Interview mit Extrem-Bergsteiger Ralf Dujmovits

"Entscheidend ist das Durchhaltevermögen" - Extrem-Bergsteiger Ralf Dujmovits im Interview


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Ralf Dujmovits am Lhotse
Foto: Gerlinde Kaltenbrunner

 

Höhenbergsteigen - Ralf Dujmovits
Foto: Ralf Dujmovits

 

Höhenbergsteigen - Ralf Dujmovits
Foto: Ralf Dujmovits

 

Höhenbergsteigen - Ralf Dujmovits
Foto: Ralf Dujmovits

 

Höhenbergsteigen - Ralf Dujmovits
Foto: Ralf Dujmovits
Spitzen-Alpinist Ralf Dujmovits über die Faszination Höhenbergsteigen und das Zusammenspiel von Fokus und Gelassenheit an den großen Bergen der Welt.

Ralf Dujmovits (geboren 1961 in Bühl, Schwarzwald) ist Extrembergsteiger und Bergführer. Er ist der erste Deutsche, der auf den Gipfeln aller 14 Achttausender gestanden hat. Ralf Dujmovits gehört zu den erfolgreichsten und erfahrensten Höhenbergsteigern sowohl in Deutschland als auch weltweit.

Ralf, was ist so faszinierend am Höhenbergsteigen, warum wolltest Du auf alle 14 Achttausender?

Seit meiner ersten Reise mit 19 Jahren zu den 6000ern Südamerikas war ich vom Höhenbergsteigen begeistert. In wilder Umgebung, den Naturgewalten vollgas ausgesetzt und mit grandiosen Tiefblicken unterwegs zu sein entsprach meiner Idealvorstellung vom Bergsteigen. Das Ganze an den allerhöchsten Bergen fort zu setzen war nur eine Frage der Zeit. Dort dann an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit unterwegs zu sein und diese eigenen Grenzen zu verschieben hat einfach Spaß gemacht. Im Alpinstil bei durchwachsenem Wetter durch die Shisha Pangma Südwand zu steigen ist Abenteuer und Gaudi pur. Es kam dann noch die Herausforderung hinzu als Bergführer auch an 8000ern wie dem Nanga Parbat möglichst viele der Gäste oben anschlagen zu sehen und da kamen dann irgendwann eben alle 14 8000er zusammen.

Zum Artikel: Mount Everest - Blick aufs Dach der Welt

Du warst als erster Deutscher auf allen 14 Achttausendern. Was sind die wichtigen "Erfolgsfaktoren" beim Höhenbergsteigen? Wieviel ist Planung, wie wichtig ist die Psyche?

Es ist eine wilde Mischung: Fokussiert-Sein und Gelassenheit gepaart mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein um im richtigen Moment flott unterwegs zu sein. Natürlich gehört eine gute Vorbereitung – sowohl körperlicher als auch mentaler Art – dazu und die Logistik muss stimmen. Entscheidend ist zum Schluss hin aber immer das Durchhaltevermögen – vor allem im Kopf - auch wenn es mal hart wird.

 

Ralf Dujmovits am Lhotse
Foto: Gerlinde Kaltenbrunner Ralf Dujmovits am Lhotse.

Welcher Achttausender war der für dich heikelste? Warum?

Ganz klar die Annapurna I. Dort mussten wir die größten objektiven Gefahren in Kauf nehmen und da kam auch wieder nur eine Alpinstilbegehung in Frage. Zehn Tage Kathmandu – Gipfel – Kathmandu haben gezeigt dass mit guter Planung und Vorakklimatisation auch solche präkären Unternehmungen noch einigermaßen sicher durchgeführt werden können. Wiederholen würde ich das aber nimmer wollen.

Wem würdest du von einem Versuch am Everest abraten?

Allen, die Ihr gesamtes Gepäck nicht selbständig bis zum Ausgangslager für den Gipfel hochtragen können.

Wer oder was inspiriert dich und warum?

Gerlinde (Kaltenbrunner, Anm.d.R) und ihre wenig männliche Herangehensweise ans Höhenbergsteigen haben mich inspiriert und begeistert. Nicht Kampf und Krampf um jeden Preis sondern Naturgenuss und unglaublich fokussiertes Training um bestmöglich vorbereitet am Berg antreten zu können. Und dabei eventuell auch entspannt umkehren zu können.

Zur Newsmeldung: Gerlinde Kaltenbrunner macht mit der Besteigung des K2 ihre 14 Achttausender voll (Bericht & Bilder)

 

Ralf Dujmovits
Foto: Archiv Ralf Dujmovits Ralf Dujmovits war der erste Deutsche, der alle 14 Achttausender bestiegen hat.

Was sind die deutlichsten Veränderungen im Höhenbergsteigen seitdem du deinen ersten 8000er bestiegen hast?

Am stärksten verändert hat sich das Höhenbergsteigen durch präzise Wetterberichte à la Charly Gabl und die gesamte (Satelliten-)Kommunikation. 1994 am K2 wog mein erstes Satelliten-Telefon knapp 30 Kilo. Mit dem wir aber auch nur einen miesen Wetterbericht aus Rawalpindi bekamen, den man gleich wieder in die Tonne treten konnte. Zudem sind inzwischen einige wenige, wirkliche Spezialisten unterwegs, die mit immer spektakuläreren Alpinstilbegehungen an 6- und 7000ern die Messlatte weiter nach oben legen. Die Schere zwischen Hobbybergsteigern, die oftmals an den höchsten Bergen wenig verloren haben, und den echten Spezialisten wird sich weiter öffnen. Ob die Einzelleistungen dann draußen noch verstanden werden, wage ich zu bezweifeln. Genauso wenig wie ein normales Kletterpublikum – geschweige denn ein Durchschnittsmensch – etwas mit dem Unterschied zwischen einer 9a oder 9b anfangen kann, wird es auch beim Höhenbergsteigen immer schwieriger, die Leistungen und das damit verbundene Wagnis zu bewerten.

Welches ist für dich der schönste Achttausender?

Der Nanga Parbat in Pakistan! Egal auf welcher Seite, du stehst in den Basislagern auf grünen Wiesen und musst den Kopf schon ziemlich in den Nacken legen um zum Gipfel zu schauen. Und umgekehrt schaust Du von dort oben 7000 Höhenmeter ins Tal des Indus runter. Das hat unglaublich Power!!

Was motiviert dich jetzt, nachdem Du alle 14 8000er "abgehakt" hast?

Weiterhin „Bergsteigen pur“! Im Laufe der Jahre sind mir einige schöne Linien an hohen 7000ern über den Weg gelaufen. Vielleicht lässt sich da noch die eine oder andere im kleinen Team realisieren.

Ralf, vielen Dank!

Mehr zu Ralf Dujmovits unter ralf-dujmovits.de

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Fotostrecke: Bildband: 2x14 Achttausender von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits

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Impressionen aus dem Bildband 2x14 Achttausender von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits Foto: Archiv Kaltenbrunner & Dujmovits
Impressionen aus dem Bildband 2x14 Achttausender von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits Foto: Archiv Kaltenbrunner & Dujmovits
Impressionen aus dem Bildband 2x14 Achttausender von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits Foto: Archiv Kaltenbrunner & Dujmovits