Bouldern im Himalaya: Bernd Zangerl im Interview (+ Bilder)

Bouldern im Himalaya: Bernd Zangerl im Interview (+ Bilder)


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Bernd Zangerl bouldert im Himalaya
Foto: Ray Demski / Red Bull Content Pool

 

Bernd Zangerl bouldert im Himalaya
Foto: Ray Demski / Red Bull Content Pool

 

Bernd Zangerl bouldert im Himalaya
Foto: Ray Demski / Red Bull Content Pool

 

Bernd Zangerl bouldert im Himalaya
Foto: Ray Demski / Red Bull Content Pool

 

Bernd Zangerl bouldert im Himalaya
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Neue Boulder zu finden und zu klettern ist Bernd Zangerls Lieblingsbeschäftigung. Im Herbst 2012 reiste er dafür in den indischen Himalaya. Hier gibt's Bilder und ein Interview vom Abenteuer.

Der Tiroler Bernd Zangerl zählt zu den besten Boulderern der Welt. Seine Spezialität sind unmöglich scheinende Züge und das Erstbegehen von extraharten Bouldern. Auf sein Konto gehen zum Beispiel 'Anam Cara' oder 'Memento'. Im Herbst 2012 war der 35-jährige Bernd Zangerl ins Himalaya-Gebirge gereist, um dort frische Boulder zu finden und zu klettern.

Was hat dich an Indien am meisten fasziniert?
Dieser Subkontinent mit an die 1,3 Milliarden Einwohnern ist wie eine eigene Welt, mit vielen Kontrasten und Widersprüchen. Ich habe das Land kennen und lieben gelernt, weil die Menschen so freundlich und offenherzig sind. Man bekommt den Eindruck, dass sie frei von jeglichen Vorurteilen sind und jedem Lebewesen seinen Platz auf dieser Welt zugestehen.

Du warst zum Bouldern im Norden Indiens, im Himalaya unterwegs – in einer Gegend, die nur spärlich besiedelt ist. Wie kam es dazu?
Das Himalaya-Gebirge hat mich schon immer in seinen Bann gezogen. Seit meiner Kindheit haben sich tausende Bilder und Geschichten in meinem Gedächtnis angesammelt und ich wollte das größte Gebirge der Welt schon immer mit meinen eigenen Augen sehen, meine eigenen Geschichten erleben. Die vereisten Gipfel der 8000er, überfüllte Base-Camps oder Schlange stehen am höchsten Berg der Welt interessierten mich allerdings eher wenig. Ich wollte den Himalaya abseits der touristischen Trampelpfade erleben, die Menschen und deren Kultur und das Leben in dieser rauen Umgebung kennenlernen – und selbstverständlich wollte ich Boulder-Blöcke finden (lacht).

Wo war eure Unterkunft?
Wir waren in einem kleinen Dorf auf 3000 Metern Höhe – über uns ragten die fast 7000 Meter hohen Gipfelmassive des westlichen Himalaya-Gebirges. Das Ambiente, die Natur, die Menschen die in dieser Umgebung leben, die Ruhe und Motivation die ich dort fand, haben jeden Tag zu etwas Besonderem gemacht.

Wie waren die Boulder-Spots?
Ich habe ein Gebiet mit vielen Boulder-Möglichkeiten gefunden: perfekter Fels, verrückte Formationen und eine große Anzahl von utopische Projekten. Wer als Erster so einen Spot entdeckt, kann sich ja die schönsten Linien aussuchen – Entdeckerbonus sozusagen (lacht). Es ist schön, wenn nach fast 20 Jahren am Fels diese Faszination, dieses elektrisierende Gefühl noch immer da ist und einen weitertreibt. Mich überkommt eine nervöse Neugierde, wenn ich mich auf die Suche nach den besten Linien mache.

Was war rückblickend dein absolutes Highlight der Reise?
Klettertechnisch gesehen war es eine der erfolgreichsten Reisen, die ich je unternommen habe: ein motiviertes Team, perfekte Bedingungen und ich war in Topform. Die Boulders Godless heavy Blanket und Extra long - Extra strong waren sicher die Höhepunkte des Trips, neben einigen anderen, kühnen Highballs. Absolutes Highlight war aber, dass das ganze Team glücklich, gesund und ohne Verletzungen die Heimreise antreten konnte.

Indiens Straßen, vor allem im Norden, sind ja nicht gerade für Sicherheit bekannt. Gab es deshalb logistische Schwierigkeiten?
Das Reisen in Indien, vor allem in den abgelegenen Gebirgstälern des Himalaya ist immer ein Abenteuer und „part of the game“. Die schmalen Straßen sind bei schlechtem Wetter schwer passierbar und gefährlich. Und leider passieren immer wieder Unfälle, wo Menschen tödlich verunglücken. Wir hatten zum Glück keine Probleme, aber bei jeder Reise in Indien sollte man mit logistischen Schwierigkeiten rechnen (lacht) – was auch schon mal bedeuten kann, ein paar Tage festzusitzen.

Gibt es in Indien eine starke lokale Kletterszene?
Nein, zumindest nicht in den Regionen, wo ich mit meinen Freunden unterwegs war. Für die Einheimischen dieser Bergdörfer sind die Berge Lebensraum und Orte der Mythologie – Freizeitgestaltung oder sogenannter Outdoor-Sport im westlichen Sinn sind dort kein Thema. Klettern entwickelt sich aber an Orten mit starkem Wirtschaftswachstum wie Mumbai, Pune oder Bangalore. Regionen wie der Himalaya oder Karnataka ziehen aber hauptsächlich ausländische Touristen an. Die Entwicklung steckt also noch in den Kinderschuhen, das Potential aber ist riesig.

Die indische Küche ist bekannt für scharfe Gerichte. Hast du da Erfahrungen gemacht?
Ich liebe sie! Im Norden, also in den buddhistischen Regionen gibt es vorwiegend hervorragende, vegetarische Speisen. Die Schärfe gehört dazu und ist nicht so schlimm, wie man immer denkt und hört. Die Sachen, die wirklich „spicy“ sind, findet man außerdem eher in Süden – ich habe also keine schlechten Erfahrungen gemacht (lacht).


Was sind deine nächsten großen Projekte?

Im Moment arbeite ich ich an einer schwereren Erstbegehung in der Schweiz. Danach warten Projekte in Italien und Norwegen – aber vielleicht zieht es mich auch bald wieder in ferne Länder.

Danke Bernd!

Weitere Infos zu Bernd gibt's unter www.berndzangerl.com



Das Interview wurde geführt von Red Bull

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22.04.2013
Autor: Red Bull / Burmester
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