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Bouldern in Fontainebleau - Bilder + Info

Heute Bleau, morgen Bleau - Bouldern in Fontainebleau

Südlich von Paris wartet das Paradies. Der Wald von Fontainebleau beherbergt das größte und beste Bouldergebiet dieses Planeten. Doch es ist nicht allein der perfekte graue Sandstein, der Jahr für Jahr Kletterer aus aller Welt anlockt. Bleau hat weit mehr zu bieten als harte züge: Bleau ist ein Mythos und ein Ort voller Magie.


Fontainebleau Bouldern
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Foto: Steffen Kern

Nur ein Stück Blech am Straßenrand und doch so viel mehr. Immer wenn ich das Schild „Forêt Domaniale de Fontainebleau“ kurz vor dem Obelisk am südlichen Rand der Stadt passiere, löst es nach der langen Anfahrt eine nervöse Vorfreude aus – und ein Gefühl von Heimkehr. Heimkehr in den Wald aller Wälder mit seinen Birken, Kiefern, Eichen, Buchen und Farnen, dazwischen Sand oder ein weicher, federnder Waldboden. Und Blöcke. Millionen von grauen, ockerfarbenen und braunen Sandsteinblöcken, mal putzig klein, mal furchteinflößend hoch.

Der Autor Steffen Kern in "Le ptit Toit" (6b).
Foto: Steffen Kern

Manchmal dicht aneinander gereiht, enge Gassen wie in einem Irrgarten bildend, manchmal weitflächig verstreut auf licht bewaldeten Hügeln oder auf offenen, sandkastenartigen Flächen. Allen gemein sind die einzigartigen Formen und Strukturen, wie extra für uns Boulderer geschaffen. „Der Wald von Fontainebleau ist der heilige Gral des Boulderns“, schreiben Colin Lambton und J.S. Watson im Vorwort ihres Führers „Essential Fontainebleau“. Oder wie es der US-amerikanische Topboulderer Christoffer Schulte auf seiner Webseite ausdrückt: „Fontainebleau is why I climb.“

Gewohnter Anblick: Mattenträger im Wald von Fontainebleau.
Foto: Steffen Kern

Es ist genug für alle da!

Weit über hundert Gebiete, zehn- bis zwanzigtausend erschlossene
Boulder, die ersten nur wenige Schritte von den letzten Häusern der Stadt – wie der Roche d‘Hercule am nördlichen Rand Fontainebleaus –, die entlegensten keine fünfzig Kilometer entfernt. Allein die aneinander grenzenden Gebiete von Cuvier-Châtillon besitzen mehr Probleme als der Tessiner Topspot Chironico. Das Gleiche gilt für den Höhenzug der Gorges de Franchard. Alle Gebiete des südwestlich angrenzenden Forêt Domaniale des Trois Pignons zusammen bieten wahrscheinlich gar doppelt oder dreimal so viele.

Und das Beste: In „Bleau“ (oder „Font“ wie die Briten sagen) wird wirklich jeder glücklich – vom Ein- bis Hundertjährigen. Naja, vielleicht nicht ganz, aber ein 85-Jähriger ist mir schon über den Weg gebouldert. Eher krabbelnde, aber ebenso gut gelaunte Einjährige trifft man sogar reichlich. Doch nicht nur demographisch betrachtet, auch was die Verteilung des Fels-Reichtums hinsichtlich der Kletterleistung betrifft – der Wald kennt keine Verlierer. Hier werden blutige Anfänger und 4b-Genussboulderer ebenso üppig bedacht wie ambitionierte Aufsteiger und Könner des achten Fontainebleau-Grades. Die weit über hundertjährige Klettergeschichte des Waldes macht‘s möglich. Denn so wurden – anders als in den meisten anderen, erst in den letzten Jahren oder maximal Jahrzehnten erschlossenen Bouldergebieten – die Schwierigkeiten langsam gesteigert. Allein bis zum oberen fünften Fb-Grad, erstmals 1934 durch Pierre Allain gebouldert, dauerte es rund fünfzig Jahre, bis zur ersten 7c weitere fünfzig. Und dazwischen ging die Erschließung eben auch in die Breite. So finden sich heute in jedem Bleaugrad tausende Probleme – vom zweiten bis zum siebten. Im achten sind es „nur“ hunderte, aber der ist ja auch erst 25 Jahre alt.

