Klettern im Frankenjura

Kalk, Kuchen, Kellerbier - Klettern im Frankenjura


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Klettern im Frankenjura
Foto: Jörg Zeidelhack
Nirgendwo in Deutschland kann man besser Sportklettern als im Frankenjura. Was das Fränkische so besonders macht und konkrete Infos zum Klettern im Franken gibt's hier.

Das Klettern im Frankenjura ist phantastisch. Nicht zuletzt, weil man in der Region zwischen Bamberg, Bayreuth und Nürnberg so unzählig viele tolle Felsen findet - auch die lokalen Spezialitäten wie Bier und Schäuferle sind schlagende Argumente für einen Klettertrip ins Frankenjura. Mit dem Frankenjura Kletterfestival hat die Region Frankenpfalz versucht, noch mehr Kletterer ins Fränkische zu locken und sich als Premium-Kletterziel zu positionieren. Das war eigentlich nicht nötig, denn nicht zuletzt dank Wolfgang Güllich ist das Frankenjura in Kletterkreisen international berühmt.

Während das Frankenjura bekannt ist, ist es die "Frankenpfalz" nicht so sehr. Die Frankenpfalz – eher als touristischer Begriff zu verstehen – umfasst die Gemeinden von Betzenstein im Westen bis Auerbach im Norden und Hirschbach im Süden. Und damit etliche der bekannten fränkischen Klettergebiete: das Hirschbachtal, das Pegnitztal, den Krottenseer Forst, die Felsen um Betzenstein und Königstein, sie alle liegen in der Frankenpfalz. Oder anders ausgedrückt: über 150 Kletterfelsen vom Feinsten.

Am offensichtlichsten wird dieser Felsreichtum bei der Fahrt durch das Pegnitztal: Die zackigen Spitzen des Rifflers und der Student sind schon von weitem zu sehen, die gewaltigen Wände des Roten Fels und die kompakte Ankatalwand stehen fast direkt neben der Straße und führen zu Halsverrenkungen bei Fahrer und Beifahrern. Alleine an diesen drei Felsen kann sich der geübte Kletterer tagelang die Haut von den Fingern klettern und sich mit Routen wie dem schon tausendmal (zurecht) gelobten Schaumschläger (6+ oder 7-) am Roten Fels oder Computerspiele (8) an der Ankatalwand Klassiker des Sportklettergenres einverleiben.

Familientaugliche Felsen zum Klettern

Die Frankenpfalz umfasst aber neben dem Pegnitztal noch viele weitere Kletterziele, darunter etliche stille Ecken, die nicht vom Lenkrad aus einsehbar sind. Da gibt es die wunderbar sonnige, kleine 'Schöne Aussicht' bei Plech. Die allseits beliebte Hartensteiner Wand hinterm Friedhof von Hartenstein – traumhafter Lochfels mittlerer Schwierigkeiten und der ebene Wald vor der Wand addieren sich hier zum Prädikat „besonders familientauglich“. Da sind die Zimmerbergwände, die Stadeltenne und die Katzenlöcher, alle im Wald zwischen Neuhaus und Hartenstein, weit abseits befestigter Straßen und extrem vielseitig im Routenangebot. Da ist der Krottenseer Turm, die Maximilianswand, der Kühlochfels, durchweg erstklassige fränkische Kletterschmankerl.

Bei so viel Fels wurde natürlich auch Kletter-Geschichte geschrieben. Schon Anfang der 70er-Jahre kletterte Werner Popien am Riffler die Dolomitverschneidung frei – eine Route im unteren siebten Grad, Jahre bevor der siebte Grad offiziell eingeführt wurde. Kurt Albert, Norbert Bätz und Flipper Fietz brachten dann das Rotpunkt-Klettern, ihre Kreationen sind noch heute spannende Aufgaben. Wer mag, kann sich ja mal die Arme im Dampfhammer (8-) am Weißenstein bei Neuhaus oder im Luftikus (8) am Roten Fels lang ziehen. Selbst trainierte, Kletterhallen-gestählte Unterarme reagieren hier mit einer leichten Schwellung.

Wolfgang Güllich und Markus Bock

Wolfgang Güllich legte im Klettergebiet Frankenjura derart vor, dass jahrelang die schwersten Routen Deutschlands, teilweise sogar weltweit, hier zu finden waren. Der Ghettoblaster (10/10+) am famosen Rabenstein, Wallstreet (11-) am Krottenseer Turm und Action Directe (11) am Waldkopf stehen bis heute auch international für die Fähigkeiten des Meisters. Dass seither Markus Bock noch eine ganze Latte neuerer Routen zwischen 10 und 11 hinzugefügt hat, kann als weiterer Beleg gelten für das gewaltige Potenzial, das der frän­kische Fels den Kletterern bietet. Auch hat Güllich den Kaffee- und Kuchen-Konsum der Kletterer in der Fränkischen Schweiz befördert und geprägt. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, die gequälten Unterarme mit lokalen Kuchenspezialitäten zu besänftigen, wird wissen, wovon ich spreche.

Das Fels-Potenzial für alle zu erhalten, haben sich die Vertreter des Alpenvereins und der IG Klettern Frankenjura zum Glück sehr er­ folgreich bemüht. Wie in anderen Ecken der Fränkischen Schweiz ist ihnen auch hier in langer Zusammenarbeit mit den Behörden eine Zonierungslösung geglückt, bei der die Kletterer nicht unnnötig Federn lassen mussten – Vögel und die übrige Fauna und Flora am Fels natürlich auch nicht. Einige Felsen sind zwar im Frühjahr bei Vogelbrut gesperrt, doch angesichts des überwältigenden Angebots bedeutet das keine nennenswerte Einschränkung (mehr Informationen dazu auf der nächsten Seite).

Von den vielfältigen Kletter-Felsen einmal abgesehen, kommen viele Kletterer auch wegen des Ambientes ins Frankenjura. Die abwechslungsreiche Landschaft mit den vielen Tälern, Hügeln und Hochflächen, die schnuckeligen Ortschaften mit ihren Privatbrauereien und dem leckeren Kellerbier, das fränkische Essen, dazu die güns­tigen Preise, Kaffee und Kuchen, viel unberührte Natur – all das trägt dazu bei, dass eine Reise ins Fran­kenjura den Klettertrip zu einem Erlebnis werden lässt. Um es mit Güllich zu sagen: "Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns"! Und beides geht im Frankenjura wirklich ziemlich gut.

Auf der nächsten Seite: Wichtige Informationen rund ums Klettern im Frankenjura

Klettern in Deutschland:

Fotostrecke: Sächsische Schweiz: Klettern im Elbsandstein (Bilder)

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Klettern Elbsandstein Bernd Arnold Foto: Boris Gnielka
Klettern Elbsandstein Bernd Arnold Foto: Boris Gnielka
Klettern Elbsandstein Bernd Arnold Foto: Boris Gnielka

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Autor: Stöhr / Burmester
© klettern
Ausgabe 05/2012