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Der niederländische Bleausard - Bart van Raaij

Der niederländische Bleausard - Bart van Raaij

Bart van Raaij ist einer der besten Kenner von Fontainebleau. Was ihn motiviert und was seinen Bleauführer 7+8 so erfolgreich macht, erklärt er im Interview.


Bart van Raaij Close-up
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Bart van Raaij hat gezeigt, wie ansprechend und präzise zugleich ein Topoführer sein kann.
Foto: Dennis Teijsse

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Bouldern, Fontainebleau

Interview von Joël Chabert

Würdest du dich kurz vorstellen und erklären, was Bleau für dich bedeutet?

In Fontainebleau fühle ich mich mehr zu Hause als in Rotterdam, wo ich lebe und arbeite. In Rotterdam weiß ich, wo ich meine zwei Kinder (2 und 5) zur Schule bringe, wo ich meine Grafik-Arbeiten zum Druck bringe, wo die Kletterhalle ist und wo ich mit meiner Partnerin Irma Bergmans zum besten Kaffee der Stadt oder zum Essen gehe. Im Wald von Fontainebleau und drumherum kenne ich fast jede Straße, jeden Weg und Pfad, die zu den Felsen führen.

Meine ersten Boulder in Fontainebleau habe ich 1988 gemacht und bei meinem dritten Besuch in 1992 gelang mir La Vie d'Ange, mein erstes Problem im siebten Grad. Ich war so stolz! Zu der Zeit habe ich Routen geklettert und erst 1997 begann ich, das Bouldern selbst zu mögen. 1998 kletterte ich den Klassiker, von dem ich seit meinem ersten Besuch geträumt hatte: l'Aérodynamite (7b+). Ich fand heraus, dass das Klettern schwerer Boulderprobleme mir viel besser lag als schwere Routen zu klettern. Vor allem macht mir das Bouldern viel mehr Spaß als das Routenklettern.

Von da an bin ich über 125 mal nach Bleau gefahren und habe habe die meisten großen Bouldergebiete der Welt besucht. Obwohl viele davon großartig sind, komme ich immer noch am liebsten zum größten und vielseitigsten Gebiet von allen zurück: Fontainebleau.

Bart van Raaij beim Ergänzen seiner Liste in Apremont.
Foto: Irma Bergmans

"Ich selbst habe mein Buch gar nicht benutzt"

Wie bist du auf die Idee gekommen, den 7+8 Topo zu machen?

Im Jahr 2000 hatte ich alle Parcours in Bas Cuvier und die besten roten Parcours in anderen Gebieten gemacht. Von da an konzentrierte ich mich auf schwere Probleme. Meistens vergesse ich, mich aufzuwärmen und nach ein oder zwei leichten Bouldern fange ich an, Probleme im siebten Grad zu klettern, oder zu versuchen. Im gleichen Jahr machte ich meinen 100sten Boulder im Grad 7 der Fontainebleau-Skala und was mir wirklich fehlte, war eine komplette und korrekte Liste der Boulder im siebten und achten Grad. Der britische Führer von Stephen Gough war nicht mehr aktuell, der violette Führer von Jacky und Jo war eine gute Ergänzung, aber auch nicht komplett. Ich fand die Webseite von Eric Lucas, 7ableau, und benutzte seine Aufstellung als Grundlage, um eine eigene Liste zu machen - mit allen möglichen Projekten und Zukunftsträumen. Ich kaufte alle verfügbaren Führer und bearbeitete meine Liste, bis sie komplett und so genau wie möglich war. Dann begannen verschiedene Kletterer, mich nach der Liste zu fragen und ob sie eine Kopie haben könnten, und so kam mir die Idee, einen Führer daraus zu machen. Warum nicht verbinden, was ich am liebsten mache? Bouldern, Grafikdesign, Fotografie, Kartenzeichnen, mit Freunden Spaß haben, und mein eigenes Buch machen? Im Februar 2001 machte ich den Test, ob ich in der Lage wäre, alle Gebiete zu zeichnen. Ich sammelte alle Topos von Apremont (Est), die ich besaß, und mit meiner Liste und Bernard Kroes machte ich mich auf ins Gebiet, um meine eigene Zeichnung anzufertigen. Mein Ziel war, den Topo für dieses komplexe Gebiet an einem Tag zu vollenden. Ich hatte allein sechs unterschiedliche Beschreibungen, wie man zu Onde de Choc gelangen sollte! Doch gerade bevor es dunkel wurde, hatte ich alle Blöcke und Boulder gezeichnet. Das überzeugte mich, dass es von der Zeit her möglich wäre, einen Führer von allen Gebieten in Fontainebleau zu machen.

