Klettern auf der schwäbischen Alb

Kurzanleitung zu schwäbischem Kletterglück

Die Täler und Traufkanten zwischen Bad Urach und der Burg Teck bilden das Herz der schwäbischen Alb. 12 Lokalmatadore stellen ihre drei Lieblingsrouten im Gebiet vor.

 

Klettern Schwäbische Alb
Foto: Ronald Nordmann Jana Thiel am Neuffener Parkplatzfels.

Was die magische Anziehungskraft der Schwäbischen Alb ausmacht, ist umstritten - selbst unter den Einheimischen. Einig ist man sich nur darüber, dass die Vorzüge im Verborgenen liegen müssen, denn schreiend in den Vordergrund stellt das Gebiet sich nicht. Aber das passt ja zum Schwaben, der für seine Maulfaulheit bekannt ist. „Wer schwätzt, isch selber schuld“ pflegt man hier zu sagen, oder auch „Reden ist Silber - Schweigen ist Gold“.

 

Klettern Schwäbische Alb
Foto: Ronald Nordmann Fabian Bosler klettert die mittlerweile weggesprengte "Inquisition" (8+) an den Linken Wittlingern.

Hart am Trauf

Immerhin: Zwölf Locals erklärten sich bereit, uns ihre drei Lieblingsrouten im Bereich der Mittleren Alb preiszugeben - die subjektiven Highlights zwischen Schopfloch und Reutlingen. Die Kante, mit der die sanft ansteigende Hochfläche der Schwäbischen Alb steil ins Vorland abbricht wird als Trauf bezeichnet, als Albtrauf. Zwei- bis dreihundert Meter misst der gesamte Höhenunterschied von den Streuobstwiesen im Tal bis hoch zu den steinigen Äckern. Die Felsen selbst, die zumeist ganz oben stehen, bringen es auf bis zu 80 Meter. Wer am Trauf aussteigt, hat selbst an niedrigen Felsen richtig Luft unter den Sohlen. Kletterer, die gerade ihre ersten Hallenerfahrungen hinter sich haben oder die mehr das turnerische Steigen in der Geborgenheit sanfter Wälder schätzen, werden die Szenerie als eher ernst empfinden. Für andere macht gerade die Exposition den Reiz des Kletterns aus.

Von Aalen ganz im Nordosten zieht sich die Schwäbische Alb bis hinunter zum Oberen Donautal. Die Massive sind längst nicht so auf engem Raum konzentriert wie etwa im Fränkischen, wo ein Zapfen am anderen steht. Gut 50 fürs Klettern offene Felsen bietet der Albtrauf zwischen den beiden Luftlinie knapp 30 Kilometer voneinander entfernten Orten. Alle anderen Felsen - und es gibt mindestens noch ein mal so viele - sind aus Naturschutzgründen für Kletterer gesperrt. Umso wertvoller sind unsere Routentipps ausgewiesener Albexperten, die einen eindrücklichen Querschnitt durch das Zentrum der Schwabenalb bieten.

Das traurige Schicksal der Linken Wittlinger Wände

14.01.2010
Autor: Achim Pasold
© klettern
Ausgabe 9 / 2008/2008