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Katalonien de Luxe

Der Klassiker unter Kataloniens Sportklettergebieten ist angesagt wie eh und je. Dazu trägt auch eine ganze Reihe lohnender neuer Sektoren bei. Tina Böhmer und Kathi Krause waren vor Ort.

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Jeremy Wiles klettert Isadora, donde estas? (7b) im Sektor Can Piqui Pugui.
Foto: Kathi Krause

Endlich ist es soweit! Alles ist gepackt, der Bus bis unters Dach voll, die Kollegen sind in die Vertretung eingearbeitet. Der Chef schaut mich mit neidischen Blicken an, als ich ihm verkünde, dass heute der große Tag ist, nämlich der letzte für die nächsten drei Wochen. Tja, er hatte das schon wieder vergessen.

Eine sehr kurze Nacht und eine 20 Stunden lange Fahrt später kommen wir in Siurana auf dem Campingplatz an. Erstmal ausschlafen, dann frühstücken und dann mal weiter sehen ist das Motto für den ersten Tag. Wie praktisch, dass es in Siurana Sektoren wie Can Piqui Pugui gibt, zu denen man nicht lang läuft und die sowieso erst gegen Abend im Schatten sind. In der Sonne ist es hier Mitte September noch zu warm zum Klettern, zumindest wenn man Ernsteres vorhat. Aber haben wir überhaupt Ernsteres vor? Kathi hatte dieses Jahr erst eine Woche Urlaub, ihr Ziel ist eher, den „Weltmeistertitel im Schlafen“ zu erlangen. Ich bin den Sommer über schon viel geklettert und außerdem am Handgelenk verletzt. Lassen wir uns überraschen.

Siuranella Central
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Neuer Sektor, gewohnte Qualität: Die Autorin flasht eine 7b in Siuranella Central.
Foto: Jeremy Wiles

Internationaler Treffpunkt

Seit über 20 Jahren ist das winzige katalonische Dörfchen hoch oben auf einem der Tafelberge der Sierra de Prades ein internationaler Treffpunkt für Kletterer der gehobenen Grade. Und so kommt es, dass man auf dem hübschen kleinen Campingplatz der Familie Arbonés nicht nur Kátálan spricht. Toni Arbonés, einer der Haupterschließer von Siurana, kann sich keinen schöneren Platz zum Leben vorstellen. Unermüdlich ist er am Bohren und in den letzten Jahren hat er mit einigen Freunden mehrere neue Sektoren eingerichtet. Inzwischen bietet Siurana über 800 Routen – für jede Jahreszeit und jeden Geschmack.

Da wäre zum Beispiel der Sektor Grau Corral Nou. In dessen linkem Wandteil warten eine 6c und eine 7a+ mit einem mächtigen Überhang im oberen Wanddrittel auf. Nicht nur aufgrund der athletischen Züge an großen runden Griffen sind diese Routen sehr beliebt, sondern auch weil sie dank der dunkelroten Farbe sehr fotogen sind. Aber auch alle 7a+ und 7b-Routen im Mittelteil sind klasse. Wer ein schwaches Nervenkostüm hat, sollte mit der 6b ganz rechts vorsichtig sein. Die Route fordert ziemlich jede Klettertechnik, ist aber nur mit fünf Haken auf 30 Meter ausgestattet. Alle anderen Wege sind sehr gut gesichert.

Im Gebiet von Siuranella sind die Sektoren Central sowie der linke Teil des Sektors Nord mit 30 neuen Routen hinzugekommen. Besonders schön sind die Wege an dessen linkem Ende: von einem Absatz weg starten mehrere lohnende Routen zwischen 6b und 7a+. Wer keine Lust hat, weit zu laufen, ist im ebenfalls neuen Sektor Ca L’Orro richtig. Nur 200 Meter vom Campingplatz zweigt der Pfad zu den Felsen ab. Wer bis ans ganz linke Ende der Wand geht, steht vor einem beeindruckenden Dach, durch das ein purer Henkelspaß im Grad 7a+ führt.

Tina Böhmer
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Tina Böhmer plagt ihr Handgelenk bei einem Versuch im Klassiker Anabolca (8a) im Sektor Can Piqui Pugui.
Foto: Jeremy Wiles

Schlafes Schwester

„Alles in Siurana hängt vom Wind ab“, sagt uns Toni am Abend, als wir ihm ziemlich erschlagen erzählen, dass es selbst am Nachmittag, als die Sonne sich schon ums Eck verabschiedet hatte, immer noch zu schwül zum Klettern war, und wir wohl besser zum Strand gefahren wären. Der nächste Tag ist nicht anders als der erste: schlafen bis zum späten Vormittag, endlos frühstücken und am frühen Nachmittag mal schauen, was beim Klettern so geht. Am Abend kündigen sich die ersten dicken Wolken an, die über Nacht eine Menge Regen mitbringen. Kathi ist begeistert und schläft erstmal den ganzen nächsten Tag.

