Kletterer und Bergführer Peter Ortner über den Film "a new perspective" und Expeditionen im Karakorum

Profi-Kletterer Peter Ortner erzählt vom Projekt "Eternal Flame" + Video "Tipps für Expeditions-Einsteiger"

Zusammen mit David Lama ist Peter Ortner den Trango Tower im Karakorum geklettert. Im Interview mit klettern.de erzählt er von der Expedition und gibt Tipps zum Klettern im Himalaya.

Fotostrecke: "A new perspective": Impressionen aus Pakistan

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Peter Ortner und David Lama in Pakistan Foto: Corey Rich
Peter Ortner und David Lama in Pakistan Foto: Corey Rich
Peter Ortner und David Lama in Pakistan Foto: Peter Ortner

Free-Solo, Eis- oder Freiklettern in extremen Höhen: Es gibt kaum einen Weg, den der 30-Jährige Osttiroler Peter Ortner nicht beschreitet, um entlegenste Wände zu bezwingen. In dem Film "a new perspective" kletterte er zusammen mit David Lama die Route Eternal Flame im Norden Pakistans.

Anders als Lama hat Peter Ortner seine Wurzeln nicht im Wettkampfklettern. Obwohl er in den Lienzer Dolomiten aufgewachsen ist, kam Ortner erst mit 18 Jahren mit dem Klettern in Berührung. Seitdem führten ihn mehrere Expeditionen durch Europa, Südamerika und Asien.

klettern.de traf Peter Ortner im Rahmen der EOFT und sprach mit ihm über das Projekt am Trango-Tower und die Zusammenarbeit mit David Lama. Außerdem gibt der ausgebildete Ski- und Bergführer wichtige Tipps für Expeditionen im Himalaya, die wir im Video zeigen.

Peter, wie bist Du zum Klettern gekommen?
Ich bin schon als Bub immer in den Bergen gewesen. Nur waren in meinem Freundeskreis keine Kletterer. Erst mit 18 habe ich gemerkt, wie cool Klettern ist. Dann hat es sich stetig entwickelt.

Womit verdienst Du deinen Lebensunterhalt?
Ich bin gelernter Maurer und habe mich schnell selbstständig gemacht als Klettersteig -und Klettergartenerbauer. 2008 habe ich mein Hobby vollständig zum Beruf gemacht und verdiene mein Geld als ausgebildeter Ski- und Bergführer.

Woher kommt Dein Spitzname "Luner"?
Meine Eltern haben einen Hof, auf dem bin ich aufgewachsen. Der Hof heißt Luner-Hof. Vor allem in Osttirol kennt mich kaum jemand als Peter Ortner, sondern als Luner Peter. Das hat sich inzwischen zu einem Problem entwickelt, da die Osttiroler oft nicht wissen, wenn in den Medien von mir gesprochen wird.

Wie hast Du David Lama kennen gelernt?
Das Cerro Torre Projekt ist schon vor einigen Jahren gestartet. Damals war Red Bull auf der Suche nach einem Bergführer, der einen Kameramann auf der Kompressortour führen kann. Sie haben mich gefragt und ich war begeistert von der Idee. Dadurch habe ich den David kennen gelernt. Wir sind von Anfang an gut ausgekommen und waren viel beim Bouldern. Unsere erste Tour war die Bella Vista und von da an sind wir die schweren Touren gemeinsam geklettert.

Video: Peter Ortner im Interview

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Video: Benjamin Linsner

Welche Gemeinsamkeit verbindet Dich und David?
David und ich sind zwei ziemlich ruhige Gemüter. Wir reden nicht so viel und kommen gut damit zu recht, wenn es mal längere Zeit still ist.

... und was unterscheidet Euch?
Vom Können her unterscheiden wir uns ganz klar. Am Fels ist David super stark. Er übernimmt daher meistens den Felsteil. Ich übernehme das Kombinierte, weil da meine Stärken liegen. Somit ergänzen wir uns auch recht gut.

Was unterscheidet die abgelegenen Gebiete, beispielsweise den Himalaya von den Alpen?
Der größte Unterschied ist, dass bei uns fast alles schon gegangen wurde. In Pakistan ist das Gelände großteils unerschlossen. Viele Berge sind unbestiegen oder nicht mal von Kletterern angesehen worden. Das ist der Grund warum man auf Expedition fährt. Es ist ein großer Reiz für einen Alpinisten, wenn man eine unberührte Wand klettern kann.

