Klettern auf Teneriffa

Alle Infos zum Klettern auf Teneriffa

Felsqualität, Unterkünfte, Kletterführer, Boulderziele: Hier gibt‘s alles, was ihr zum Klettern rund um den Vulkan wissen müsst.

 

Klettern auf Teneriffa
Foto: Ralph Stöhr / klettern.de Der Ultraklassiker Como marca la ley (6c+) in Arico ist begehrt.

Teneriffa misst rund 2000 Quadratkilometer, und jeder einzelne davon ist vulkanischen Ursprungs. Geologisch betrachtet ist die Insel vor der afrikanischen Westküste sehr jung, vor fünf bis sieben Millionen Jahren führten vulkanische Ausbrüche zu ihrer Bildung. Der Pico del Teide, mit 3718 Metern höchster Punkt der Insel und Spaniens (die iberische Halbinsel ist allerdings gut 1200 Kilometer entfernt), ist nochmal ein paar Millionen Jährchen jünger.

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Klettern auf Teneriffa Foto: Ralph Stöhr / klettern.de
Klettern auf Teneriffa Foto: Archiv Goller
Klettern auf Teneriffa Foto: Ralph Stöhr / klettern.de

Teneriffa bietet aufgrund seiner Höhenunterschiede und wegen der von Nordosten heranströmenden Passatwinde viele Vegetationszonen. Der Norden der Insel ist wesentlich feuchter und stärker bewaldet als der Süden und Südosten. In den mittleren Lagen auf dem Weg zum Teide finden sich aber auch im Süden lichte Kiefernwälder. Im trockenen Krater des Teide fällt die Vegetation eher alpin bis wüstenhaft aus.

Die meisten Klettergebiete auf Teneriffa liegen auf der Südostseite der Insel in kleinen Tälern und Schluchten auf einer Höhe von 600 bis 1000 Metern. Von den größeren Straßen aus fallen die Felsen kaum auf, oft sind sie erst zu sehen, wenn man kurz davor steht. Die Felshöhe schwankt zwischen 10 und 30 Metern, mehr ist selten zu holen. Ausnahme: Einige der Türme im Teide Nationalpark bieten auch Mehrseillängenrouten, zum Teil aber eher alpinen Charakters.

 

Klettern auf Teneriffa
Foto: Ralph Stöhr / klettern.de Die Wand des El Psiquiátrico im Teide-Nationalpark.

Die Felsqualität in den gängigen Gebieten ist meist sehr gut, dennoch kann der Basalt manchmal etwas blockig verwittern und hohl klingen. Die meisten Routen sind perfekt mit soliden Bohrhaken gesichert, nur ganz selten trifft man einen rostigen Bolt. Wie beschrieben ist aber nicht alles eingebohrt: Freunde des Selbstabsicherns werden vor allem im Gebiet Las Vegas und unterm Teide bedient. Zum Teide sollte man allein wegen der Landschaft einmal einen Tag kommen. In den Wänden des Sektors Cañada del Capricho sind genug Routen für mehr als einen Tag eingebohrt. Ihr kommt also auch ohne Keile auf eure Kosten.

Insgesamt ist Teneriffa zwar kein zweites Kalymnos, bietet aber auf kleinem Raum sehr abwechslungsreiche Klettergebiete mit vielen sehr schönen Routen. Von den Kletterschwierigkeiten her überwiegen der sechste und der siebte Franzosengrad.

Teneriffa im Detail

Anreise
Diverse Fluggesellschaften fliegen den Flughafen Tenerife Sur von Deutschland aus direkt an. Die Flugzeit beträgt knapp vier Stunden.

Stützpunkt, Unterkunft
Für Kletterer relativ günstig gelegen ist einzig der Campingplatz Montaña Roja unweit von El Medano (www.camping-tenerife.com). Er kombiniert angenehme Meeresnähe mit akzeptablen Anfahrtszeiten nach Arico & Co.

