Free Solo Klettern

"Ich klettere gerne barfuß, aber nicht grundsätzlich"

Andreas Proft hat barfuß und free solo 8b geklettert. Wir haben ihm ein paar Fragen zu diesem haarsträubenden Unterfangen gestellt.

Ende November 2010 hat Andreas Proft sein Projekt abgehakt. Eigentlich hatte er die Route in Bernia an der Costa Blanca schon vor zwei Jahren geklettert. Doch diesmal kletterte er The First and Last (8b) ohne Kletterschuhe und ohne Seil.

Wie hast Du Dich auf die Begehung vorbereitet?
Ich hatte The First and Last schon vor zwei Jahren geklettert und damals zwei Wochen benötigt. Zwischendurch musste ich mal Pause machen, weil einige Fingerklemmer sind echt gemein und verschleißend sind... dieses Mal verbrachte ich vier Wochen mit der Route, habe Bewegungsabläufe trainiert, und bin mit nur zwei Exen geklettert, um die Nerven zu trainieren. Seit September habe ich Diät gehalten und - zum ersten Mal - gezieltes Konditionstraining gemacht: Die Route pumpt und man darf kurz vorm Umlenker nicht ausgelaugt sein.

Video: "The First and Last" (8b) free solo & barfuß




 

Andreas Proft barfuß free solo Bernia Calpe
Foto: Archiv Proft Andreas bei der barfuß free solo Begehung.

Und dann hast Du sie geklettert...
Es sollte eigentlich ein Winterprojekt werden, aber nach einem Monat des Übens wurde mir der nervliche Druck zu groß. Ich schlief schlecht und war gestresst, hatte auch Angst. 8b ist mein Limit, da kann man nicht mehr von völlig kontrolliertem Klettern sprechen. Also kletterte ich die Route schon Ende November, um es hinter mich zu bringen.

Warum hast Du die Aktion denn trotz Angst und Stress durchgezogen?
Ich hatte bereits so viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt, dass ich nicht aufhören konnte - wir waren ja extra wegen der Route nach Spanien gefahren. Ich wusste aber bis zum Schluss nicht, ob ich es wirklich machen würde. Nach dem Riss konnte ich nicht mehr abklettern, das hatte ich mal mit Seil versucht. Jetzt, im Nachhinein, kann ich wirklich nicht mehr sagen, warum ich so besessen war. Ich merke aber, das meine Zeit für so was Schweres abläuft. Vor zwei Jahren hatte ich noch 8a onsight geschafft, dieses Jahr noch nicht. Das wird also der Höhepunkt meiner Kletterzeit gewesen sein...

Warum kletterst Du barfuß, und machst Du das immer oder nur manchmal?
Das fing 2005 als Spielerei an, die einfachen Routen, die meine Frau mochte, wurden dadurch anspruchsvoller. Dann fing es an, mir Spaß zu machen - und ich mochte die Aufmerksamkeit (grinst). Ich klettere gerne barfuß, aber nicht grundsätzlich.

 

Andreas Proft
Foto: Djarmila Proft Klettert auch mit Seil: Andreas Proft.

Unter welchen Umständen würdest Du nicht barfuß klettern?
Wenn es zu kalt ist, die Route zu schwer ist oder Sturzgefahr in gefährlichem Sturzgelände besteht. Außerdem bei Magnesiaverbot.

Inwieweit prägen Dich sächsische Ethik und Traditionen?
Überhaupt nicht!

Was denkst Du über Chalk?
Ich kann nicht gut ohne, benutze Chalk auch an den Füßen.

Wo trifft man Dich häufig an?
Im Sommer im Elbsandstein, sonst sind wir unterwegs.

Was motiviert Dich?
Im Moment nichts. Wir sind im Dezember kein einziges Mal geklettert. Außerdem fühle ich diese Leere, nach Monaten des "Für-ein-Projekt-Lebens". Ich habe hart trainiert, Diät gehalten und weiß, dass ich nichts Schwereres schaffen werde. Die Zeit ist da gegen mich. Normalerweise aber motiviert mich das Gefühl, etwas gut zu können, in Verbindung mit Leben und Reisen im Bus. Was mich bei meinem Projekt motiviert hat? Ich glaube es ist die schwerste Barfuss free solo Begehung, die je gemacht wurde, das hat mich motiviert. Es könnte aber auch meine Art gewesen sein, mit der Midlifecrisis umzugehen (grinst).

Andreas Proft (38) kommt aus Sachsen und reist vornehmlich mit seinem Bus durch Europa. Der Lebenskünstler klettert seit 1995. Er ist verheiratet. Mittlerweile klettert er wieder.

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