Thomas Huber Interview

"Leidenschaft ist der Motor allen Handelns"

Thomas Huber, einer der "Huberbuam" über seine Motivation, Gefahr, und das Bergsteigen am Limit als Familienvater. Das Interview führte Folkert Lenz.


Thomas Huber
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Thomas Huber in der Antarktis.

Thomas, als "Huberbuam" gehören Du und Dein Bruder Alexander zu den wenigen, die von der Sportart "Bergsteigen" leben können. Aber wie bist Du eigentlich dazu gekommen?

Das lag schon ganz klar am Vater, der selbst begeisterter Bergsteiger und extremer Alpinist war. Und wie es immer so ist: Für einen Sohn ist das größte Idol doch immer der Vater. Ihm haben wir halt nachgeeifert. Aber der Vater hat letztlich nur ein Steinchen losgetreten und es ist dann eine riesige Lawine daraus geworden.

In den Fotostrecken: Die Abenteuer der Huberbuam

Zu den Vortragsterminen im November 2010

Ihr seid schon eine ganze Zeit in der Spitze und auf verschiedenen Spielwiesen des Bergsteigens unterwegs. Was zeichnet einen guten Kletterer aus?

Es kommt immer darauf an, wo man sich bewegt. Wir sind ja immer auf der Suche nach der absoluten Grenze. Und Grenzgang beim Bergsteigen heißt, dass man oft unterwegs ist zwischen Leben und Tod. Man ist sich als guter Bergsteiger darum immer bewusst, dass man sich in einer lebensbedrohlichen Situation befindet. In der Akzeptanz und in der Bewusstheit dieser Gefahr ist man dann gleichzeitig wieder sicher unterwegs, weil man dann wahnsinnig konzentriert ist.
Auf der anderen Seite: Wenn man an der Spitze mitmischen will, dann ist es nötig, dass man immer wieder neue Wege geht und kreativ ist. Wenn man dann die richtige Sache anpackt, dann hat man vielleicht was ganz, ganz Tolles geleistet.

Speedklettern, Solotouren, Expeditionsbergsteigen an den höchsten oder abgelegensten Gipfeln auf diesem Globus – all das gehört Zu Deinen Aktivitäten. Was treibt Dich an, diese ganzen körperlichen und mentalen Strapazen auf Dich zu nehmen?

Es wäre für mich absolut langweilig, wenn ich nur auf Expeditionen gehen würde oder nur zum Klettern. Ich bin jetzt 43 Jahre alt, aber ich fühle mich in allen Bereichen des Bergsports zuhause - sei es an Zwei-Meter-Blöcken beim Bouldern oder an 2000 Meter hohen Wänden im Karakorum. Die Motivation kommt letztlich aber durch die Leidenschaft. Die ist der Motor allen Handelns – auch, wenn man Spitzenleistungen bringen will.
Hinzu kommt meine kindliche Freude. Die habe ich trotz meines Alters noch in mir. Außerdem die Neugier und der Wunsch, etwas entdecken zu können. Und manchmal will ich sogar versuchen, etwas möglich zu machen, von dem andere glauben, es sei unmöglich.

Thomas, Du nimmst häufig das Wort "Gefahr" in den Mund. Gleichzeitig hast Du eine Familie mit drei Kindern. Gehst Du heute nicht mehr so an Deine Grenzen wie als junger, alleinstehender Mann?

Nein, denn ich hänge am Leben. Das war früher so und ist es auch heute noch. Leben ist für mich ein wertvolles Gut. Ich schätze es und respektiere es. Mein Leben hat natürlich jetzt ein bisschen mehr Gewicht bekommen durch die Verantwortung gegenüber meinen Kindern. Aber es hat nicht so viel Gewicht, dass ich sage, jetzt riskiere ich nicht mehr so viel. Das hört sich immer blöd an, aber wenn ich etwas Gefährliches mache, dann bin ich hoch konzentriert und dann weiß ich genau, was ich tue.

In der Außenwirkung scheinen Du und Dein Bruder als „Huberbaum“ unzertrennlich zu sein. Denkst Du manchmal darüber nach, als Thomas Huber einen eigenen Weg zu gehen?

Wir gehen doch immer eigene Wege. Alexander geht seinen eigenen Weg, ich gehe meinen eigenen. Wir sind trotzdem eine Seilschaft, in den großen Bergen der Welt sind wir meist gemeinsam unterwegs.
Aber wer uns näher kennt, der weiß, dass wir sehr unterschiedliche Charaktere haben. Jeder geht zwar seinen eigenen Weg und doch sind wir ein Team. Das macht uns eigentlich so stark. Als wir noch klein waren, da hat es schon die „Huberbuam“ gegeben – lange, bevor wir sie zur Marke gemacht haben.

Welche Projekte stehen als nächste bei Dir auf dem Plan?

Nach Weihnachten soll es ganz in den Süden gehen, nach Patagonien. Am Cerro Torre wollen wir mal schauen, was wir da machen können. Und dann im Sommer 2011 fahre ich auf Expedition nach Pakistan. Mehr will ich jetzt noch nicht verraten.

(Interview/Bearbeitung: Folkert Lenz, Bremen)

Zu den Vortragsterminen im November 2010

Thomas Huber wurde 1966 in Palling, Oberbayern, geboren. 1987 machte er Abitur, 1992 seinen Abschluss als Berg- und Skiführer. Seit 1996 ist er Berufsbergsteiger. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Mehr unter www.huberbuam.de.

Autor: Folkert Lenz

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