Auch den zweiten Regentag verbringt sie überwiegend mit Schlafen, obwohl es sich inzwischen herum gesprochen hat, dass wir zwei Mädels allein unterwegs sind und wir deshalb immer wieder Besuch von netten Spaniern an unserem Bus haben, die versuchen, uns trotz Regen zu motivieren, ein neues regensicheres Gebiet in Montsant zu entdecken. Bei der Vorstellung, eine Stunde durch den Regen zu laufen, helfen allerdings auch die netten Angebote der Spanier nicht, Kathi aus dem Schlafsack zu bewegen.

Da klingt doch der Vorschlag von Jeremy, dem neuseeländischen Lockenkopf aus Erlangen, gleich viel verlockender. „Mädels, Fiesta in Tarragona?“, meint er unter seiner nassen Kapuze. „Ja logisch! Wann?“, sag‘ ich. Keine halbe Stunde später sind wir auf dem Weg – mit Kathi.

Ein Fall für Mrs. Steelfinger

Heute wollen wir den Sektor Siuranella Central antesten, den Toni uns empfohlen hat. Leider hat das Ausschlafen mal wieder überhand genommen, und wir sind erst gegen 15 Uhr am Fels. Aber was soll’s, müssen wir eben ein bisschen Gas geben. Die Touren im französischen sechsten Grad sind auf jeden Fall sehr schön, stellen wir nach dem Aufwärmen erleichtert fest. Mal sehen, was die schwereren Routen so zu bieten haben. Kathi probiert eine 7b und fällt im onsight doch noch ganz oben raus. Schade. Als wir die Route alle geklettert haben, und unser Teampunktekonto damit eigentlich schon das Tagessoll erreicht hat, reizt uns doch noch eine andere 7b+ weiter rechts.

Ziemlich lang und abwechslungsreich sieht sie von unten aus, und obwohl es wohl nicht mehr lang hell sein wird, steigt Jeremy motiviert ein. Uiuiui, sieht ganz schön schwer aus, was er da macht. Ob nicht eine von uns beiden mal probieren möchte, fragt er. Na gut, dann bin ich jetzt dran. Super Kletterei an kleinen Leisten und Löchern in leicht überhängendem Gelände mit anspruchsvollen Einzelstellen, stelle ich fest. Nur leider ist die Crux an kleinen Kratzleisten mit meinem kaputten Handgelenk nicht kompatibel. „Mrs. Steelfinger, it‘s your turn!“, meint Jeremy. Kathi – seit einem Jahr Basler-Jura-getuned – ist in diesem Fall genau die Richtige, um unsere Schlingen noch vor der Dunkelheit zu bergen.

Und schon ist es wieder Zeit für einen Ruhetag mit Hängematte, Yoga, beachen und anschließend das spanische Nachtleben testen. Wir fahren eine Weile herum, um einen schönen Strand zu finden. Der letzte ist der schönste, allerdings steht davor ein großes Schild mit einem durchgestrichenen Hund – daneben eine durchgestrichene Badehose. „Oh nein, armer Jeremy“, denke ich kurz, als aber Kathi zustimmend nickt, bin auch ich der Meinung, dass er da jetzt eben durch muss. Er wird‘s schon überleben. Und der Strand ist wirklich der schönste, den wir in den ganzen drei Wochen finden konnten.

Je später der Abend, umso mehr Spanier sind auf den Straßen unterwegs. Nicht nur junge Leute, auch viele ältere Semester treffen sich zu einem gemütlichen Plausch. Plötzlich spielen die Musikanten einer privaten Geburtstagsfeier auf der Gran Placa, und jeder schnappt sich seinen Nachbarn oder die Nachbarin, um einen Flamenco zu tanzen. Bei so viel Lebensfreude kommt natürlich niemand auf die Idee, die örtliche Polizei zu rufen, nur weil es nachts um zwei ist.

Das Ausgehviertel Tarragonas liegt direkt am Hafen: jede Menge Discos nebeneinander, die im Normalfall keinen Eintritt kosten, so dass wir durchprobieren können, ohne ein Vermögen zu lassen. Eine kurze Zusammenfassung unserer Eindrücke: unglaublich laut, absolut eintöniger spanischer Dancefloor, die Mädels durchweg mit riesigen Pushups, die Männer alle mit Beckham-Frisur (sehen aber nur halb so gut aus). Unser letzter Club ist eindeutig der beste. Hier gibt’s die Barkeeper „oben ohne“ und eine Menge Männer und Frauen, die phantastische Tanzeinlagen auf dem Tresen hinlegen. Was für eine Party!

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Autor: Tina Böhmer

© klettern : Ausgabe 03/2007

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