorenen Grashalm einhängen. Mit etwas Kreativität kann man aber hier und da einen Spectre oder Pecker hineindreschen oder findet auch Platz für kleine Cams. Der Stand an drei C3´s ist was fürs Fotoalbum!
2. Satz: Aufschlag Leichtfried
Hier fällt die Vorentscheidung - möglich oder nicht? Über hauchdünne Glasuren geht der Weg steil nach oben, die sind allerdings nicht angefroren und ergeben sich gerne der Schwerkraft - mühsames Hin und Her ermöglicht das Anbringen von wenigen schlechten Sicherungspunkten in Fels und Eis. Die folgenden leicht überhängenden Meter weisen bereits nach dem ersten Pickelschlag kaum noch Eis auf, ein Weiterkommen scheint unmöglich. Ein Sturz in die miese Schraube unterhalb kann nicht gut ausgehen.
Doch Albert Leichtfried hat ein Ass im Ärmel bzw. am Gurt, und 15 Minuten später ist dank Rocpec ein Bolt platziert. Weiter geht der Nervenkitzel. Das vermeintliche Ende der Crux zeigt sich widerspenstig - wenn die 6cm-Eisschraube nur zur Hälfte reingeht, darf man das Eis durchaus als dünn bezeichnen.
Wenige Züge später steigt Albert über den Zapfen aus und kann die erste gute Schraube dieser Seillänge drehen - wenig später erfolgt der Satzgewinn, 1,5 Stunden hat er gedauert.
3. Satz: Aufschlag Purner
Nach pilzigem Beginn folgen noch einmal richtig steile Meter, hier hat sich ein spröder Röhrenvorhang über das Dach gebildet. Im Anschluss wartet wieder die berühmte dünne Glasur. Es leiden die Nerven und vor allem die Hauen der Eisgeräte - immer wieder erschrecken sie über den Fels unter der Glasur und springen verängstigt wieder heraus. Mit ein paar Schrauben und mit Hilfe der Feunde ist der Satzgewinn aber bald geschafft.
4.Satz: Aufschlag Leichtfried
Es bleibt dünn und spröde, aber es wird etwas flacher. Ende in Sicht, aber noch nicht ganz.
5.Satz: Aufschlag Purner:
Die Entscheidung ist schnell herbeigeführt - nach dem Ende des Eises wird der Centercourt verlassen - zwei Sieger gehen vom Platz!
Geblieben ist eine unglaubliche Linie mit unmenschlichen Schwierigkeiten - try it!"
Homepage von Albert Leichtfried: www.albertleichtfried.at
Homepage von Benedikt Purner: www.alpine-spirits.com
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