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Bouldern auf Korsika

Bouldern für Genießer

Berge, Meer und endlos Blöcke: Korsika lockt mit zahlreichen Boulderzielen, die vor allem Genussboulderern eine üppige Auswahl bieten.

Bouldern auf Korsika

Foto: Olivier Broussouloux

Bei einem Café und einigen Canistrelli, dem traditionellen Gebäck der Insel, sitzen wir im Hafen. Die Touristensaison hat noch nicht begonnen, und "Kal­liste" – die Insel der Schönheit, wie sie die alten Griechen nannten – wird bis zur Sommersaison nicht nur wunderschön, sondern auch friedlich bleiben. Vor uns auf dem Tisch liegt eine Karte, in die wir einige Statio­nen eingezeichnet haben, die wir auf der Insel besuchen wollen. Darunter: Palombaggia, Punta di Capineru, Calvi und Lumio.

Bei einem Café und einigen Canistrelli, dem traditionellen Gebäck der Insel, sitzen wir im Hafen. Die Touristensaison hat noch nicht begonnen, und "Kal­liste" – die Insel der Schönheit, wie sie die alten Griechen nannten – wird bis zur Sommersaison nicht nur wunderschön, sondern auch friedlich bleiben. Vor uns auf dem Tisch liegt eine Karte, in die wir einige Statio­nen eingezeichnet haben, die wir auf der Insel besuchen wollen. Darunter: Palombaggia, Punta di Capineru, Calvi und Lumio.

Bouldern in der Traumbucht von Palombaggia.
Foto: Olivier Broussouloux

Weißer Sand, türkisfarbenes Meer, rosa Granit und die für Korsika so typischen Schirmpinien – kein Wunder, dass dieser Strand zu den berühmtesten der Insel zählt. Wir baden, picknicken und warten, bis die Temperaturen gegen Abend sinken. Am südlichen Rand der Bucht liegen direkt am Meer einige Blöcke auf einer großen Granitplatte. Die Zahl der Probleme ist überschaubar, aber ausreichend, um uns an den Granit zu gewöhnen. Neben Slopern und Leisten bietet das Gestein auch vulkanische Einschlüsse. Die Kletterei ist athletisch, erfordert Körperspannung und die runden Ausstiege lassen manchen Mantle in einer Kriecheinlage enden.

Bouldern auf Korsika

Bouldern auf Korsika
Foto: Olivier Broussouloux
Bouldern auf Korsika
Foto: Olivier Broussouloux
Bouldern auf Korsika
Foto: Olivier Broussouloux
Bouldern auf Korsika
Foto: Olivier Broussouloux

Palombaggia

Langsam geht die Sonne unter, nur die der Küste vorgelagerten Inseln sind noch ins warme Licht der Abendsonne getaucht. Wir klettern noch einmal die wunderschöne Les feux de la rampe (Fb 6a), dann verabschieden wir uns gen Hafen, wo wir uns zum Abendessen leckere Krebse schmecken lassen. So muss Urlaub sein!

Video-Inspiration: Bouldern in Korsika


Punta di Capineru

Die im Südwesten der Insel gelegene Punta di Capineru war das erste korsische Bouldergebiet, und mit rund 200 Problemen ist es bis heute einer der bedeutendsten Boulder-Sektor der Insel. Die kleine Straße dorthin schlängelt sich durch dichte Macchia, bis sich in einer Kurve plötzlich der Blick auf ein Chaos aus weißen und orangefarbenen Felsblöcken eingerahmt von Myrtesträuchern und Pistazienbäumen öffnet. Auf einer kleinen Wiese nah am Wasser erreichen wir die ersten Blöcke. In perfektem, ockerfarbenem Fels ist hier ziemlich jeder Stil geboten: ob Reibungsplatten wie Aquarelle (Fb 4), abgefahrene Mantles wie La banane (Fb 6a) oder athletische Überhänge wie Crocodile roc (Fb 6c). Ein Problem ist schöner als das andere, und so bouldern wir, bis unsere Fingerkuppen um Gnade winseln. Morgen ist definitiv ein Ruhetag angesagt.

Tafoni, wilde Felsformationen, machen das Bouldern zum überirdischen Erlebnis.
Foto: Olivier Broussouloux

Den verbringen wir dann im spektakulär auf den Klippen einer Halbinsel gelegenen Städtchen Bonifacio, von wo aus man einen tollen Blick hinüber nach Sardinien hat. Wir spazieren durch die engen Gassen, wo sich Korallenhändler, Kunsthandwerker und hübsche Restaurants aneinanderreihen. Letzteren können wir nicht lange widerstehen und so lassen wir uns das ortstypische Mirizami, ein leckeres Auberginengericht, schmecken.

