Top 100 Frankenjura

Die 100 besten Routen im Frankenjura


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Foto: Frank Kretschmann

 

Foto: Frank Kretschmann

 

Foto: Ralph Stöhr

 

Foto: Frank Kretschmann

 

Foto: Bernhard Thum
Vom dritten bis zum elften Grad: Hier präsentieren wir die 100 besten Routen im Frankenjura.

Über 11.000 Routen gibt es im nördlichen Frankenjura. Wir haben für euch 100 davon vom dritten bis zum elften Grad ausgesucht, die eines eint: das Prädikat "absolut empfehlenswert!"

So legendär schön das Klettern im Frankenjura ist, so lecker die Würste, das Kellerbier und die Fingerlöcher auch munden, einen großen Nachteil hat Deutschlands beliebtestes Klettergebiet doch. Spätestens, wenn man am Abend in der Guten Einkehr in Morschreuth, beim Kroder in Schlaifhausen oder vor dem Gasthaus Held-Bräu in Oberailsfeld sitzt, stellt sich die Frage: Wo sollen wir morgen hin? Weit über 700 Felsen, rund 11.500 Routen – in kaum einem Klettergebiet ist die Qual der Wahl so groß wie im Nördlichen Frankenjura.

Klettern in Franken: ein Genuss

Seit Oskar Bühler 1960 den ersten rostfreien Bohrhaken in einen Fels des Nördlichen Frankenjura zementierte, Kurt Albert 1975 den roten Punkt als Kennzeichnung frei gekletterter Routen erfand und Wolfgang Güllich 1991 die weltweit erste mit glatt 11 bewertete Route erstbege­hen konnte, ging die Erschließung der fränkischen Fel­sen munter weiter.

Einer geologischen Besonderheit – der Fels besteht aus Dolomit und nicht aus reinem Kalk – verdanken wir die vielfältigen Feinstrukturen: Löcher, Leisten und Dellen, die das Klettern, ausreichend Power und Kletterkönnen vorausgesetzt, fast überall er­lauben. Und dafür gesorgt haben, dass der Frankenjura in Sachen Sportklettern die klare Nummer Eins unter den Klettergebieten Deutschlands wurde.

Doch zurück zum Abend im gemütlichen Gasthaus: Um euch die Auswahl und die Vorfreude auf die Kletterziele des kommenden Tags zu erleichtern, haben wir 100 der besten Frankenrouten zusammengestellt. Diese umfassen das ganze Spektrum der Schwierigkeiten, von absolut einsteigertauglichen Dreiern bis zu den HighEnd-Kreationen der fränkischen Topleute wie Markus Bock und Alexander Megos.

Unterstützt haben uns dabei die Kletterführerautoren Bernhard Thum und Sebastian Schwertner. Auch wenn sie auf dem Führermarkt Konkurrenten sind: Zu dieser Bestenliste haben beide gemeinsam beigetragen. Ihre ganz persönlichen Empfehlungen listen wir zuerst.

Dass es bei 11.500 Routen noch viel mehr erstklassige Kletterwege gibt, versteht sich von selbst. Auf jeden Fall aber macht ihr mit unserer Fränkischen Hitparade nichts falsch, denn jede Route ist ein Genuss in ihrem Grad. Und für eifrige Sammler und Routenticker gibt es die Liste auch unter klettern.de/fj100 zum Download und abhaken. Dabei wünschen wir euch viel Spaß.

 

Bernhard Thum Frankenjura
Foto: Privat Bernhard Thum.

3 Routentipps von Führerautor Bernhard Thum

"Roter Fels Luftikus (8): Der Luftikus begra­digt den klassischen Hannig-Mayer-Ged.-Weg (8­-) gerade weiter über einen ausge­setzten Überhang mit herrlicher Lochklette­rei. Im oberen Teil durchaus größere Haken­abstände (nomen est omen), aber ungefähr­lich (es sei denn, man macht es wie Kurt Albert früher free solo).

Bandstein Jonathan (8+): Von den vielen Routen von Martin Grulich ist dies eine der schönsten. Auf eine abwechslungsreiche Wandkletterei folgt als Finale ein überhän­gender Ausstieg, der noch mal pumpt bis zum Umlenker. Toller Fels, gute Linie und Absicherung und im oberen Teil ein schö­ner Blick ins obere Wiesenttal.

Emporwand Land of Confusion (10/10+): Meine schwerste Erstbegehung ist eine be­eindruckende Linie über einen kompakten, gut 20 Meter hohen, leicht überhängenden Pfeiler, technisch fordernd und abwechs­lungsreich. Hier können neben den Unter­armen auch die Waden dick werden. Nach der dürftigen Schüttelstelle in der Mitte wird es richtig abdrängend und kleingriffig. Die Crux hat sich durch Griffausbruch ver­schärft und auch die letzten Meter zum Umlenker gestalten sich durchaus wackelig."

