Kletter-Leistungen 2014-15

Highlights im Sportklettern


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White Style 2016
Foto: Christoph Laue

 

Angela Eiter Big Hammer 9a
Foto: Archiv Eiter

 

Roland Hemetzberger Zarathustra Sparchen
Foto: Stefan Kühn

 

Tommy Caldwell in Dawn Wall am El Capitan
Foto: Corey Rich / Aurora Photos

 

Kevin Jorgeson Dawn Wall El Capitan
Foto: Corey Rich / Aurora Photos
Die Highlights aus der Kletterwelt 2014 und 2015 gibt's hier im Überblick: Die Bestleistungen aus Sportklettern, Alpinklettern, Mixed, Eis und Expeditionsbergsteigen.

Höher, härter, schneller - sonst noch was? In diesem Artikel bietet Max Bolland den Abriss über die Bestleistungen im Klettern. Dieser Artikel erschien im Alpenvereinsjahrbuch BERG 2016 der Alpenvereine, Tyrolia-Verlag

Wie andere Sportarten unterliegt auch der Alpinismus dem Prinzip von höher, schneller, weiter. Gleichzeitig definiert er sich aber auch über andere, nicht in Zahlen messbare Aspekte. Alpinismus ist Sport und irgendwie doch mehr. Diese Chronik der alpinistischen Highlights soll jene Taten zwischen Mai 2014 und Mai 2015 festhalten, die langfristig am bemerkenswertesten sind. Doch was sind die Parameter der Beurteilung in einer „Sportart“, die so viele unterschiedliche Aspekte in sich vereint? Wer ist der oder die Stärkste, Tollste, Schönste nicht nur im Land, sondern weltweit?

Diejenigen, die die härtesten Schwierigkeitsgrade bezwingen, die schnellsten Zeiten auswerfen, die höchsten Höhen erreichen, sind vergleichsweise objektiv zu beurteilen und schnell ermittelt. Doch was ist mit denjenigen, deren Taten genau jene nicht in Zahlen messbaren Aspekte, den „Spirit“ des Alpinismus widerspiegeln? Das erfordert einen genaueren Blick hinter die Kulissen: fangen wir damit an.

Sportklettern: Wenn die Spitze breiter wird

Sportklettern ist durch feste Parameter definiert, was letztendlich zählt, ist die nackte Zahl: Wer klettert wie schwer, wie schnell und wie oft. Doch hat das Sportklettern einen großen Einfluss auf den Alpinismus, viele der besten Alpinisten kommen vom Sportklettern, und das Begehen neuer Sportkletterrouten ist ein kreativer Akt, bei dem Mutter Natur die Vorgaben gibt und der Kletterer das Rätsel Fels zu lösen versucht. Wenn auch ein geringer Teil der Athleten ihren Mangel an Kreativität durch künstliches Verändern des Felses auszugleichen versuchen, dürften die meisten Chris Sharmas Bekenntnis folgen: „King Lines, diese Linien, die deine Vorstellungskraft fesseln und dich dazu inspirieren, unser Spiel nochmals eine Stufe höher zu pushen.

Etwas, das Mutter Natur kreiert hat, als ob es genau fürs Klettern gemacht wurde – vollkommene Strukturen, gerade genug, um einen Pfad nach oben zu finden, etwas, das es wert ist, dich zu 200 Prozent hinzugeben.“ Sharma – längst vom Talent zur festen Größe, vom jungen Wilden zum Elder Statesman des Klettersports gereift – sucht und findet seit Jahren mehr als nur ultimative Schwierigkeiten, er findet große Linien durch die glattesten und steilsten Wände, die allen Ansprüchen an Ästhetik gerecht werden. In seiner Wahlheimat Spanien, in Cova de Ocell nahe der katalanischen Metropole Barcelona, kreiert er eine weitere Superlinie, die auch in Sachen Schwierigkeiten einen Superlativ darstellt. „El Bon Combat“ (9b/b+) ist 25 Meter lang und dürfte zu den fünf schwersten Routen der Welt zählen.

Neben Sharma ist Adam Ondra die hervorragende Figur der Sportkletterszene. Der junge Tscheche klettert nach wie vor in seiner eigenen Liga. Mit „TCT“ im Val di Susa schafft er seine dritte 9a onsight und feiert kurze Zeit später ein Jubiläum der besonderen Art: seine hundertste Route im Grad 9a oder schwerer – es sei daran erinnert, dass 9a bis vor circa zehn Jahren noch das absolute Limit war! Dass dies nicht mehr so ist, zeigt auch die Tatsache, dass hinter diesen beiden Protagonisten sich eine breite Spitze etabliert, aus der in den letzten Jahren Alexander Megos nochmals heraussticht. Die Leistungsfähigkeit des jungen Franken dürfte an die von Sharma oder Ondra heranreichen.

