Mit 16 Deutscher Meister, mit 18 "Action Directe": Jan Hojer Interview

"Ich trainiere nur selten mehr als 15 Stunden pro Woche" - Jan Hojer im Interview


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Jan Hojer bouldert in den Rocklands, Südafrika
Foto: Archiv Jan Hojer

 

Jan Hojer bouldert in den Rocklands, Südafrika
Foto: Archiv Jan Hojer

 

Jan Hojer - Boulder-Talent
Foto: Udo Neumann

 

Jan Hojer bouldert in den Rocklands, Südafrika
Foto: Archiv Jan Hojer

 

Jan Hojer - Boulder-Talent
Foto: Udo Neumann
Jan Hojer gehört zu den größten Kletter-Bewegungstalenten Deutschlands. In diesem Interview: Jan Hojer erklärt seine Einstellung zum Training und welche Kletter-Disziplin er niemals ausüben wird.

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Jan Hojer gehört nicht nur zu den stärksten Kletterern Deutschlands - sondern weltweit. Beim Bouldern in den Rocklands flashte er 2012 mit "El Corazon" (Fb 8b) oder "Green Mamba" (Fb 8a+/8b) schon härtere Nummern als viele Boulderer überhaupt jemals klettern werden. Im Wettkampf zeigte Jan Hojer mit dem Dritten Platz beim Boulder-Weltcup in Vail (Bericht & Video hier) und mit Rang Fünf bei den Weltmeisterschaften, dass er zur absoluten Weltspitze gehört.

Mit 16 Deutscher Meister, mit 18 Action Directe: Wo und wie wird man so stark?
Wo man so stark wird, ist leicht zu beantworten! Seitdem ich vor mittlerweile schon neun Jahren mit dem Klettern angefangen habe, habe ich gefühlte 99 Prozent meiner Trainingseinheiten in der Frechener Kletterhalle „Chimpanzodrome“ absolviert. Und obwohl ich mich immer eher auf mein Bauchgefühl verlassen habe, als den Weisheiten irgendwelcher Kadertrainer Glauben zu schenken (ob aus gutem Grund oder Bequemlichkeit sei mal dahingestellt), konnte ich mich nicht dagegen wehren, mich in diesem Umfeld als Kletterer weiterzuentwickeln.

Du hattest einen genialen Sommertrip nach Südafrika letztes Jahr und hast dort in kurzer Zeit jede Menge harte Boulder abgeknipst. Welche Erinnerungen bleiben da vor allem hängen?

Für mich war der Rockland-Trip in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer. Nicht nur weil ich drei tolle Wochen mit Freunden verbringen konnte oder viele Boulder wiederholt habe, von denen ich spätestens seit dem Film „Progression“ geträumt habe. Besonders verbinde ich mit diesem Urlaub das befreiende Gefühl nach dem Abitur, endlich die Zeit zu haben, die ich mir während meiner Schulzeit immer herbeigesehnt habe. Außerdem durfte ich die Bekanntschaft vieler „Kletterstars“ wie Daniel, Nalle, Dave oder Carlo machen, von denen ich früher bestimmt Poster und Autogrammkarten über meinem Bett hängen gehabt hätte, wenn es die gegeben hätte.

 

Jan Hojer - Boulder-Talent
Foto: Udo Neumann Jan "Ungehojer" Hojer demonstriert den Biestmodus am Griffbrett.


Warum lief’s bei dir so gut, was waren für dich die Höhepunkte dort?

In den Rocklands hat sich jede einzelne Session ausgezahlt, die ich je am Campusboard verbracht habe. Der athletische Stil des südafrikanischen Sandsteins kommt meinem Kletterstil sehr entgegen, und die im Vergleich zu Fontainebleau eher simplen Probleme eignen sich hervorragend, um physisch schwere Probleme in vergleichsweise kurzer Zeit abzuhaken.

Für den Film über deine Südafrika-Boulder bist du im Internet auch kritisiert worden. Was sagst du deinen Kritikern?

Bei den 20.000 Leuten, die sich das Video schon angesehen haben, hätte es mich auch sehr gewundert, wenn niemand etwas auszusetzen hätte. Manche finden, dass ich mehr Landschaftsaufnahmen hätte einbauen sollen, andere stören sich daran, dass kein Boulder aus mehr als einer Perspektive gefilmt wurde. Die Erklärung ist eine ganz einfache. Es war nie meine Absicht, einen echten Kletterfilm zu drehen. Ich hatte nur eine Kamera dabei, weil sich viele meiner daheimgebliebenen Freunde dafür interessiert haben, wie ich mich wohl in den ganzen Bouldern anstelle. Als ich dann wieder zurück in Deutschland war, dachte ich, dass ein Teil des Filmmaterials vielleicht auch für andere Leute interessant sein könnte, und so wurden die Begehungen bei ein, zwei Bier zusammengeschnitten und hochgeladen.

(Noch ein imposantes "Urlaubsvideo" gibt's hier: Jan Hojer bouldert in Fontainebleau)

Auf der nächsten Seite: Jan Hojer über Klettern versus Bouldern, seine Ziele 2013 und den Kletterer, mit dem er aus Style-Gründen tauschen würde...

Video: Jan Hojer bouldert "The Island" (FB 8b+) in Fontainebleau

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Klettern in Argentinien: Petzl Roctrip 2012 Foto: La Fouche | Petzl
Klettern in Argentinien: Petzl Roctrip 2012 Foto: La Fouche | Petzl
Klettern in Argentinien: Petzl Roctrip 2012 Foto: La Fouche | Petzl

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19.03.2013
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 02+03/2013/2013