Daila Ojeda im Interview

"Mir macht das Projektieren mehr Spaß als der Durchstieg"

Daila Ojeda
Foto: Reini Fichtinger
Daila Ojeda gehört zu den stärksten spanischen Kletterern. Im Gespräch lüftet Annika Müller das Erfolgsgeheimnis der 29-Jährigen.

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Die kleine zierliche Frau mit den blitzenden dunklen Augen, die mir das Gartentor öffnet, muss sich hinter ihrem umfeierten Lebenspartner Chris Sharma nicht verstecken. Sie ist eine der wenigen Frauen, die am Fels im Schwierigkeitsgrad 8c klettert: Mit Fish Eye und T1-full equip in Oliana sowie Aitzol in Margalef gelangen ihr im letzten Jahr drei solcher Routen. Ojeda ist auf den Kanaren geboren und aufgewachsen. Mit Sharma zusammen lebt sie in Sant Llorenç in der katalanischen Provinz Lleida.

Du hast im vergangenen Jahr drei 8c-Routen abgehakt und im März Dein erstes großes Projekt für 2011, Paper Mullat (8b+/c) in Oliana, abgeschlossen. Bist Du zufrieden mit Deiner Leistung?
Ich bin immer mit mir selbst zufrieden, denn ich investiere alle meine Energie und versuche, alles so gut zu machen wie möglich. Am Schluss kann darum nur ein positives Ergebnis herauskommen: Nämlich das Bewusstsein, alles aus mir herausgeholt zu haben. Dabei denke ich nicht über Schwierigkeitsgrade nach.

Du hast lange mit der Route Paper Mullat (8b+/8c) in Oliana gekämpft und dann konntest Du sie plötzlich mit scheinbarer Leichtigkeit knacken. Wie kam’s?
Es ist eine extrem Boulder-lastige Route und bei diesen Routen weiß man eben nie. Es gibt einen extrem schweren Zug und ich wusste, wenn ich den schaffe, habe ich den Durchstieg sicher. Im letzten Jahr habe ich es ohnehin ehrlich gesagt nur halbherzig versucht. Schließlich stand Weihnachten kurz vor der Tür, als ich die Route erstmals probierte, und ich hatte gerade zwei Projekte - Aitzol (8c) und T1-Full Equip (8c) - geklettert. Da waren Energie und Motivation ein wenig aufgebraucht. Jetzt hat alles gestimmt. Zudem begleitet mich etwas, das ich „Glück der Kamera“ nenne – diesmal war es wieder so, dass mir der Durchstieg bei Filmarbeiten von Chuck Fryberger gelang.

 

Daila Ojeda klettert in Oliana
Foto: Reini Fichtinger Daila klettert in Oliana.

Hast Du schon konkrete Projekte für dieses Jahr?
Ich würde gerne mein erprobtes Niveau noch ein bisschen ausbauen und zum Beispiel eine 8c+ ausprobieren. Ich habe mir in Oliana schon eine ausgeguckt. Mal sehen wie sie sich anlässt.

Wie muss eine Route beschaffen sein, um Dich zu motivieren?
Sie muss mir ins Auge springen. Sie muss ästhetisch sein, mich herausfordern und mich nicht bei den ersten Versuchen gleich zufrieden stellen. Mir gefallen vor allem lange Routen, für die man viel Zeit braucht.

Was war die anspruchsvollste Route, die Du bislang geklettert bist?
Fish eye, meine erste 8c. Das war eindeutig die härteste Route, die ich bislang durchgestiegen bin. Sie gilt als eine sehr schwere 8c und erfordert höchste Konzentration bis zum letzten Haken, wo dann noch ein wirklich seltsamer Zug kommt – „seltsam“ sage ich jetzt nur, um keine Schimpfwörter zu verwenden, die wohl eher zutreffen würden (lacht).

 

Daila Ojeda
Foto: Annika Müller Beim Kletterfestival wird auch schon einmal nachts gebouldert.

Kannst Du Routen genießen, auch wenn Du an ihnen scheiterst?
Selbstverständlich! Ich liebe es, richtig schwierige Routen zu versuchen. Ehrlich gesagt macht mir das Ausprobieren sogar mehr Spaß als der eigentliche Durchstieg. Auch wenn ich immer und immer wieder herausfalle, kann ich mir doch wenigstens die ganze Zeit einbilden, kurz vor dem Durchstieg einer wirklich schwere Route zu stehen.

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19.04.2011
Autor: Annika Müller
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