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Interview: Kilian Fischhuber und Anna Stöhr

"Man sollte einen Sport nicht um 180 Grad drehen..."

Kilian Fischhuber und Anna Stöhr über die Entwicklung über das Klettern als Wettkampfsport und den perfekten Weltcup.

Bilder - Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

Kilian Fischhuber und Anna Stöhr
Foto: Stefan Schlumpf/Red Bull Content Pool
Kilian Fischhuber bei der Europameisterschaft im Bouldern 2010
Foto: Marcos Ferro/Red Bull Content Pool
Anna Stöhr beim Boulderworldcup in Hall
Foto: Heiko Wilhelm

Wie muss man sich das vorstellen als „Sportsoldat“? Habt ihr auch richtigen Dienst?
Anna:
Wir haben zu Beginn ganz normal fünf Wochen den Grundwehrdienst geleistet und jetzt müssen wir von Montag bis Freitag jeden Tag um 7:30 Uhr Meldung in der Kaserne machen. Da sagen wir „Guten Morgen“ und danach haben wir unseren Trainingsplan – bis 16:30 Uhr haben wir quasi Dienst.
Kilian: Wir haben aber auch große Freiheiten. Ab nächster Woche sind wir einen Monat mit Chuck Fryberger in den USA für einen Film unterwegs. Das gilt als Trainingslager, das ist unsere Arbeit. Wenn wir uns dort verletzen sollten, ist das ein Arbeitsunfall.

Hat sich hinsichtlich der Professionalität im Klettern in den letzten Jahren viel verändert?
Anna:
Die besten Kletterer in Österreich können heute vom Klettern leben, das war früher nicht so. Da hat sich extrem viel getan, auch vom Verband. Wir haben einen Physiotherapeuten, der auf allen Weltcups dabei ist, und einen Coach, der alles für uns organisiert. Es ist ziemlich lässig, dass wir diese ganze Entwicklung miterlebt haben. Als ich 2004 erstmals im Weltcup gestartet bin, da sind Kili, Katharina Saurwein, Babsi Bacher und ich allein, ohne Coach und ohne Physio nach China geflogen. Deshalb wissen wir das sehr zu schätzen.
Kilian: Wenn dir nach dem Halbfinale die Schulter weh tut und du weißt, du hast zwei Stunden, um was dagegen zu tun, dann ist das ein Riesenunterschied. Zu sagen, wer die beste Betreuung hat, gewinnt letztlich den Wettbewerb, wäre vielleicht übertrieben, aber das ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor. Ein weiterer Faktor ist, dass wir so ein tolles Team haben.
Anna: Dass wir total gerne zusammen unterwegs sind. Auf einen Weltcup zu fahren, ist immer eine Gaudi. Jeder freut sich auch für den anderen, was nicht selbstverständlich ist.
Kilian: Wir haben auch viel Mitspracherecht. Wenn die Frage ansteht, wohin wir im nächsten Frühjahr ins Trainingslager fahren – Fontainebleau, Tessin oder Sheffield –, dann können wir sagen, wir hätten Lust auf dies oder das. Dann mailen wir uns zusammen, und erst dann wird gebucht.

Wie wird sich der anhaltende Kletterboom in den nächsten Jahren auf das Sponsoring von Profikletterern auswirken?
Anna:
Ich denke schon, dass sich da noch einiges tun wird. Momentan siehst du im Weltcup noch viele Kletterer, die gar keine Sponsoren haben. Ich denke, dass der Trend dahin geht, dass immer mehr Leute Sponsoren finden und davon profitieren. Das ist sehr wichtig, dass nicht nur die absolute Spitze was davon hat.
Kilian: Es wird sehr davon abhängen, wie es mit dem Fernsehen weitergeht. Servus TV plant, nächstes Jahr öfters beim Weltcup dabei zu sein. Das wäre wieder ein gutes Argument für uns. Für die großen Firmen ist es wichtig, dass sie sehen, da geht was voran.

Wie seht ihr die Chancen, dass Klettern und Bouldern 2020 olympisch wird?
Kilian:
Das kann ich schwer beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass die IFSC schwer dahinter her ist, dass es deren größtes Ziel ist. Ob es nicht wichtigere Aufgaben gäbe, sei dahingestellt.

Wieviel hängt davon für die Entwicklung des Kletterns ab?
Anna:
Klar, wenn eine Sportart olympisch ist, sieht alles ganz anders aus. Für mich stellt sich trotzdem die Frage, ob es dem Sport so viel bringt. Man sollte einen Sport nicht um 180 Grad drehen, nur damit er olympisch wird.

Olympia ist weit weg, der letzte Boulder Weltcup 2011 dagegen am Wochenende in München. Anna, bei dir geht‘s wie 2010 um die Wurst. Bist du nervös?
Anna:
Ich denke, dass ich genauso unter Strom stehe wie Akiyo. Das ist ganz normal. Wir wollen beide gewinnen, und die Rechnung ist ganz einfach: Wer in München vorn ist, gewinnt den Gesamt-Weltcup. Die Stärkere soll gewinnen und wird gewinnen – und dann gehen wir wieder gemeinsam ein Bier trinken. Ich bin jedenfalls hochmotiviert, mir dieses Jahr den Titel zu schnappen.

Letztes Jahr warst du ziemlich verärgert über die Boulder in München. Wie muss ein perfekter Weltcup geschraubt sein?
Anna:
Optimalerweise hat der Gewinner vier Tops, der Zweite drei und der Dritte zwei, aber das ist eine Wunschvorstellung. Mir ist klar, dass der Routenbau super schwierig ist. Da hat der internationale Verband auch nicht das Geld, um die Nuancen hinzubekommen. Wenn man immer zwei internationale Routenbauer bezahlen könnte, würde das schon ganz anders aussehen. Für einen ist es extrem schwierig, einen optimalen Wettkampf zu schrauben.
Kilian: Es sollte so sein, dass der Chefroutensetzer vom vorherigen Weltcup beim nächsten mithilft und einer, der beim letzten Weltcup Assistent war, beim nächsten Chefroutensetzer ist. Das garantiert auch keinen perfekten Wettkampf, aber so würden die Routensetzer das Niveau deutlich besser einschätzen können. Es gibt Weltcups, bei denen nur Griffe von einer Firma benutzt werden dürfen oder wo die Wand wackelt wie ein Blatt im Wind. Das sind Standards, die kannst du in Hintertupfingen machen. Solange es so etwas gibt, brauchen wir nicht von „fair“ zu sprechen. Genauso bei den Iso-Zonen. Wir sind noch weit weg von den ganzen Träumen, die da im Raum stehen. Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Weltcups sind riesig!

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