 

Sebastian Schwertner Frankenjura
Foto: Archiv Schwertner Sebastian Schwertner.

3 Routentipps von Führerautor Sebastian Schwertner

"Rodenstein Sekundant (7-): War mein erster Siebener 1984. Noch als Schüler war ich von Heidelberg aus in den Herbstferien zum ers­ten Mal in der Fränkischen klettern. Und schon damals die Erkenntnis: Hier möchte ich noch viele Routen mehr klettern. Heute natürlich viel abgespeckter, aber immer noch traumhafter, löchriger Fels mit der grandiosen Aussicht über die Fränkische, das Regnitztal und den Steigerwald.

Streitberger Schild Schildkröte (8+): Die Linie an der Wand über den Dächern von Streitberg. Für mich eine der besten Routen von Wolfgang Güllich. Gute und fordernde Kletterei von unten bis oben über 35 Meter. Am besten an einem sonnigen Wintertag.

Geheimbund Mikrokosmos (10): Vielleicht meine beste Erstbegehung in der Fränkischen. Lange war ich mir nicht sicher, ob die Wand überhaupt für mich kletterbar ist. Nach dem Einbohren feststellen müssen, die Hakenpositionen passen nicht, nochmal umgebohrt und dann gingen von 20 Zügen 13 nicht. Am Ende habe ich 23 Tage über fünf Jahre verteilt in der Route verbracht und jeder hat sich gelohnt. Nie werde ich die Freu­de vergessen, als ich die Umlenkung geklippt habe. Bisher sind mir nur drei Wiederholungen bekannt (durch Guido Köstermeyer, Markus Bock und Alex Me­gos), also nichts wie ran!"

Die Muss-Routen im 3. Grad

Nicht nur für Einsteiger purer Genuss
Auch wenn der Frankenjura seinen Ruf eher den extre­men Routen verdankt: Einsteiger und Genusskletterer kommen hier ebenfalls voll auf ihre Kosten. Der fränki­sche Dolomit verwöhnt im leichten Gelände mit ver­schwenderischer Griffigkeit. Einen Dreier wie die Talseiteam Hartelstein muss man in anderen Kletter­regionen erst einmal finden: bester Fels, viele Sand­uhren zur Absicherung, lang und das Ganze noch direkt von der Straße weg – einfach famos! Selbst der Weißenstein, Heimat einiger extrasteiler Siebener und Achter, lockt im linken Bereich mit purem Genuss. Meist aber finden sich die ganz leichten Routen eher an Felsen mit viel gemütlichem Gelände – einem lockeren Tag am Fels steht also nichts im Wege.

Nr. Ort Route Grad
1. Wolfenstein Froschkönig 3-
2. Hartelstein Alte Talseite 3
3. Förstelstein Kleine Kante 3
4. Breitenberg Südwand Stier 3
5. Weißenstein Leon 3
6. Türkenfels Feierabend 3
7. Bärndorfer Wand Bärnhofer Kante 3+

Die Muss-Routen im 4. Grad

Nr. Ort Route Grad
8. Lindenturm Ostkante 4
9. Leienfelser Pfeiler Rotzlöffel 4+
10. Eibenwände Hobbitkante 4+
11. Jubiläumswand Nico 4+
12. Treunitzer Klettergarten R5 4+
13. Dreistaffelfels Hungerrampe 4+
14. Zehnerstein Gerade Westwand 4+
15. Hohe Reute Willi Kapp Ged.-Weg 4+
16. Vogler Ged.­-Wand Sellaerinnerungen 4+
17. Langer Berg Wände Westkante 4+

Die Muss-Routen im 5. Grad

Klassische angehaucht: Dolomitengefühle
Frankenfünfer sind eine ab­wechslungsreiche Sache. Da gibt es schon die typisch fränkischen Lochrouten, aber auch viele klassisch angehauchte Risse und Ver­schneidungen, die man so ähnlich – nur natürlich viel größer – auch in den Dolomiten antreffen könnte. Den perfekten Einstieg in den fünften Grad gibt‘s in der Zinnenwand (5­) am Röthelfels: steil, aber nicht zu ausgesetzt, immer gute Griffe – und am Ende lässt man sogar die Baumwipfel unter sich.

