Klettern bei Briancon

Kletterparadies Haut Val Durance

Um die Durance türmen sich Felsen in großer Vielfalt: Sportklettern, Bouldern und auch lange Routen finden sich hier. Ein Überblick über die besten Klettermöglichkeiten bei Briancon.

 

Klettern Südfrankreich Briancon
Foto: Leuchsner, Stöhr / Redaktion klettern Philipp Hans genießt die Pfingstsonne in Freissinière.

Das Repertoire an guten Felsen im oberen Durance-Tal scheint unerschöpflich. Es dürfte in Europa nur wenige Gebiete geben, in denen auf kleinem Raum so viel vertikale Abwechslung geboten ist. Wir sind in der Sonne geklettert, haben schattige Wände gesucht und gefunden, Leisten gezerrt, Löcher blockiert, Sloper gehalten. Wir waren auf Kalk, Quarzit, Gneis, Granit und Konglomerat unterwegs. Haben gebouldert, harte Routen projektiert und gut gesicherte, lange Genussklettereien erlebt. Sind auf Gipfeln gestanden und haben den Blick auf die vergletscherten Riesen der Dauphiné genossen. 73 Gebiete beschreibt der aktuelle Kletterführer zwischen dem Col du Lautaret und Guillestre, 73 Gebiete mit noch viel mehr Sektoren und Tausenden Routen. Keine Frage: Das Haut Val Durance ist ein Kletterparadies.

 

Klettern Südfrankreich Briancon
Foto: Leuchsner, Stöhr / Redaktion klettern Technisch anspruchsvolle Kletterei wartet in Les Ayes.

Und Kletterparadiese sind beliebt. Nehmen wir zum Beispiel die Wand von Les Ayes. Dieser schöne Fels liegt fast an der Waldgrenze, die Almlandschaft weiter oben bildet den malerischen Hintergrund. Der Zustieg ist megakurz – aus dem Auto raus, einmal über den Bach fallen, schon steht man am Fels. Da die Straße im Grunde nirgends hinführt, gibt es kaum Verkehr. Der Fels ist typisch für den alpin verfalteten Kalk, der in manchen Klettergärten der Region anzutreffen ist: abwechslungsreich strukturiert, meist mit kleinen Leisten, vielen Seitgriffen und nicht immer offensichtlichen Tritten.

 

Klettern Südfrankreich Briancon
Foto: Leuchsner, Stöhr / Redaktion klettern Zu den dicken Armen bitte hier lang.

Häufiger haben wir erlebt, dass wir fast alleine am Fels waren. Es gibt so viele kleine, stille Ecken, dass sich niemand, der nicht will, mit anderen um Routen streiten muss. Andererseits hat es natürlich immer seinen Grund, warum manche Gebiete in Mode sind und andere nicht. Der Rocher Baron zum Beispiel, dieser große Quarzitklops bei Prelles, der ist in. Und das zurecht: Die Klettereien sind griffig, rau, fantastisch. Schöne leichte Routen sind oft nicht leicht zu finden – hier gibt es sie. Oder die Rue des Masques, im Sommer der neue In-Spot für starke Sportkletterer: Hier kann man endlich die Hallenpower an die Wand bringen, die steilen Konglomeratrouten pumpen und machen richtig Spaß. Klar, dass das nicht ewig ein Geheimtipp bleibt. Der Fels ist einfach zu gut. Wer übrigens in der Rue des Masques zum Klettern geht, sollte unbedingt einmal dem Wanderweg an den Felsen entlang und noch ein Stück talabwärts folgen: Der Ausblick auf das Tal zwischen Mont Dauphin und Rue des Masques ist einmalig schön – und damit auch typisch für das Klettern in der Region. Von vielen Felsen aus hat man einen tollen Blick. Fast immer ist der Mont Pelvoux, mit 3946 Metern der vierthöchste Gipfel der Dauphiné-Gruppe, noch irgendwo zu sehen. Und wenn nicht der, dann ein anderes Gipfelpanorama. Es hat eben Vorteile, mitten in den Alpen zum Sportklettern zu gehen.

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31.03.2011
Autor: Ralph Stöhr
© klettern