Klettern in der Provence

Klettergebiet Malaucene am Mont Ventoux: klein und sehr fein


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Klettern in der Provence: Mont Ventoux, Malaucene
Foto: Ralph Stöhr

 

Klettern in der Provence: Mont Ventoux, Malaucene
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Klettern in der Provence: Mont Ventoux, Malaucene
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Klettern in der Provence: Mont Ventoux, Malaucene
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Klettern in der Provence: Mont Ventoux, Malaucene
Foto: Ralph Stöhr
Der Mont Ventoux in der Provence ist Fans der Tour de France natürlich ein Begriff. Doch man kann hier mehr, als nur in die Pedale treten. Das Klettergebiet Malaucene bietet auch Bergetappen für Kletterer.

Der Gipfel des Mont Ventoux hat es in sich. Der Engländer Tom Simpson fiel hier 1967 am Ende einer besonders anstrengenden Etappe – 211 Kilometer von Marseille über Carpentras bis auf den Mont Ventoux – erschöpft vom Sportgerät. Seine letzten Worte waren: „Setzt mich wieder auf mein Rad!“ Wenig später starb er im Hubschrauber auf dem Weg ins Krankenhaus. Doch von der Tour de France zurück zu unseren Kletter-Plänen.

Zum Glück, denke ich mir, ist das Klettern an diesem Berg doch wesentlich entspannter als das Hochradeln. Aber der eine bervorzugt halt dicke Oberschenkel, der andere dicke Unterarme. Jeder, wie er will. Der 1912 Meter hohe Mont Ventoux ist als westlichster Vorposten der Alpen in Südfrankreich nicht nur ein markanter und weithin sichtbarer Berg – rundum findet sich weit und breit keine ähnlich dominante Erhebung –, sondern als regelmäßiges Etappenziel bei der Tour de France ein bei Radfahrern extrem begehrter Gipfel.

Die Strecke von der Ortschaft Malaucène, westlich am Fuß des Mont Ventoux gelegen, beträgt nur knapp 20 Kilometer, bietet auf dieser Strecke aber fast 1600 Höhenmeter Anstieg mit bis zu 12 Prozent Steigung. Kurzum: eine echte Herausforderung. Wer sie meistert, darf in einem der vielen Bikeshops in Malaucène dann das T-Shirt kaufen und tragen, das ihn als Mont-Ventoux-Bezwinger ausweist.

Die Alternativen zu Saint Léger

Die Radler sind nicht die einzigen Sportler, die am Mont Ventoux bis zur Erschöpfung glücklich werden. Auch Kletterer frequentieren die Hänge des Mont Ventoux seit etlichen Jahren mit großer Begeisterung. Am bekanntesten wurde das Klettergebiet bei Saint Léger. Im Tal des Toulourenc auf der Nordseite des Mont Ventoux gelegen, bietet ein langgezogenes Felsband vor allem den Hardmovern ein reiches Betätigungsfeld. Wer sich in den Graden ab 6c aufwärts sicher bewegt, findet hier gut 300 Routen.

Gute Felsqualität in Malaucène

Kleiner und weniger bekannt sind die Felsen direkt bei Malaucène und die Wände der Combe Obscure auf der Südseite des Mont Ventoux. Wobei beide Gebiete die fehlende Größe – es finden sich hier pro Gebiet jeweils nur 50 bis 60 Routen – mit überragender Felsqualität wettmachen. Nichts gegen die Wände von Saint Léger, aber der eine oder andere Griff wackelt da ja doch einmal. Unlängst ist gar ein halber Pfeiler aus einer Wand gebrochen. Die Blöcke mit den Bolts drin liegen jetzt am Wandfuß. Derlei ist in Malaucène und der Combe Obscure praktisch ausgeschlossen, denn in beiden ist der Kalk unglaublich kompakt.

Für Genießer und Sportler

Die Combe Obscure ist dabei das freundlichere der beiden Gebiete. Der Fels ist geneigt bis senkrecht, plattig mit großen Löchern als Griffen und bekommt viel Sonne ab. Zudem gibt es viele Routen in den Graden 5 und 6a, und Wege wie Et Moi alors (5), ein griffig-rauer Plattenspaß, oder Le Chandelier (6a+) mit seinem kurzen, kraftigen Überhang am Ende, bekommen ihre Sterne im Kletterführer nicht umsonst. Für Hardmover gibt es dann noch eine Handvoll Routen zwischen 7a und 7c. Allerdings sind auch die bestenfalls senkrecht und sehr kleingriffig, bieten also nichts das ideale Gelände für Kraftmeiereien.

