Arbeiten im Klettersport

Vertikales Gewerbe - Produktmanager

Der Bedarf an Kletterausrüstung wächst weiter. Die Produktmanager in der Bergsport-Industrie kombinieren technische Veranlagung und Ausbildung mit fundiertem Wissen über die Anwendung dieser Ausrüstung.

 

Daniel Gebel
Foto: Archiv Gebel Daniel Gebel prüft die Gurtnaht.

Daniel Gebel, 32 Jahre, Weitnau:

"In der Entwicklungsabteilung bei Edelrid arbeiten zu dürfen, ist so ungefähr das Beste, das man sich nur irgendwie vorstellen kann. Eigentlich wundere ich mich jeden Tag, dass ich sogar noch Geld dafür bekomme, auch wenn’s nicht viel ist. Noch besser ist es, wenn man bei Edelrid in der Entwicklungsabteilung arbeiten darf und nicht der Scheffe sein muss.

So schön hat es zum Beispiel mein Chefdesigner, der andere Daniel (und anders ist in diesem Fall noch gar kein Ausdruck). Oder Richie, der den lieben langen Tag an Eisgeräten und Karabinern bastelt. Oder Norbert, der, wenn er nicht gerade unser Büro mit seinen Kochern anzündet, mit den Jungs aus der Arbeitssicherheit spielen darf. Oder Milan, Abteilung Schuhe und Helme. Oder die vielen Praktikanten, Diplomanten und Trainees, die eigentlich hier sind, um meine Arbeit zu machen. Immerhin taugen sie alle als Sparringspartner in unserem Boulderraum hier im Keller, oder draußen am Turm, oder an den vielen Felsen des Allgäus.

Gelandet bin ich hier eher zufällig. Eigentlich war ich gerade dabei, an der katholischen Universität Eichstätt Geographie zu studieren. Also eher bodenständig und arbeitsfaul. Über das Sponsoringteam von Vaude bin ich, eher nebenher, ins dortige Produktmanagement gerutscht. Als schließlich Edelrid 2006 von Vaude gekauft wurde und ich die Möglichkeit bekam, die dortige Entwicklungsabteilung zu leiten, die zu diesem Zeitpunkt aus einer Person, nämlich mir, bestand, erlosch das Interesse an der Geographie und ich wechselte zu Edelrid.

Das bisschen Rest des Lebens, der einem neben einem Job bei Edelrid bleibt, teile ich zwischen einem mittlerweile vierjährigen Sohn, einer mittlerweile 10-jährigen Bergführerausbildung, einer ich-will-gar-nicht-sagen-wie-alten Kletterer-Frau und manchmal ein bisschen Klettern, Eisklettern und Bergsteigen auf.

 

Bernd Arnold und Daniel Gebel Bergschau
Foto: Ralf Gerard Mit Bernd Arnold beim Bergsportkongress.

Auch wenn ich vielen Kletterern meiner und vorangegangener Generationen gegenüber ein schlechtes Gewissen bezüglich des geregelten Lebens und des festen Jobs habe, rechtfertige ich mich oft mit den Worten „ein Zehner geht trotzdem immer“.

Nachteil der ganzen Sache? Der Job ist alles – alles ist Job. Man schaltet nie ab. Selbst an den Klettertagen am Wochenende tanzt einem die Konkurrenz in Form von Gurten, Seilen und Karabinern vor der Nase herum, und man fragt sich ständig, warum auch die anderen so verdammt gut sein müssen."

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27.04.2012
Autor: Ralph Stöhr
© klettern