Wer eine feste Unterkunft bevorzugt, kann entweder zu einem der vielen Pauschalreise-Angebote greifen, sollte dann aber darauf achten, dass er nicht gerade im Norden oder Nordwesten der Insel landet. Auch hier bietet sich El Medano als günstiger Ausgangspunkt an, wo zudem eine Auswahl an Restaurants und Cafés für gute Stimmung sorgt.

Individueller und interessanter als die großen Hotels sind die Landhäuser und Wohnungen, die Nicks Ehefrau Penny zur Vermietung anbietet, meist liegen sie auch näher am Fels. Alle Infos dazu findet ihr unter
www.tenerifelodge.com. Penny vermittelt auch günstige Mietwagen.

Verpflegung
In zwei großen Supermärkten in San Isidro (in der Nähe der Autobahnausfahrt und kurz vor Ortsende Richtung Granadilla) könnt ihr einkaufen bis zum Umfallen. In Granadilla und den Ortschaften um Arico gibt es kleinere Läden für den Grundbedarf.

Wer richtig gut – aber nicht wirklich billig – essen will, dem seien zwei Adressen empfohlen: In Granadilla das Casa Tagoro, ein von Deutschen geführtes Restaurant, das zu den besten der Insel gezählt wird. Und in Chimiche das Casa Fito, in dem sich exzellente spanische Gerichte genießen lassen. Ansonsten bietet El Medano eine ganze Reihe Res­taurants, darunter auch eine breite Auswahl internationaler Küche.

Beste Zeit
Teneriffa ist ein Ganz-Jahres-Gebiet. Das Wetter unterscheidet sich aber stark von Nord nach Süd: Die Nord- und Nordwestseite der Insel bekommt wesentlich mehr Regen ab als der Süden, in dem die Klettergebiete liegen. Im Sommer kann es gelegentlich zu heiß werden. Frühjahr, Herbst und Winter sind aber sichere Kandidaten für einen wohltemperierten Klettertrip. Am 31. Dezember 2008, als der Rest von Europa in eisiger Kälte versank, lag die Temperatur auf der Insel bei angenehmen 20 Grad Celsius. Da viele Klettergebiete in kleinen Tälern oder Schluchten liegen, wo ein Teil der Wände nach Süden, ein Teil nach Norden ausgerichtet ist, besteht meist die Möglichkeit, Sonne und Schatten nach Bedarf zu wählen. Die Felsen unterm Teide liegen auf 2200 Meter Höhe. Hier kann die Sonne ziemlich gnadenlos braten.

Zustieg
Die Klettergebiete zwischen Arico und Granadilla sind von fast allen Ortschaften im Südosten Teneriffas in 20 bis 30 Minuten zu erreichen. Aus den Touristenhochburgen Los Christianos und Playa de las Americas braucht ihr etwa 40 Minuten. Von der Autobahn TF1 führen diverse Straßen hangaufwärts in die Gebiete. Zum Teide Nationalpark gelangt man von Südwesten über die TF-51 (von Playa de las Americas über Arona und Vilaflor zum Nationalpark), von Südosten über die TF-21, die über Granadilla nach Vilaflor und weiter führt. Die Fahrt dauert eine knappe Stunde.

Weitere Infos
Allgemeine Infos zu Teneriffa und Unterkünften gibt es unter www.webtenerife.de. Kletterinfos findet ihr unter www.roxtar.es.

Kletterführer, Material
„Escalades en Arico“ beschreibt rund 500 Routen in den diversen Gebieten auf der Südostseite von Teneriffa, „Principales Zonas de Escalada en Roca“ die Routen rund um den Teide (wobei blaue Routennamen für eingebohrte Routen stehen, rote für selbst abzusichernde Wege). Beide sind im Sportgeschäft Tenerife Outdoor in Granadilla erhältlich. Dort erhaltet ihr auch Kletterausrüstung, und Crashpads.

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Inhaltsverzeichnis

10.06.2009
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 4/2009