Klettern im Kaunertal

Triathlon im Kaunertal - die Überschreitung des Kaunergrats

Gneis vom Feinsten: In klettern 7+8/2010 stellen wir Klettergärten und alpine Sportkletterrouten im Kaunertal im Tiroler Oberland vor. Hier gibt es die Informationen zum Triathlon: der Kaunergrat-Überschreitung.


Kaunergrat-Überschreitung Triathlon
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Das Gsallgratl am Schweikert bildet den Auftakt zum „Kaunertaltriathlon“. (Florian Schranz und die Lead-Jugendweltmeisterin von 2007, Christine Schranz – nicht verwandt und nicht verschwägert!)
Foto: Archiv Schranz

Das Kaunertal beherbergt Sportklettergebiete mit insgesamt etwa 100 Routen vom 3. bis zum 11. Grad. Wer es gerne lang und alpin mag, findet an den Wänden und Graten von Hochrinnegg, Schweikert, Wazespitze und Verpeilspitze eine ganze Reihe lohnender alpiner Sportkletterrouten und Gratüberschreitungen.

Mehr dazu in der klettern 7+8/2010. Im folgenden gibt es die Informationen zur Überschreitung des Kaunergrats.

Informationen zum Triathlon

„Ein Husarenritt über den Kaunergrat maximal im fünften Grad – klettertechnisch einfach, dafür ausdauernd.“ Begeistert erzählt der Kaunertaler Bergführer Florian Schranz von einem Alpinschmankerl der besonderen Art. Der „Kaunertal-Triathlon“ ist eine Kombination von drei hochalpinen Gratanstiegen im Urgestein des zentralen Kaunergrats, die sich durchaus mit Westalpenrouten messen können: das Gsallgratl am Schweikert (2881 m), der Nordgrat der Verpeilspitze (3425 m) und der Nordpfeiler an der Watzespitze (3533 m). Das Gsallgratl und der Verpeilspitz-Nordgrat wurden 2009 von Florian Schranz komplett mit Bohrhaken saniert und in der Linienführung begradigt, so dass man nun fast ausschließlich auf „des Messers Schneide“ unterwegs ist. Der Nordpfeiler der Watzespitze ist momentan noch konventionell abgesichert, sobald die Schneelage es zulässt, will Schranz aber auch diese Route sanieren und komplett auf die Gratschneide legen. Ausgangspunkt für den „Triathlon“ ist die Ortschaft Feichten im Kaunertal.

Panorama: (v.l.n.r.) Verpeilspitze, Schwabenkopf, Waze.
Foto: Archiv Schranz

Schweikert (2881 m) – Gsallgratl (Nordgrat)

Der Routenverlauf folgt der offensichtlichen Linie über die Grattürme, weshalb die Wegfindung hier keinerlei Probleme bereiten sollte. Zwar ist die Route nominell einfach – sie bewegt sich anhaltend im dritten Grad mit einigen Vierer-Stellen –, doch ist der Charakter hochalpin und die Kletterei teils recht exponiert.

Zustieg: Von Feichten auf dem Fahrweg (oder kürzer und steiler auf dem Fußweg Nr. 926) Richtung Verpeilhütte bis zur Verpeilalm. Von hier auf dem Dr. Angerer Steig Richtung Gsalltal. Bevor der Weg ins Gsalltal abfällt (etwa 15 Minuten ab der Alm), verlässt man ihn und steigt über einen breiten Gratrücken zum Fuße des Nordgrates auf. Der Einstieg befindet sich rechts einer markanten Rinne (Bohrhaken). Von der Verpeilalm bis zum Einstieg etwa eine stunde Gehzeit. Die Kletterzeit für den Grat beträgt ungefähr vier Stunden.
Abstieg: Vom Gipfel folgt man dem teilweise markierten und stellenweise exponierten Weg zur Verpeilhütte (2025 m, www.verpeilhuette.com). Ungefähr 1,5 Stunden vom Gipfel.

Verpeilspitze (3425 m) – Nordgrat

Der wilde Nordgrat der Verpeilspitze mit seinen imposanten Grattürmen ist aufgrund seiner Länge und Abgeschiedenheit wahrscheinlich das großzügigste Unternehmen dieses Gebietes. Florian Schranz vergleicht ihn gar mit Wallis-Anstiegen wie dem Schaligrat am Weisshorn. Bei der Sanierung mit rund 130 Bohrhaken wurde die Routenführung auf die sehr kompakte Gratschneide verlegt. Die brüchigen und meist gefährlichen Schuttrinnen werden so umgangen und durch abwechslungsreiche Gratkletterei ersetzt. Die Schwierigkeiten bewegen sich konstant im dritten und vierten Grad, die letzte Seillänge fordert dann aber noch Fünferkletterei. Die Seillängen sind auf dreißig Meter eingerichtet. Im einfachen unteren und mittleren Abschnitt muss über längere Strecken am „kurzen Seil“ geklettert werden. Die ersten drei Türme werden auf der Ostseite (zum Pitztal hin) umgangen. Von der südlichsten Scharte der drei Türme folgt man dann immer dem Gratverlauf. Für den Grat sind sechs bis acht Stunden zu veranschlagen.

Zustieg: Von der Verpeilhütte steigt man in circa 1,5 Stunden zum Verpeiljoch (2830 m) auf.
Abstieg: Vom Gipfel wenige Meter auf dem Grat Richtung Süden, dann weisen blaue Markierungspunkte und Abseilstellen (Bohrhaken) den Weg vor. Vom Gipfel zur Kaunergrathütte (2817 m, www.kaunergrathuette.at) benötigt man 1 bis 1,5 Stunden.

Watzespitze (3533 m) – Nordpfeiler

Genauer gesagt handelt es sich um den Nordpfeiler des Westgrats, denn der Pfeiler mündet rund eine halbe Stunde unter dem Gipfel auf den Grat. Derzeit ist der 500 Meter hohe Pfeiler noch nicht saniert, was sich aber ändern soll, sobald die Bedingungen es zulassen. Wie bei den anderen Gratanstiegen plant Florian Schranz auch hier, die Route zu begradigen und auf die Pfeilerkante zu verlegen. Bislang im unteren vierten Grad angesiedelt, dürften sich die maximalen Schwierigkeiten dann im fünften Grad bewegen.

Zustieg: Von der Kaunergrathütte erreicht man in rund einer halben bis dreiviertel Stunde das Madatschjoch (3010 m) und den Fuß des Pfeilers.
Abstieg: Da der klassische Normalabstieg über den „Gletscherweg“ in den letzten Jahren stark ausgeapert ist, ist dieser in der Regel schon ab Mitte Juli oder noch früher nicht mehr zu empfehlen. Dann führt der beste Abstieg über den Ostgrat. Dieser ist markiert und an den schwierigen Stellen zum Abseilen eingerichtet. Die Schlüsselstelle des Ostgrats (4) kann umgangen werden.

Autor: Schranz / Kern

© klettern

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