Frank Enz versucht sich in "Noir Désir" (7c).
Foto: Steffen Kern

Begegnung mit einem Bleausard

Trotz dieses Riesenangebots ist Bleau kein Konsumtempel, genauso wenig Boulder-Fastfood. Die schnelle Nummer für einzig auf Grade fixierte Kraftpakete gibt‘s hier kaum. Was auch daran liegt, dass echte Dächer im Vergleich zum riesigen Angebot an Platten, Kanten, Pfeilern, Wandklettereien und Überhängen selten sind. Generell ist die Kletterei äußerst technisch, die Anforderungen sind sehr subtil. Oft sind Kleinigkeiten entscheidend: den Körperschwerpunkt ein bisschen mehr nach links, den Fuß ein bisschen mehr nach rechts. Der Fels gibt seine Geheimnisse nicht so leicht preis, er will gelesen und ernst genommen werden. Wer erfolgreich sein will, muss Geduld mitbringen, muss erst den Fels studieren, dann anpacken. Bouldern in Bleau erfordert Demut. Und wer keine zeigt, den wird der Wald Demut lehren …

Wahrscheinlich jeder Siebenerboulderer hat hier schon in einer 5er-Platte sein persönliches Waterloo erlebt – keine Griffe, keine Tritte, keine Ahnung. Und ist nach unzähligen, zunehmend verzweifelten Versuchen unverrichteter Dinge weitergezogen. Vielleicht doppelt frustriert, weil er zuvor eine weitere denkwürdige Lektion erhalten hat, die kaum einem Bleau-Novizen erspart bleibt. Und die geht so: Ums Eck kommt ein grauhaariger, alter Mann, bewaffnet nur mit einem Teppich, einem Stofflappen und alten, viel zu großen Kletterschuhen. Mit leicht verächtlichem Gesichtsausdruck schiebt er euer fettes Crashpad zur Seite, legt seinen Schuhabstreifer an dessen Stelle und tänzelt völlig gelöst den Boulder hinauf. Und bis sich die Sperre eures geöffneten Kiefers wieder gelöst hat, ist er wahrscheinlich drei weitere Boulder hinaufgeturnt. So oder so ähnlich dürfte eure erste Begegnung mit einem „Bleausard“ verlaufen.

Aber auch ihr könnt zum „Bleausard“ aufsteigen. Denn der Wald lehrt nicht nur Demut, sondern auch die notwendigen Techniken und Fertigkeiten, um hier glücklich zu werden. Hier lernt man, auf seinen Füßen zu stehen, Tritte richtig zu belasten, sich weich zu bewegen, zu stützen, zu schieben, zu stemmen, zu pressen. Und zu manteln. Denn oft kommt das Beste zum Schluss: runde, völlig grifflose Ausstiege oder Übergänge aus steilem Gelände in geneigte, griffarme Platten. Doch selbst wer meint, das Manteln zu beherrschen, wird immer wieder – sagen wir – „unorthodoxe“ Techniken einsetzen: Bäuchlings auf einer Kuppe hängend, die Hände nutzlos unterm Leib begraben, bleibt einem nichts anderes übrig als wild mit den Beinen zu wedeln, um sich robbengleich aufs Flache zu schaukeln. Und während einem selbst zum Weinen zumute ist, schallt das Gelächter der Freunde herauf …

Kaddi Lehmann in "L'excuse" (6c) in Buthiers.
Foto: Steffen Kern

Alles so schön bunt hier

Der beste Weg, um sich an die Kletterei in Bleau zu gewöhnen, sind „Parcours“. In diesen sind 20 bis 80 Boulder eines Schwierigkeitsbereichs zusammengefasst und mit kleinen, farbigen Zahlen an den Einstiegen durchnummeriert: Gelbe Parcours bieten Boulder im Bereich Fb 2 und 3, orangene Fb 3 und 4, blaue Fb 4 und 5, rote Fb 5 und 6, weiße oder schwarze von Fb 5 bis 7. Die ersten Parcours entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg und waren als Trainingseinheiten für die „echten Berge“ gedacht. Nach und nach wurde dann immer mehr angepinselt, heute gibt es in fast allen größeren Gebieten Parcours jeglicher Couleur.
Als „geklettert“ gilt ein Parcour nur, wenn man alle Probleme an einem Tag schafft. Da weiß man abends, was man gemacht hat, und nach dem ersten Parcour – oder generell nach dem ersten Bouldertag in Bleau – werden euch Muskeln schmerzen, von deren Existenz ihr nicht die leiseste Ahnung hattet.

