Tapeverband beim Klettern

Tapen - Finger, Hand, Ellbogen tapen: so geht's

Nach einer Verletzung, bei leichten Beschwerden oder bei Überlastungssyndromen kann Tapen sinnvoll sein. Die wichtigsten Tapes für Kletterer auf einen Blick.

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Finger tapen - Dr. Volker Schöffl Foto: Archiv Schöffl
Finger tapen - Dr. Volker Schöffl Foto: Archiv Schöffl
Finger tapen - Dr. Volker Schöffl Foto: Archiv Schöffl

Tape ist aus der Sportmedizin nicht mehr wegzudenken. Einige Verletzungen bedürfen dank Tape nicht keinen Gips mehr (und damit eine lange Stillhalte-Zeit), um auszuheilen. Trotzdem ist es wichtig, zu einer genauen Diagnose zu gelangen, bevor man mit Tapeverbänden arbeitet. Speziell bei akuten Beschwerden oder nach Verletzungen sollte man qualifizierten ärztlichen Rat einholen, bevor man wieder belastet oder Sport ausübt.

Tape zum Schutz des Fingermittelgelenks

Dieses Tape wird sicherlich mit am häufigsten gebraucht. Beim Anlegen sollte man darauf achten, dass das Beugen und Strecken des Gelenks noch möglich ist. Beim Tapen des Fingermittelgelenks gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten: Eine besteht darin, ein zirkuläres Tape am Grund- und Mittelglied mit einem seitlichen Tapestreifen zu ergänzen, alternativ wird ein breiter Streifen direkt über dem Gelenk locker angebracht.

Besonders empfehlenswert ist eine - in etwa 30 Grad Beugestellung des Mittelgelenks angelegte - "Achtertour" mit dem Tapestreifen. Dadurch wird die Streckung im Mittelgelenk etwas eingeschränkt, die Beugung bleibt aber großteils erhalten. So wird bei Belastung des Gelenks ein Teil der Kraft auf das Tape übertragen, wodurch es sich auch sehr gut als Prophylaxe für Einfingerlöcher eignet. Beim Anlegen ist es wichtig, das Fingermittelgelenk um 30 Grad zu beugen, so kann das Tape bei passiver Fingerstreckung („im Loch hängen“) die Kapsel und die Bänder entlasten.

Tape zum Schutz des Fingerendgelenks

Die "Achtertour" ist hier aus Platzgründen nicht möglich. Das Tape würde großteils auf der Fingerkuppe liegen, beim Greifen behindern und verrutschen. Hier kann nur zirkulär um das Gelenk mit etwa eineinhalb Windungen locker getapt werden. Dies bietet etwas Schutz, eine Stabilität wie am Fingermittelgelenk ist aber nicht zu erreichen. Bei schweren Verletzungen empfiehlt es sich, den verletzten Finger mit dem Nachbarfinger durch ein sogenanntes "Buddy-Tape" zu schienen.

Hierzu wird um die Grund- und die Mittelphalanx, gegebenenfalls auch um die Endphalanx der beiden Finger jeweils ein Streifen gelegt. So können sie zusammen frei gebeugt und gestreckt werden, aber sich nicht voneinander wegbewegen (Seitbänder) oder gegeneinander verdrehen (siehe Fotostrecke).

Tapen der Hand

Überlastungsbeschwerden im Handteller sind nicht häufig, kommen aber vor. Betroffen ist hier das A1-Ringband mit der Sehnenscheide und die kleine Handmuskulatur. Ein zirkulärer Tapestreifen um die Mittelhand, wodurch eine leichte Hohlhand gebildet wird, kann eine Erleichterung der Beschwerden bringen.

Tape am Handgelenk

Vor allem bei Unter- und Seitgriffen kann es im Handgelenk durch den Zug der Beugesehnen gegen ihre Umlenkpunkte zu Schmerzen und Überreizungen kommen. Ein zirka 2,5 Zentimeter breites Tape am Handgelenk kann es entlasten. Wichtig ist, dass das Tape zweiteilig ist (handrückenseitig und handflächenseitig), so dass eine gewisse Elastizität gegeben ist, und der Blutabfluss gewährleistet ist. Die Tapestreifen sollten sich auf beiden Seiten überlappen.

Tape am Ellenbogen

Tape wird am Ellenbogen zur Therapie der Epikondylitis (Tennis-Ellbogen) verwendet. Ein Taping direkt auf dem Epikondylus verursacht auch keinen Blutstau wie es manchmal bei Ellbogenbandagen und –braces der Fall ist. Das Tape sollte jedoch sehr locker und bei angespanntem Bizeps-muskel angelegt werden. Nur so modelliert sich das Tape mit ausreichend Falten und gewährleistet bei der Beugung unter Anspannung noch genügend Bewegungsfreiheit. Das Wirkungsprinzip besteht dabei in der Propriorezeption ('bewusste oder unbewusste Wahrnehmung des Körperzustands', "gefühlte" Beeinflussung, Anm.d.Red.) und nicht im direkten mechanischen Effekt. Das heißt, Sensoren in den Sehnen, Muskeln und der Haut informieren das zentrale Nervensystem über die Gelenkstellung, das dann wiederum auf die Biomechanik (Statik) einwirken kann.

Weitere Informationen zum Tapen findet ihr in "Soweit die Hände greifen" von Thomas Hochholzer und Volker Schöffl, erschienen im Lochner-Verlag.

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16.02.2010
Autor: Isabelle & Dr. Volker Schöffl
© klettern
Ausgabe 04/2006