An den beiden Felsriegeln von Malaucène ist ein bisschen rohe Power dagegen ganz nützlich. Die sind zwar auch nicht brachial steil, aber es gibt doch einige überhängende und zum Teil auch sehr griffige Routen. Bestes Beispiel ist Cayenne, eine henkelige, aber sehr anstrengende 6c+. Meist herrschen aber kleine Löcher und Leisten vor wie in der Parade-Linie von Un nouveau Monde (7b+). Abgesehen von einer guten Handvoll Aufwärmtouren zwischen 4 und 6a spielt sich in Malaucène praktisch alles zwischen 6b und 8b ab.

Die kompakten Wände, die sehr ruhig in einem lichten Wald liegen und einen herrlichen Ausblick bis zu den Dentelles de Montmirail im Südwesten bieten, bekommen vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend Sonne. An kurzen, kalten Wintertagen reicht das allerdings kaum, um den Fels aufzuwärmen. Von Frühjahr bis Herbst passt aber alles, und wenn man dann im Licht der untergehenden Sonne vom Fels zurück zur Straße kommt, kann man den letzten Radlern bei der Abfahrt zuschauen – das wäre der Teil der Mont-Ventoux-Herausforderung, der mich auch mal reizen würde.

Klettern in der Provence

Statt Radeln und Klettern lässt sich an einem Ruhetag hier die Provence genießen. Malaucène ist eine mittelalterliche Ortschaft mit engen, verwinkelten Gassen, die sich um einen Sandsteinhügel winden, auf dem einst ein Fort stand. Der Hügel ist heute ein wunderbarer Aussichtspunkt mit großartigem Blick über die Dächer Malaucènes zum Mont Ventoux. Der bietet natürlich noch einmal ein anderes Kaliber von Aussicht: im Norden und Osten die Alpen, im Westen die Cevennen, im Süden das Mittelmeer, im Südwesten die Pyrenäen – spektakulärer geht es kaum.

Wer sich den Gipfel erlaufen möchte, kann auf halber Höhe beim Skiressort starten und in rund eineinhalb Stunden einem schönen Wanderweg zum höchsten Punkt folgen. Wer einfach nur ruhen und bummeln will, kann die römischen Ruinen in Vaison-la-Romaine oder das Château du Barroux besichtigen. Kurzum: Einem erfüllten Kletterurlaub steht nichts im Weg.

 

Klettern in der Provence: Mont Ventoux, Malaucene
Überblickskarte: Klettern am Mont Ventoux.

Infos zu den Klettergebieten von Malaucène und Combe Obscure

Anfahrt: Malaucène liegt in der Provence und auf der Westseite des Mont Ventoux. 20 Kilometer südlich davon liegt Carpentras, 20 Kilometer nördlich Buis-les- Baronnies. Die nächste größere Ortschaft, Vaison-la-Romaine, ist rund 10 Kilometer entfernt. Die Anfahrt erfolgt über die Autobahn A7 (Lyon-Marseille) bis Bollène, dann folgen noch rund 40 Kilometer Landstraße.

Unterkunft: Bei Malaucène bietet der Camping le Bosquet von April bis Oktober 80 Stellplätze für Zelt und Wohnmobil (Tél. : 33 (0)4 90 65 29 09, E-Mail: camping.lebosquet@wanadoo.fr). Vom Zeltplatz gelangt man in wenigen Minuten zu den Felsen. Jenseits der Hauptsaison sind aber auch Ferienwohnungen in den französischen Feriensiedlungen sehr günstig zu haben. Die kleinste Wohnung in der Anlage „Les Mazets du Ventoux“ in Malaucène kostete im Winter 2015/16 ab 154 Euro pro Woche. Dafür gibt‘s ein Dach überm Kopf, ein Schlafzimmer, eigenes Bad und ein Wohnzimmer mit Küche (buchbar über casa-mundo.de oder fewo-direkt.de).

Klettern: Die Felsen von Malaucène – genau genommen heißen sie Rochers du Groseau – bieten klassisches Sportklettergelände, gut eingebohrt, mit festem Fels und abseits der Straße. Der Wandfuß ist mehr oder weniger eben und kindertauglich. Der kurze, aber steile Zustieg von der Straße dauert rund 10 Minuten. Es gibt insgesamt rund 65 Routen an zwei breiten, rund 25 Meter hohen Felsriegeln. Neben den erwähnten Felsen von Saint Léger, Malaucène und der Combe Obscure gibt es noch einen steilen Felsriegel bei Mollans-sur-Ouvèce mit rund 100 Routen, an dem Adam Ondra unlängst die Erstbegehung der 9b-Route C.R.S. gelang.

Führer: Die Gebiete von Saint Léger, Malaucène und die Combe Obscure sind im englisch-sprachigen Rockfax-Führer „France-Haute Provence“ beschrieben.

(Direkt hier kaufen im klettern-shop.de, Preis 29,90 Euro)

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Klettern im Donautal Foto: Ronald Nordmann
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09.06.2016
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 02/2016