Wie bei einer Sinfonie der Paukenschlag, wartet auch bei Parcours in der Regel ein Finale furioso: Oft ist der letzte Boulder besonders schwierig, hoch oder heikel oder alles zusammen – es soll sich ja wie ein echter Gipfelsieg anfühlen. Als Faustregel gilt, dass mit der Schwierigkeit auch die Höhe der Probleme zunimmt. Die meisten weißen und schwarzen Parcours sollten nur als Gruppe mit mehreren Crashpads angegangen werden. Diese „Extrême Difficile“-Parcours sind aber ohnehin einer kleinen Elite vorbehalten. Der weiße Parcours in Bas Cuvier beispielsweise versammelt 27 Probleme zwischen 6a und 7c und ist auch für absolute Topboulderer eine ultraharte Nuss. Selbst der rote Parcour dort bleibt für die meisten Boulderer zeitlebens nur ein Traum. Nicht für Thierry Bienvenu, der sich in den 70er-Jahren mit Jérôme Jean-Charles ein Wettrennen um die schnellste Zeit für die 42 Probleme zwischen 5b und 7a lieferte und die Rekordzeit auf die unfassbare Marke von 18 Minuten drückte.

Festes Pressen in Cuisinère.
Foto: Steffen Kern

Unwahrscheinlich, dass ihr diesen Rekord brechen werdet, aber zumindest wird sich nach einiger Parcour-Praxis so manches Geheimnis des Bleau'schen Sandsteins lüften. Ihr werdet lernen, den Füßen zu trauen, den Fels zu lesen – und irgendwann fühlt sich eine 5a, 6a, 7a oder 8a in Bleau auch nicht mehr härter an als anderswo.

Obwohl man in Fontainebleau ohnehin keine „Grade“ klettert. Hier klettert man „Namen“. Klingende Namen! Dies gilt für den vierten Grad genauso wie für den achten. Und erübrigt in meinen Augen ein Stück weit Diskussionen, ob manch hart bewertetes, klassisches Problem aufgewertet werden sollte. Ob La Science Friction in Gorges d‘Apremont nun 5+ oder, wie in neuen Führern angegeben, 6b+ ist, darauf kommt es eigentlich nicht an. Wer sie hochgekommen ist, hat eben La Science Friction gemacht – eine phänomenale Reibungsplatte mit genialem Namen. Und dass L‘Abbatoir in Bas Cuvier, die erste unumstrittene 7a des Waldes, aufgrund der inzwischen reichlich abgespeckten Tritte heute allgemein als 7a+ eingestuft wird, ist eigentlich auch nur eine Randnotiz.
Denn nach wie vor sind es die Klassiker, die den meisten Zulauf erhalten. Egal ob sie auf- oder abgewertet wurden. Und so befinden sich an Osterwochenenden und in den Herbstferien Boulder wie La Marie Rose (6a), Holey Moley (7a) und Le Carnage (7b+) in Bas Cuvier, das Toit du Cul de Chien (7a), Beurre Marga (6a+) und El Poussif (7a+) in Franchard Isatis oder Le Pt‘it Toit (6b) und L‘Ange Naïf (7c) in 95.2 vom frühen Vormittag bis zur Dämmerung im Belagerungszustand. Zumindest, wenn es nicht regnet. Ob die Bedingungen gut sind oder nicht, macht dagegen kaum einen Unterschied.

