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Plastikboom: Immer mehr Kletterhallen
Das Klettern gehört zu den neuen urbanen Freizeitbeschäftigungen: immer mehr Kletterhallen werden gebaut. Die Trends: schöner, größer, und mehr Boulderfläche.
Dass München die unbestrittene Bergsteigerhauptstadt Deutschlands ist, zeigt sich nicht nur an der Zahl der DAV-Sektionen und dem Alpenblick an schönen Tagen. Auch die Quadratmeter an Kletterfläche in den diversen Kletteranlagen werden sonst nirgends übertroffen. Allein die vier großen Hallen in München und Umfeld – Thalkirchen, Heaven‘s Gate, High-East und Gilching – bringen es zusammen auf 14 000 Quadratmeter Kletter- und Boulderfläche. Selbst das reicht für die Massen an bayerischen Vertikalisten noch lange nicht: In Thalkirchen steht der nächste große Ausbau bevor, und mit dem Kletterzentrum München-Freimann befindet sich bereits eine weitere Großanlage in Planung. Wo soll das alles enden?
Bisher ist jedenfalls kein Ende des Hallenbooms in Sicht. „Vor zehn Jahren hätte sich diese Entwicklung keiner vorstellen können“, meint Christoph Bucher, Geschäftsführer der Outdoor Consulting GmbH, der einzigen Firma in Deutschland, die auch große Kletterwände noch komplett im Land produziert. Der ehemalige Wettkampfkletterer kann sich freuen: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, denn neben den Großprojekten schießen auch die kleinen Kletterwände in Schulen, Kindergärten und bei Vereinen wie Pilze aus dem Boden. „Jährlich werden etwa zehn Kletteranlagen neu gebaut oder erweitert“, schätzt Elias Hitthaler, beim Deutschen Alpenverein für solche Anlagen zuständig.
Der Alpenverein, die Hütten und der Wettbewerb
Die Entwicklung hat mehrere Ursachen: Erstens ist das Klettern mit den Hallen mitten in den Städten angekommen und so für viele Leute sichtbar und präsent. Was die Leute sehen, ist eine im Grundsatz sichere Sportart, die den Nimbus, eine Randsportart für vollbärtige Abenteuerfreaks zu sein, längst verloren hat. Die Zeiten, als der Südtiroler Alpinist Reinhold Messner die Deutungshoheit für den Klettersport innehatte, sind vorbei. Die moderne Klientel will sicher klettern und bouldern, sie braucht Gefahren wie Steinschlag und abbrechende Seracs zur Selbstfindung nicht.
Der zweite Grund für den Siegeszug der Kletterhallen ist darin zu sehen, dass die Alpenvereine, insbesondere der DAV, auf den Zug aufgesprungen sind und ihn nun mit voller Kraft antreiben. Seit die Vereinsoberen gemerkt haben, dass Hallen die neuen Hütten sein können und sich hervorragend zur Mitgliederwerbung eignen, wird in allen Ecken der Republik an neuen Kletterhallen gewerkelt. Die Sektion Hamburg steht häufig als leuchtendes Beispiel vor Augen: Nach dem Bau der Kletterhalle dort konnte die Sektion innerhalb eines Jahres 2000 neue Mitglieder zählen. Der Hallenbau kommt aber auch dem ursprünglichen Vereinsziel – der Förderung des Bergsports – nach und bedient die Wünsche der Sportkletterer in den Sektionen. Von insgesamt 200 000 aktiven Kletterern in Deutschland sprach der DAV vor zwei Jahren, inzwischen dürften schon wieder viele dazugekommen sein.
Natürlich ist der Begriff „Förderung des Bergsports“ hier schon sehr weit ausgelegt. Die Kletterhallen haben neben den klassischen Draußenkletterern und Bergsteigern auch eine ganz neue, eher fitness-orientierte Kundschaft angezogen. Wie die diesjährige Hallenumfrage des DAV aber zeigt, sind es doch erstaunlich wenige Hallenbesucher, die noch nie draußen klettern war. Und über 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen beim Klettern das Naturerlebnis wichtig ist. Das deutet zumindest darauf hin, dass die Gruppe derjenigen, die das Klettern nur als moderne Rückengymnastik oder spannenden Squash-Ersatz sehen, kleiner ist als oftmals angenommen.
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04.01.2010
© klettern
Autor: Sarah Burmester
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