„Action Directe“ – legendäre Route des großen Wolfgang Güllich und ihres Zeichens erste Route im Grad 9a – kann dem Elan und Können Megos nicht lange standhalten: Nur zwei Stunden vergehen vom Auschecken bis zum erfolgreichen Durchstieg! Güllich und auch die meisten seiner Nachfolger haben über Monate hinweg ein spezifisches Training absolviert und die Route unzählige Male versucht, bis der Durchstieg gelang – ja, wenn Denkmäler bröckeln! Auch sonst klettert Megos alles, was schwer ist und ihm unter die Finger kommt, und sammelt 9a‘s und 9a+‘s wie unsereins Pilze im Wald. Bei den beeindruckend schnellen Zeiten, in denen Megos diese Routen abhakt, kann man von ihm in den kommenden Jahren noch einiges erwarten.

Wie breit mittlerweile die Spitze im Sportklettern ist, zeigt sich darin, dass 9a oder 9a+ plötzlich kein großes Ding mehr zu sein scheint. Immer mehr Akteure drängen in den Grad. Sharmas ehemalige Toproute „Biographie“ (9a+) in Ceüse wird mehrmals wiederholt, neben Megos und Ondra gelingt auch Jonathan Siegrist und Sacchi Amma eine Begehung. Akteure wie Gabriele Moroni, Silvio Reffo, Siegrist oder Amma vermelden in steter Regelmäßigkeit Begehungen im Grad 9a oder 9a+. Der Japaner Amma knackt auch den Grad 9b, er wiederholt das Testpiece „Fight or Flight“ von Chris Sharma. Der Österreicher Jakob Schubert kann besagte Route ebenfalls für sich verbuchen. Auch der Kreis der 9b-Kletterer wird stetig größer, der der 9a-Kletterer zunehmend unüberschaubar.

Fotostrecke: Sachi Amma klettert 9b

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Sachi Amma klettert in Oliana Foto: adidas Outdoor / Eddie Gianelloni
Sachi Amma klettert in Oliana Foto: adidas Outdoor / Eddie Gianelloni
Sachi Amma klettert in Oliana Foto: adidas Outdoor / Eddie Gianelloni

Bei all den Erfolgsmeldungen sticht eine Nachricht heraus: Die 13-jährige (!) Ashima Shiraishi bezwingt innerhalb einer Woche zwei Routen im Grad 9a/a+. Mit ihren Erfolgen in „Open Your Mind Direct“ und „Ciudad de Dios“ in Santa Linya, Spanien schreibt die halbwüchsige Amerikanerin Sportklettergeschichte und erregt die Aufmerksamkeit der Massenmedien. Den Spaß am Klettern scheint Angela Eiter nicht verloren zu haben. Nach ihrer erfolgreichen Wettkampfkarriere zeigt sie auch am Fels eine überragende Performance. Gleich dreimal innerhalb einiger Monate gelingt der magische Grad 9a!

Neben „Hades“ und „Big Hammer“ in der Tiroler Heimat kann sie auch „Era vella“ in Margalef, Spanien abhaken. Letztgenannte Route scheint sich bei den starken Mädels einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen: Auch die Belgierin Anak Verhoeven ist erfolgreich, und bereits 2013 konnte Sasha DiGiulian diese Route punkten. Der Kreis der „9a-Damen“ erweitert sich zunehmend und insbesondere auf Eiter darf man weiterhin gespannt sein. Auch Melissa Le Neve („Wallstreet“, 8c; „Baa Baa Black Sheep“, 8c/c+), Mina Markovic? („Becan Clinch“, 8c+; „Humildes Pa Casa“, 8b+ onsight) oder Paige Claassen („Just Do It“, 8c+) sind auf dem Sprung an die absolute Spitze.

Fotostrecke: Stern am Kletterhimmel: Sasha DiGiulian (Bilder)

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Sasha DiGiulian Foto: Archiv Sasha DiGiulian
Sasha DiGiulian Foto: Archiv Sasha DiGiulian
Sasha DiGiulian Foto: Archiv Sasha DiGiulian

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Fotostrecke: Bilder von Alexander Megos

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Alexander Megos klettert Estado Critico onsight Siurana Foto: Miguel Catita
Alexander Megos beim The North Face Kalymnos Climbing Festival Foto: The North Face / Damiano Levati
Alexander Megos klettert in Indian Creek, USA Foto: Jorgos Megos

Fotostrecke: Bilder: Chris Sharma

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Chris Sharma Three Degrees of Separation Foto: Chris Sharma Instagram
In Bed with Chris Sharma Foto: Jimena Alarcon Instagram
Chris Sharma Psycho-Comp 2014 Foto: Chris Sharma Instagram

24.11.2015
Autor: Max Bolland
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