Was eigentlich erstaunlich ist. Denn es gibt kein anderes Bouldergebiet, in dem so viel über die Bedingungen geredet wird und wo die Meinungen über die perfekte Temperatur so weit auseinandergehen. Manchen kann es nicht kalt genug sein, damit der Grip vor allem auf Slopern möglichst gut ist. Dafür sitzen sie Jahr für Jahr in den Weihnachtsferien zwei Wochen Schmuddelwetter aus und warten auf den Tage der Tage. Keine Frage, Sloperklassiker wie La Balance (7c+) und Cortomaltèse (6c+) in Bas Cuvier, Fourmis Rouges (7c) in Cuvier Rempart oder Le Lépreux Direct (7a) in L‘Éléphant brauchen kühles Wetter, sonst sind sie deutlich schwieriger, wenn nicht gar „unkletterbar“. Doch darf bezweifelt werden, dass Minusgrade optimal sind. Meiner Erfahrung nach ist der Grip am besten zwischen fünf und zehn Grad Celsius, dazu Sonnenschein und ein kühler Wind, damit die Luftfeuchtigkeit möglichst gering ist. Und erstaunlicherweise habe ich die besten Bedingungen immer nach einem Regenschauer erlebt. Braucht der Sandstein den Regen oder ist dann einfach die Luftfeuchtigkeit am geringsten, weil abgeregnet?
Ist auch egal – wenn der Grip stimmt, geht auf einmal vieles fast wie von selbst: Dieser Zug, der sich tags zuvor noch unmöglich anfühlte, löst sich fast spielerisch auf, und Griffe, an denen man sonst alles geben musste, um geradeso hängen zu bleiben, lassen sich plötzlich problemlos halten. Überall ringsum sind strahlende Gesichter zu sehen, und die Bleausards rufen: „Ça colle!“ – es klebt! Aber auch eine gewisse Nervosität liegt dann in der Luft. Denn jeder weiß: Heute ist der Tag, jetzt zählt‘s!

Der Wald in Apremont.
Foto: Steffen Kern

Man muss nicht frieren

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Man muss nicht frieren in Bleau. Auch bei 15 Grad Celsius können die Bedingungen sehr ordentlich sein. Und sogar im Sommer lassen sich harte Züge meistern. Diesen August wurde ich Zeuge einer blitzsauberen Begehung von La Bérézina (7c) in Bas Cuvier, ein Boulder, der sich ebenfalls durch reichlich miese Sloper auszeichnet. Auch Altmeister Jacky Godoffe war unterwegs und boulderte fleißig – was ja kein so schlechtes Zeichen sein kann. An diesem Tag hatte es fast 20 Grad und Sonnenschein – aber eben auch einen kühlen Wind, und in der Nacht zuvor hatte es geregnet.
Wer sich in den Wald von Fontainebleau verliebt hat, sollte ihn ohnehin zu jeder Jahreszeit gesehen haben. Sicher, auch während der Hauptbouldersaison von Ende Oktober bis Ende März ist es hier wunderschön. Doch im späten Frühjahr und frühen Herbst entfaltet der Wald seine ganze Magie. Im Mai, wenn sich die Farne zu Füßen der Blöcke erst kringeln, dann in sattem Grün entfalten, und die frischen Birkenblätter im Sonnenschein leuchten, verströmt der Wald eine atemberaubende Farbenpracht und Schönheit. Oder Anfang Oktober, wenn Birken und Buchen golden schimmern und das weiche Abendlicht die Strukturen der Blöcke scharfzeichnet.
Zudem hat fast jedes Gebiet seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Charme: L‘Éléphant mit seinen extraskurril geformten Blöcken, der sandigen Ebene und dem Felschaos am Hang darüber, der lichte Kiefernwald von Franchard Cuisinière, der vergleichsweise dunkle Buchenwald von Petit Bois, wo man sich nicht wundern würde, auf ein Hexenhäuschen zu stoßen, die teils offenen, teils dünn mit Mischwald verzierten Hügel und Flächen von 95.2, Roche aux Sabots oder Rocher Fin – und natürlich der große Sandkasten mit dem felsgewordenen Comic-Hundekopf von Cul de Chien. Mit diesem Gebiet hat es jedoch eine seltsame Bewandtnis unter Boulderern. Vermutlich wurden schon tausende Bleau-Novizen mit der Beschreibung der genialen Szenerie geködert – doch vor Ort wollte dann plötzlich niemand mehr hin. Das legendäre Toit du Cul de Chien (7a) schon geklettert, die Boulder am L‘Autre Toit zu schwierig, und statt den blauen oder roten Parcour nochmals zu machen, zieht es die Arrivierten eher zu einem ihrer Projekte anderswo. Argumente sind schnell zur Hand: „Da ist es bei dem guten Wetter ohnehin viel zu voll“ oder „Wir können ja am Ruhetag hin …“

Kaddi Lehmann macht sich lang.
Foto: Steffen Kern

Es liegt an uns allen!