Am nächsten Tag greifen wir wieder in Capineru an. Nun wagen wir uns an die härteren Probleme des Gebiets. Mit Bouldern wie Le grand blanc (Fb 7a), Rolling Stone (Fb 7b+) oder der genia­len, Patrick Edlinger gewidmeten Wandkletterei Le grand blond (Fb 7b+) sind wir mehr als beschäftigt, und am Abend sind wir uns einig, dass wir uns die berühmten Pizzas im Restaurant „Cuncaredda“ in Monaccia d‘Aullène redlich verdient haben. Die nächsten Tage verbringen wir mit Bouldern und Baden oder besichtigen schnuckelige Dörfer und prähistorische Stätten wie I Santari.

Halbwildes Schwein auf Korsika
Foto: Deirdre (unter GNU / CC BY-SA 3.0)

In Ajaccio entscheiden wir uns für die Route durchs Landesinnere über Vivario und Corte. Abseits der Küste zeigt Korsika sein zweites Gesicht: Wälder aus Jahrhunderte alten Kastanienbäumen, Buchen und Pinien, verwunschene Dörfer wie aus einer anderen Zeit, wilde Schweine sowie Schaf- und Ziegenhirten, die mit ihren Herden die Straße blockieren. Schließlich erreichen wir die liebliche Küstenlandschaft der Balagne. Von langen Sandstränden schweift hier der Blick über die das Landschaftsbild zwischen Calvi und Ile Rousse prägenden ockerfarbenen Granitformatio­nen zur Küste des korsischen Nordkaps, im Südosten sind die höchsten Bergen der Insel zu erkennen. Nahe Calvi schlagen wir unser Basislager auf, um zum Abschluss unserer Reise noch die Bouldergebiete der Balagne zu erkunden.

Granit der Extraklasse - auf Korsika.
Foto: Olivier Broussouloux

Notre Dame de la Serra

Das größte Boulderpotenzial der Gegend findet man auf den Hügeln über Calvi, rund um die Kirche „Notre Dame de la Serra“, die der Schutzpatronin der Stadt geweiht ist. Auf einer Schotterstraße erreichen wir den ersten Sektor, in dem sich die Blöcke in einem Tal und auf der dieses links begrenzenden Hügelkuppe erstrecken. Nachdem wir uns an einem Block direkt neben der Straße aufgewärmt haben, steigen wir hinauf zur Kuppe, wo sich eine großartige Aussicht auf die Küstenlandschaft eröffnet. Wir nehmen ein kurzes Seil mit, um unser erstes Projekt an dem gewaltigen, kürbisförmigen Block auszubouldern.
An den nächsten Tagen erkunden wir nach und nach die sechs Sektoren rund um die Kirche. Besonders angetan sind wir von dem überhängenden Riegel des „Le barette“, der mit seinen Sloperstrukturen eine perfekte natürliche Trainingswand bildet, den kleingriffigen Wandklettereien rund um die „Grotte du chasseur“ und den nicht selten hohen und ausgesetzten Platten des Sektors Rempart. Der an Fontainebleau erinnernde Name des Letztgenannten ist kein Zufall. Der Sektor wurde von den bekannten Bleausards Philippe Le Denmat und Manu Ratois entdeckt und erschlossen.

Lumio

Am letzten Tag des Urlaubs gönnen wir uns noch ein besonderes Schmankerl: Zu unserem heutigen Boulderziel reisen wir mit der „U Trigihellu“ – „der Zitternden”, wie die Korsen liebevoll ihre etwas wacklige Schmalspurbahn nennen. Bei deren Bau Ende des 19. Jahrhunderts war übrigens auch Gustave Eiffel beteiligt. Von Calvi aus führt die Strecke entlang mehrerer Buchten, wo der Zug auf Anfrage hält. Mit unseren Crashpads werden wir von den anderen Touristen erstaunt beäugt, solch überdimensionierte „Strandmatten“ sind ihnen wohl noch nie untergekommen. In Lumio steigen wir aus. Das hiesige Bouldergebiet besteht nur aus ein paar Blöcken, dafür liegen diese direkt am Meer, bieten dank der Tafonis bizarre Formen und der Blick über die Bucht von Calvi ist traumhaft schön. Etwas wehmütig verbringen wir einen entspannten Bouldertag und genießen zum Abschied den Sonnenuntergang hinter Calvi. Au Revoir, Korsika!

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Autor: Olivier Broussouloux

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