Alle folgenden Reisen nach Bleau verbrachte ich damit, den Topoführer zu vervollständigen. Das Projekt brachte mich und meine Freunde zu allen Bouldern im siebten und achten Grad, von denen ich wusste. Wir entdeckten wundervolle Orte, die wir nie zuvor gesehen hatten und kletterten die meiste Zeit für das Buch: Boulder, die gecheckt werden mussten und Probleme, von denen ich ein Foto brauchte. Als diese Arbeit beendet war, bot Frank Bogermann an, die Hälfte der Druckkosten zu bezahlen und das mache es möglich, das Buch in den Druck zu geben. Die erste Ausgabe war ein großer Erfolg und ich verkaufte alle Führer innerhalb von drei Jahren. Eine Menge positiver Rückmeldungen aus aller Welt kam an. Mein persönliches Projekt war ein internationaler Erfolg geworden und wir holten unser investiertes Geld wieder rein. Es ist so ein tolles Gefühl, wenn Leute deine Arbeit gut finden und schätzen. Und als Grafikdesigner war es großartig, dass die Leute auch das Design und die Qualität der Topos und Karten gut fanden. Ich selbst habe mein Buch gar nicht benutzt. Ich habe weiter an meiner Liste gearbeitet, an den Karten und Topos, und ich bin immer mit meinem "Workbook" unterwegs in Bleau. Der Führer war 2005 ausverkauft, aber die Leute haben weiter nachgefragt und die Läden hörten nicht auf, ihn zu bestellen. Daher ist mir die Entscheidung, das Buch neu aufzulegen, sehr leicht gefallen.

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Bart van Raaij in "Soirée Brésilienne" (7b) in Franchard Cuisinière.
Foto: Dennis Teijsse

"Ich habe meinen Topo aus Leidenschaft gemacht"

Warum der siebte Grad und schwerer?
Das Klettern im siebten Grad und darüber bereitet mir Freude. Auch das stundenlange Laufen um ein einziges großartiges Boulderproblem im siebten Grad zu finden, finde ich nicht anstrengend. Manchmal stehe ich früh auf und wandere in entfernten Teilen des Waldes herum, um nur einen Block mit zwei Problemen zu finden. Ich weiß, dass nicht viele Kletterer sich dazu entschließen, diese nahezu unfindbaren Boulder zu klettern. Ich habe einen Großteil meiner Zeit damit verbracht, die Unbekannten zu finden. Aber ich möchte einen kompletten Führer haben und den Boulderern zeigen, dass es mehr gibt als Bas Cuvier.

Ich kann sehr glücklich sein, wenn ich unter einem endlich gefundenen Boulder sitze. Ich genieße die Ruhe, die Aussicht, und dass mein Buch wieder ein bisschen genauer und kompletter ist. Manchmal laufe ich den ganzen Weg zurück zum Gebiet, wo meine Freunde sind, weil ich auch klettern will. Jetzt, da ich alle schweren Boulder gesehen habe weiß ich, welche ich wirklich machen möchte. Ich habe meinen Topo aus Leidenschaft gemacht und nicht aus kommerziellen Beweggründen. Deshalb ist in diesem Führer, was ich in einem Führer haben möchte; eine vollständige Auflistung der schweren Boulder und wo sie sind und wie man sie klettern kann. Keine touristischen Informationen, keine Traversen, keine Parcours. Es wäre unmöglich, einen kompletten und korrekten Führer mit allen Bouldern aller Grade zu machen. Vielleicht später, wenn ich 8a nicht mehr klettern kann, werde ich 6+7 veröffentlichen oder gar 5+6. Im Moment interessiert mich die Recherche aller Probleme im sechsten Grad nicht, obwohl das kommerziell gesehen weit interessanter wäre!

Was hat sich in der neuen Auflage geändert?
Die erste Auflage (2002) war beliebt, und ich habe nicht viele Beschwerden bekommen, was das allgemeine Aussehen und den Aufbau angeht. Deshalb ist die zweite Auflage (2007) nicht mehr als eine aktualisierte Version. Ich habe alle Gebiete erneut besucht, um Korrekturen vorzunehmen und neue Boulderprobleme hinzuzufügen. Die Karten zu aktualisieren war auch viel Arbeit. Ortschaften sind gewachsen und Straßennumerierungen haben sich geändert, Kreisverkehre sind hinzugekommen und Wandermarkierungen sind verschwunden. Ich habe fast 30 Gebiete hinzugefügt und fast alle Fotos sind neu. Ich bin außerdem stolz, soviele Kletterinnen auf den Bildern zu haben.
Einige Dinge habe ich geändert: Es gibt nun auf den Seiten links unten eine Gebietsangabe, damit man sich noch besser zurechtfindet im Buch. Die Sterne habe ich verändert, weil man die Abstufungen schlecht auseinanderhalten konnte. Hinzugefügt habe ich Umweltschutzinformationen zu gewissen Gebieten und eine Liste von 34 Traversen. Auch äußerlich hat es einige Veränderungen gegeben: Eine neues Papier, das eine bessere Fotoqualität bietet und ökologischer ist, der Plastikeinband sieht anders aus und ich habe aus praktischen Erwägungen ein Lesezeichen hinzugefügt. Etwas enttäuscht bin ich, dass einige Fotos so dunkel abgebildet sind. Beim ersten Führer waren einige zu hell geworden.

Französische Version des Interviews auf www.grimporama.com

Englische Version des Interviews auf www.grimporama.com

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Autor: Joël Chabert / Übersetzung Sarah Burmester

© klettern

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