Nr. Ort Route Grad
18. Röthelfels Zinnenwand 5-
19. Haselstaudener Wände Rechtsaußen 5-
20. Weiße Wand Daniel 5-
21. Eibenwände Schwarze Kante 5
22. Napoleon Westriss 5
23. Jubiläumswand Lurchi 5
24. Hohe Reute Südwand 5
25. Hintere Stadelhofener Wände Elliweg 5+
26. Treunitzer Wand Zeitelweg 5+
27. Stierberger Gemsenwand Weiße Verschneidung 5+
28. Intensivstation Direkter Wamperlweg 5+
29. Rote Wand Reinhard-Karl-Ged.-Weg 5+

Die Muss-Routen im 6. Grad

Im Reich der Sestogradisten: Ab in die Senkrechte
Früher galt der sechste Grad als extrem. Je nach Klet­terkönnen ist er das heute immer noch, zumal im Frankenjura. Denn hier ist schon richtig steiles Gelän­de angesagt, und auch wenn die Löcher meist schön positiv sind: Nur mit Technik geht‘s nicht mehr. In ei­ner langen 6+ wie dem Nürnberger Weg an der Bärn­hofer Wand mit dem steilen, löchrigen Fels können die Arme dick werden. Hinzu kommt, dass die Absiche­rung oft eher alpinen Stan­dards entspricht als jener in südlichen Sportklettergefil­den. Keile und Schlingen für Sanduhren gehören daher in der Regel an den Gurt.

Nr. Ort Route Grad
30. Elfenwelt Palast der Hohen 6-
31. Haselstaudener Wände Prinzessin 6-
32. Dreistaffelfels Bamberger Pfeiler 6-
33. Glatzenstein Purtscheller Ged. Weg 6-
34. Freudenhaus Venusfalle 6
35. Hohe Reute Zwischenprüfung 6
36. Riffler Vollrathriss 6
37. Kleine Wacht Vagabundenpfeiler 6
38. Hartensteiner Wand Die 101-Jährige 6
39. Maximilianswand Wand der Abendröte 6
40. Hartelstein Südpfeiler 6+
41. Zehnerstein Seifertriss 6+
42. Schlosszwergwand Alf 6+
43. Treunitzer Klettergarten Pfeilerweg (R7) 6+
44. Bärnhofer Wand Nürnberger Weg 6+

Die Muss-Routen im 7. Grad

Der Einstieg ins Sportklettern: Traumwände en masse
Mit dem siebten Grad betreten wir das Reich des richti­gen Sportkletterns. Seit Mitte der 70er­-Jahre wird im Frankenjura systematisch freigeklettert, und Kurt Al­berts Idee mit dem roten Punkt brachte ab 1975 so rich­tig Schwung in die Sache. Viele der Frankensiebener stammen aus jener Ära, vor allem die an den schon da­mals klassischen Kletterfelsen. Die Qualität der Routen ist fantastisch: Lochklettereien, harte Risse, kleine Leis­ten, griffige Überhänge – mit dem siebten Grad er­schließt sich Kletterern im Frankenjura ein Betätigungsfeld, in dem sie sich jahrelang tummeln können.

Nr. Ort Route Grad
45. Leupoldsteiner Wand Vertigo 7-
46. Roter Fels Schaumschläger 7-
47. Mittelbergwand Dir. Kletterboumweg 7-
48. Totensteinwände Hohe Liebe 7-
49. Gößweinsteiner Wände Haringer Ged.-Weg 7-
50. Rodenstein Frankenschnellweg 7
51. Röthelfels Devil‘s Crack 7
52. Ruine Leienfels Leienfelser Pfeiler 7
53. Bärnhofer Wand Waldrausch 7
54. Emporwand Jericho 7
55. Hintere Stadelhofener Wände Strahlentod 7
56. Schottersmühler Wand Geier Sturzflug 7
57. Ziegenfelder Wände Basic Instinct 7
58. Rote Wand Knupper Ged.-Weg 7
59. Reichelsmühler Wand Aquaplaning 7+
60. Kalte Wand Schneekönigin 7+
61. Dooser Wand Siebter Sinn 7+

Die Muss-Routen im 8. Grad

Nur mit Training: es wird kraftig
Gute Kletterer mögen sich im siebten Grad noch ir­gendwie durchmogeln kön­nen, bei Acht ist ohne Trai­ning Schluss. Wer ständig in Franken klettert, absolviert sein Training allerdings oh­nehin am Fels, denn mit dem achten Grad wird es richtig anstrengend. Und manchmal schon extrem kleingriffig wie in Computerspiele (8). Viele unserer Mussrouten sind Extremklassiker und nicht nur herausragend schön, sondern auch kletterhistorisch bedeutend.

