Gerlinde Kaltenbrunner

"Die Stirnlampe bleibt im Rucksack"

Ihr fehlen noch der K2 und der Everest, dann hat sie alle Achttausender bestiegen. Gerlinde Kaltenbrunner über Abenteuer, entschuldbare Fehler und das beste an der Rückkehr.
Gerlinde Kaltenbrunner

Frohnatur mit Power: Gerlinde gehört zur internationalen Bergsteiger-Elite.

Dieses Interview erschien erstmals in outdoor 4/2010.

Auf welche Leistung sind Sie stolz?
Über einige Besteigungen freue ich mich ganz besonders, zum Beispiel die Durchsteigung der Südwand des Shisha Pangma inklusive Überschreitung.

Was verstehen Sie unter Abenteuer?
Wenn ich mich ohne große Vorkenntnisse an einen schwierigen Aufstieg heranwage. Wenn ich nicht weiß, was genau auf mich zukommt, das ist für mich Abenteuer.

An welchem Ort auf dem Globus hat es Ihnen am besten gefallen?
Es gibt so viele Plätze, an denen es mir unbeschreiblich gut gefallen hat! Einige Berge wie der Nanga Parbat faszinieren mich besonders. Nicht nur wegen der Form des Gipfels. Das Basislager ist wunderschön gelegen, inmitten einer Wiese. Oder auch ein Biwakplatz an der Cesen-Route am K2 auf 7100 Meter Höhe.

Welche Situation war für Sie die gefährlichste von allen?
Der Lawinenabgang auf 6400 Meter am Dhaulagiri, das war im Jahr 2007. Ich saß im Zelt, als mich ohne jede Vorwarnung ein Schneebrett erfasste. Glücklicherweise konnte ich mich aus der Lawine befreien. Für zwei spanische Bergsteiger kam meine Hilfe aber leider zu spät.

Auf welches Ausrüstungsstück würden Sie unterwegs nie verzichten?
Die Stirnlampe und ein Verbandspaket bleiben das ganze Jahr über im Rucksack. Auf Expedition habe ich unter anderem immer ein Seil, ein Messer, Sonnenschutz, den Kocher, Gas und Feuerzeug dabei.

"Ich freue mich auf die heiße Dusche"

Mit wem würden Sie gerne einmal auf Tour gehen?
Mit meinem Mann Ralf bin ich am liebsten unterwegs. Am Lhotse durfte ich mit ihm die letzten Meter zum Gipfel seines vierzehnten Achttausenders aufsteigen. Das war ein unvergesslicher Moment.

Wonach sehnen Sie sich am meisten, wenn Sie zurückkehren?
Am meisten freue ich mich auf eine heiße Dusche, frisches Obst und Gemüse.

Wo möchten Sie leben?
In Bühl im Schwarzwald, wo ich jetzt zu Hause bin und mich sehr wohlfühle. Die Weinberge sind ideal zum Mountainbiken und für lange Ausdauerläufe. Außerdem haben wir es von dort aus nicht weit in die Schweizer Berge und die Westalpen.

Welchen Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Zu spät kommen.

Ich möchte unbedingt einmal …
… in die Antarktis. Oder auf die vielen unbestiegenen Sechs- und Siebentausender.

Ihr Motto?
Außergewöhnliches passiert nur auf holprigen Wegen.

Auszug aus einem Portrait vom ORF




In Kürze

Die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner wurde am 13. Dezember 1970 in Krems geboren. Seit ihrer Besteigung des Nanga Parbat im Jahr 2003 lebt die gelernte Krankenschwester vom Bergsteigen. Sie ist mit Ralf Dujmovits verheiratet, dem ersten Deutschen, der auf allen Achttausendern stand.

12.04.2010
© outdoor