Was hat Dich in der großen Höhe am meisten behindert?
Am Trango Tower hat mich die dünne Luft am meisten behindert. Es ist sehr anstrengend, schwierige Längen bei wenig Sauerstoff sicher zu klettern. Der Berg ist fast 1.300 Meter höher als der Mont Blanc. Das merkt man deutlich.

Wie viele Leute waren bei der Pakistan-Expedition dabei?
Die Expedition war für mich etwas völlig neues. Normalerweise bin ich viel allein unterwegs. In Pakistan benötigten wir Träger, einen Koch, Guide und das Filmteam. Da hat man schon viele Leute um sich, um so ein Projekt durchzuziehen. Das war eine ungewohnte Situation für mich.

Klettert es sich mit Kamera anders?
Für den Kletterer selbst klettert es sich mit Kamera nicht anders. Es ist nur organisatorisch aufwändiger, dass der Kameramann in der Route mitkommt. Wir haben lang gesucht bis wir einen passenden Kameramann gefunden haben. Corey Rich ist sehr gut in dem Gelände unterwegs und hat uns daher nicht behindert.

Der Film dreht sich hauptsächlich um David Lama. Fühlst Du Dich in einer untergeordneten Rolle präsentiert?
Ich fühle mich überhaupt nicht benachteiligt. Mir geht es bei Projekten in erster Linie um den Berg und nicht um die Rolle im Film.

Welche Entbehrungen waren für Dich am einschneidendsten?
Man stellt sich bei so einer Expedition von Anfang an darauf ein, dass man in der Hygiene eingeschränkt wird. Mann muss sich in einem Gletscherbach waschen, das ist schon sehr erfrischend. Das härteste für mich war, zwei Monate lang nur im Zelt zu hocken. Und man sehnt sich extrem nach einem Bett und einer warmen Dusche. Das war für mich die größte Entbehrung.

Welche positiven Erfahrungen konntet Ihr aus der Expedition gewinnen?
Die Expedition war darauf ausgerichtet, zu schauen, wie wir in der Höhe funktionieren. Das ist uns extrem gut gelungen, da wir festgestellt haben, dass wir in der Höhe keine Probleme haben. Somit konnten wir den Grundstein für weitere Expeditionen legen.

Wie hast Du die Menschen in Pakistan erlebt?
Ich bin mit einem Vorurteil nach Pakistan gereist. Wenn man die Medienberichte in Europa sieht, hat man den Eindruck von viel Gewalt und Unruhen. Aber als wir in Pakistan ankamen, waren die Leute sehr offen und hilfsbereit. Ich war positiv überrascht.

Was spielt außer dem Klettern noch eine Rolle in Deinem Leben?
Auch wenn ich extrem viel klettere, braucht man einen Ausgleich. Zum einen habe ich meine Familie, mit der ich gerne zusammen bin. Und im Winter gehe ich gerne Skitouren. Im Sommer Schwimmen oder Fischen.

In einigen Filmen bist Du bereits zu sehen. Wann kommt Dein erstes Buch?
Ein Buch ist momentan keines in Planung. Aber ich denke, in den nächsten Jahren wird das Thema konkreter werden. Ich lasse mir damit aber noch Zeit, schließlich bin ich ja noch jung.

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Fotostrecke: Bilder - David Lama klettert am Trango Tower, Pakistan

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David Lama besteigt Trango Tower Foto: Mammut Sports Group AG/Red Bull Content Pool
David Lama besteigt Trango Tower Foto: Mammut Sports Group AG/Red Bull Content Pool
David Lama besteigt Trango Tower Foto: Mammut Sports Group AG/Red Bull Content Pool

Fotostrecke: David Lama in Patagonien

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David Lama am Cerro Torre - Eindrücke aus Patagonien Foto: (c)Corey Rich/Red Bull Photofiles
David Lama am Cerro Torre - Eindrücke aus Patagonien Foto: (c)Corey Rich/Red Bull Photofiles
David Lama am Cerro Torre - Eindrücke aus Patagonien Foto: (c)Corey Rich/Red Bull Photofiles
05.05.2013
Autor: Benjamin Linsner
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