Fred Nicole

5 Fragen an Fred Nicole

Foto: Steffen Kern Fred Nicole in Chakijana 8B/C, Rocklands, ZA
Der Boulderer Fred Nicole hat die Rocklands entdeckt und hat weltweit wegweisende Boulder erstbegangen. Sein Einfluss ist aus der Boulderszene nicht mehr wegzudenken. 5 Fragen an Fred.

Vor 20 Jahren war er einer der Entdecker der Rocklands, seither hat er die Entwicklung des Boulderparadieses in Südafrika geprägt. Wir haben Fred Nicole vor Ort getroffen.

Wie seid ihr 1996 auf die Rocklands gekommen?

Durch Todd Skinner. 1995 waren wir zusammen in Hueco Tanks bouldern. Er war einmal zum Routen eröffnen in den Rocklands gewesen und erzählte von den unendlich vielen Blöcken hier. Ein Jahr später sind wir zusammen hergekommen. Und seither komme ich immer wieder. Es ist nicht nur wegen des unendlichen Kletterpotenzials, mir gefällt auch der Ort sehr gut. Ich bin sehr gerne hier! Und wenn du seit 20 Jahren in ein Gebiet kommst, fängst du an, Wurzeln zu schlagen.

Am letzten Tag eurer Reise hast du gerade noch ein Projekt geschafft. Gratulation!

Danke! Ja, das ist eine neue Linie am Stalker-Block im Rhino-Sektor. Auf unserer letzten Reise habe ich begonnen, sie zu probieren, und jetzt hat‘s geklappt. Es ist sehr schwer, 8B Richtung 8C. Ich habe aber noch so viele Projekte, und fast jedesmal, wenn ich herumgehe, finde ich neue.

Hat sich dein Zugang zum Bouldern in Südafrika über die Jahre verändert??

Nein, eigentlich nicht. Ich bin immer noch in den Rocklands und suche tolle Linien, die eine Anziehung auf mich ausüben. Da geht es nicht nur um den Grad. Es soll vor allem eine schöne Linie sein – egal, ob eine Erstbegehung oder ein Boulder von einem anderen Kletterer.

Was macht die Faszination der Rocklands für dich aus??

Es ist wild, es bleibt wild für mich, auch wenn viele Leute hier bouldern. Es gibt immer noch Paviane und Leoparden, es ist etwas ganz anderes als Europa. Die Rocklands haben etwas einzigartiges, sei es vom Fels, vom Licht, vom Wind, einfach vom gesamten Charakter. Dieser Ort ist ein Stück Heimat für mich geworden.

Es läuft also alles gut in den Rocklands?

Ich denke, es läuft recht gut. Es ist ein kletterspezifischer Tourismusbereich entstanden, viele Menschen leben während der Saison davon. Natürlich gibt es negative Auswirkungen auf die Umwelt. Mehr Wege, mehr Erosion und leider auch Müll. Die Vegetation ist extrem empfindlich und angesichts des Klimawandels sind die Prognosen für die Gegend sehr schlecht. Wenn es so weiter geht, droht in 20 Jahren eine Verwüstung wie in Namibia. Deshalb sollten die Boulderer sorgsam mit der Vegetation umgehen, auf den Pfaden bleiben und Sträucher und Bäume nicht beschädigen. Hier geht alles viel langsamer, selbst die kleinsten Bäume brauchen 100 Jahre zum Wachsen. Und es wird immer trockener ...

Foto: Steffen Kern Fred Nicole

Lebende Legende der Boulderszene: Fred Nicole.

Living Legend: Fred Nicole

Fred Nicole (46) treibt seit 25 Jahren das Bouldergeschehen voran. Die weltweit erste 8B, die erste 8B+ und die erste 8C gehen auf sein Konto. In den Rocklands stammen hunderte Erstbegehungen von ihm, auch in Hueco Tanks, Fontainebleau, im Tessin und anderswo auf der Welt gelangen ihm zahlreiche Marksteine des Bouldersports.

Bouldergebiet der Extraklasse: Rocklands in Südafrika
Die Rocklands befinden sich etwa 250 Kilometer nördlich von Kapstadt in den Cederberg Mountains. Die Gebiete erstrecken sich nordöstlich des Städtchens Clanwilliam auf beiden Seiten des Pakhuis-Passes. Gebouldert wird an farbenprächtigem Quartzit und Sandstein, teils üppig strukturiert, teils sehr glatt. Die Gebiete befinden sich auf Privatgrund oder „Cape Nature“-Land, ein kostenpflichtiges Permit ist nötig. Eine Neuauflage von Scott Noys Führer soll zur nächsten Saison erscheinen.

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21.12.2016
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 08/2016