Neuer Bouldersektor auf Tinos

Sophia's World

In der April-Ausgabe haben wir euch das neue Boulderparadies Tinos vorgestellt. An Ostern war klettern-Redakteur Steffen Kern in der Ägäis und hat mit Sophia‘s World einen weiteren lohnenden Sektor erschlossen.

Fotostrecke: Bouldern auf Tinos

12 Bilder
Mediashow Tinos 1 Foto: Steffen Kern
Mediashow Tinos 2 Foto: Archiv Steffen Kern
Mediashow Tinos 3 Foto: Archiv Steffen Kern

 

Gone with the wind 3
Foto: Steffen Kern Irgendwo im Nirgendwo oberhalb des Sektors Skull: "Gone with the wind"
(Fb 7a+).

Der erste Versuch ist ein Debakel. Über eine Stunde kämpfe ich mich oberhalb des Sektors Skull durch übelste Macchia, kein Mensch, kein Tier weit und breit, außer einigen kleinen Schlangen, die immer wieder vor meinen dornengespickten Beinen durchs Gestrüpp huschen. Und wozu? Die Blöcke zu flach, zu steil, zu glatt, zu splittrig, zu hoch, zu niedrig …
Einen einzigen Boulder finde ich und kann ihn schließlich auch klettern. Genial! Nur, was bringt ein einzelner Boulder am A... der Welt! Danach wieder Sträucher, Stachel, Schmerzen. Und am Abend erfahre ich, dass die vermeintlich niedlichen Schlangen hochgiftig sind. Mein Drang, einen neuen Sektor zu entdecken, ist fürs Erste dahin. Ich bin kein Kolumbus!

 

Tinos Ziegen
Foto: Steffen Kern Mal scheu, mal neugierig: Ziegen prägen das tiniotische Landschaftsbild.

Granit in grüner Wiese

Die nächsten sieben Tage ist Genießen angesagt: die Insel erkunden, lecker essen, faulenzen und natürlich bouldern. Aber bitte nur in bereits erschlossenen Sektoren: in Katsika, Kakia Skala, Livadaki, am liebsten aber in der traumhaften Bucht von Livada Beach. Urlaub eben.
Bis ich irgendwann auf einer Rückfahrt von Volax unterhalb der Ortschaft zwei Blockfelder erspähe. Direkt neben einem breiten Fahrweg gelegen und – so scheint es zumindest aus der Ferne – kaum Macchia-verseucht. Am nächsten Vormittag zie­he ich bei stürmischem Wetter allein los und sprinte erstmal ohne Gepäck die beiden potenziellen Kandidaten ab. Wow! Das zweite Blockfeld ist perfekt: idyllische Lage, Fels ohne Ende, viel goldgelber Granit, viel Wiese, wenig Macchia. Und schon beim Schnelldurchgang stechen mir ein Dutzend tolle Linien ins Auge. Zurück mit Crashpad & Co. beginne ich – neugierig beäugt von zahlreichen Ziegen – wie ein Wilder an den ersten Blöcken zu bürsten und zu bouldern. Später ziehe ich weiter nach hinten und beschränke mich nun auf die Sonnenseiten der Felsen, da diese kaum Kosmetik benötigen. Bis zum Abend sind zehn Linien geklettert und markiert, einige mehr geputzt. Darunter auch drei schöne Bewegungsboulder am ersten Block des Sektors, die ich für Sophia zur Erstbegehung vorbereitet habe.

 

Tinos Auszeit 2
Foto: Archiv Steffen Kern Das Schlimmste ist geschafft! Steffen Kern klettert "Auszeit" (Fb 7a+).

Immer mit der Ruhe

Am nächsten Morgen begrüßt uns ein wolkenloser Himmel – fast zu schön, um Blöcke zu bürsten! Gemeinsam fahren wir zum Sektor, bouldern, fotografieren und genießen einfach nur die Sonne. Mein Erschließerelan erwacht erst am Nachmittag, nachdem ich mein Projekt klettern konnte. Am Vortag hatte es sich noch unmöglich angefühlt, beim ers­ten Zug von Auszeit (Fb 7a+) den Schwung abzufangen. Fünf weitere Probleme entstehen, und zum krönenden Abschluss des Tages klettert Sophia ihre Boulder am "Willkommensblock". Bei der Namensgebung stehen griechische Begrüßungsfloskeln Pate: "Hallo", "Wie geht‘s?", "Gut, und dir?".

 

 Rückblick Sophia's World
Foto: Steffen Kern Blick über den Sektor Sophia's World, im Hintergrund die Häuser von Volax.

Abschied mit Aussicht

Am nächsten Tag zeigt sich das tinio­tische Wetter von seiner unschönen Seite: Regen und Wind. Erst am Nachmittag reißen die Wolken auf, und wir fahren ein letztes Mal nach Volax. Einige schöne Linien müssen noch fallen! Sechs sind es schließlich, in einem brachialen Zwei-Zug-Problem auf der Kuppe am Ende des Sektors habe ich aber keinen Auftrag mehr. Was soll‘s! Die Abendsonne und die traumhafte Aussicht auf die weißen Häuser von Agapi und das Meer dahinter lassen dagegen etwas Wehmut zum Abschied von diesem wunderschönen Flecken Erde bei uns aufkommen. Auf dem Rückweg durch den Sektor entdecke ich weitere Linien, die mir bislang nicht aufgefallen waren. Morgen doch wieder hierher? Nein, der letzte Urlaubstag gehört dem Meer. Bis zum nächsten Mal!

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21.05.2008
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 06/2008