Nr. Ort Route Grad
62. Schöne Aussicht Schöne Aussicht 8-
63. Stadeltenne Stadeltenne 8-
64. Püttlacher Wand Abseitsfalle 8-
65. Bandstein Herbstmanöver 8-
66. Roter Fels Hannig Mayer Ged.-Weg 8-
67. Ankatalwand Computerspiele 8
68. Kühllochfels Reif für die Insel 8
69. Heldwand Heldbräu 8
70. Trautner Ged.­-Wand Non Stop 8
71. Weißenstein Dampfhammer 8
72. Rabenfels Katalysator 8
73. Rolandfels Die Vollendung 8+

Die Muss-Routen im 9. Grad

Keine große Sache mehr: perfekte Neuner
Mit dem Sautanz eröffnete Kurt Albert 1981 den ersten Neuner in Deutschland. Die perfekte Loch­mauer der Gößweinsteiner Wand durchzieht inzwi­schen eine ganze Reihe von Routen im neunten Grad, die sich alle großer Beliebtheit erfreuen. Überhaupt ist ein Neuner in Franken keine große Sache. Es gibt hunderte von Routen in diesem Grad und viele Fel­sen, die gar keine leichteren Wege aufweisen. Doch mit unserer Liste an perfekten Neunern könnt ihr euch langsam in den Grad vortasten.

Nr. Ort Route Grad
74. Kühllochfels Sommernachtstraum 9-
75. Gößweinsteiner Wände Sautanz 9-
76. Püttlacher Wand Treibjagd 9-
77. Heldwand Götz von B. 9-
78. Stadeltenne Maßarbeit 9-
79. Marientaler Wände Stromlinie 9
80. Obere Schlossbergwand Liebe ohne Chance 9
81. Richard-­Wagner-­Fels Magnet 9
82. Krottenseer Turm Chasin‘ the trane 9
83. Grüne Hölle Vögeln verboten 9+

Die Muss-Routen im 10. Grad

Für Projektierer: echt harte Züge
Auch wenn der zehnte Grad von Jerry Moffatt und Wolfgang Gül­lich zuerst im Altmühltal geklettert wurde: Seine wahre Heimat ist der Nördliche Frankenjura. Das Dolomitgestein weist selbst in völlig kompakten Wänden noch kleine Strukturen – schmale Leistchen, Einfingerlöcher – auf, die einen Durchstieg erlauben. Alle unten aufgeführten Routen verlaufen in bestem Fels und mindestens eine davon sollte jeder extreme Sportkletterer im Routenbuch stehen haben. Und sei es – in diesem Grad nicht ungewöhnlich – erst nach jahrelangem Projektieren und Training.

Nr. Ort Route Grad
84. Neumühle Witchcraft 10-
85. Student Simon 10-
86. Solarium Desperado 10-
87. Bärenschluchtwände Center Court 10-
88. Holzgauer Wand Nikita 10-
89. Geheimbund Mikrokosmos 10
91. Zwergenschloss Plan B 10
92. Emporwand Land of Confusion 10/10+
93. Eldorado Stonelove 10+

Die Muss-Routen im 11. Grad

Das Ende der Fahnenstange: Frankens Spitze
Seit Wolfgang Güllich mit Wallstreet den unteren elften Grad erschuf und später mit Action Directe den glatten Elfer definierte, ist diese Schwierigkeit so etwas wie der Heilige Gral beim Sportklettern. Und in Franken ist es auch das Reich von Markus Bock, der jahrelang die meisten und lange auch die härtesten Routen in diesem Grad erstbeging. Inzwi­schen gibt es zwar Ausnahmetalente wie Adam Ondra oder Alexander Megos, die Elfer in Rekordgeschwindigkeit klettern, doch für die allermeisten Sportkletterer bleibt ein Elfer immer noch ein Traumziel und Höhepunkt ihrer Kletterkarriere.

Nr. Ort Route Grad
93. Bärenschluchtwände Drive by Shooting 10+/11-
94. Krottenseer Turm Wallstreet 11-
95. Schneiderloch Burn for You 11-
96. Zwergenschloss Powerplay 11-
97. Schlaraffenland Shangri-La 11-/11
98. Waldkopf Action Directe 11
99. Schneiderloch Corona 11/11+
100. Planetarium Supernova 11+

Mehr zum Klettern im Frankenjura:

Fotostrecke: Lena Herrmann in "Klondyke Cat" (11-)

12 Bilder
Lena Herrmann klettert Klondyke Cat 11- Frankenjura Foto: Enrico Haase
Lena Herrmann klettert Klondyke Cat 11- Frankenjura Foto: Enrico Haase
Lena Herrmann klettert Klondyke Cat 11- Frankenjura Foto: Enrico Haase
28.06.2016
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 03/2016