Von Ruhe kann an schönen Wochenenden in vielen Gebieten allerdings keine Rede sein, und nicht nur in Cul de Chien ist es tatsächlich oft viel zu voll. An Ostern oder in der letzten Oktoberwoche geht es auch in Gebieten wie Bas Cuvier, Franchard Isatis, 95.2 oder Roche aux Sabots zu wie auf dem Jahrmarkt. Manchmal begegnet einem an solchen Tagen ein alter, französischer Bleausard, der mit missmutigem Blick das muntere internationale Treiben beobachtet. Man kann es ihm nicht verdenken.
Andererseits finden sich selbst an solchen Tagen Ecken im Wald, wo es deutlich ruhiger zugeht. Vielleicht muss man etwas weiter gehen, oft genügt aber schon, in ein benachbartes, weniger berühmtes Gebiet auszuweichen. Dort gibt es vielleicht nicht so viele Klassiker und keine ganz so große Auswahl insgesamt, für einen Tag, auch mit einer hinsichtlich des Könnens sehr inhomogenen Truppe, reicht das Angebot aber in fast jedem noch so „kleinen“ Gebiet dicke. Und an großartigen landschaftlichen Impressionen stehen diese Nebenschauplätze den „Topspots“ ohnehin nicht nach.
Faszinierende Natur gibt‘s aber auch abseits der erschlossenen Bouldergebiete. Was nicht heißt, dass dort keine Blöcke zu finden sind. Trotz über 120 Jahren Bouldergeschichte ist der Felsreichtum des Waldes längst noch nicht ausgereizt. Oft finden sich sogar stattliche, aber unberührte Blockansammlungen unweit der Straße oder nahe vermeintlich komplett erschlossener Gebiete. Der Wald von Fontainebleau hat das Potenzial, weitere hundert und mehr Jahre das Boulderparadies schlechthin auf diesem Planeten zu bleiben.
Doch das Paradies ist gefährdet: Aufgrund der immer stärkeren Frequentierung des Waldes durch Boulderer aus aller Herren Länder sind schon einige der Klassiker ordentlich abgespeckt. Auch rings um die Blöcke ist manches alles andere als schön anzuschauen: Müll, Kippen und Fäkalien verunstalten die Landschaft. Es liegt an jedem von uns, diesen traumhaften Wald mit seinen genialen Bouldern zu bewahren. Dazu gehört der sparsame Einsatz von Magnesia, das hier lange Zeit verpönt war und von vielen Bleausards immer noch nicht gern gesehen wird, genauso wie möglichst wenig Spuren im Wald zu hinterlassen. Helft also bitte mit, dass noch viele Generatio­nen von Boulderern die Schönheit des Waldes erleben, seine einzigartigen Sandsteinblöcke erkunden und sich selbst unvergessliche Erlebnisse und Momente erarbeiten können!

Vor zwei Jahren bezeichnete ein Kumpel mich als „Dr. Bleau“, nachdem ich ihm eine Woche lang in verschiedenen Gebieten nur Boulder gezeigt hatte, die offensichtlich genau nach seinem Geschmack waren. Selbstredend habe ich mich über diesen Titel gefreut – und arbeite seither fleißig an der Professur. Erst kürzlich wurde mir jedoch wieder bewusst, dass bis dahin noch viele empi­ri­sche Studien nötig sein werden. Am Telefon schwärmte eine befreundete Genussboulderin und langjährige Bleau-Liebhaberin von drei kleinen Ge­bieten in Trois Pignons, deren Namen ich noch nie gehört geschweige denn in einem Führer gelesen hatte. Es gibt noch so viel zu tun! Heute Bleau, morgen Bleau und übermorgen wieder!

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Autor: Steffen Kern

© klettern : Ausgabe 10+11/2009/2009

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