Adam Ondra Interview nach "La Dura Dura" (9b+)

Adam Ondra über "La Dura Dura" (9b+) - Interview

Adam Ondra in der Crux von La Dura Dura 9b+ Oliana
Foto: Bernardo Gimenez
In diesem Interview erklärt Adam, warum er so viele Kletterschuhe für La Dura Dura gebraucht hat und wie es im Inneren von Adam Ondra aussieht, wenn er klettert.

Am 7. Februar 2013 gelang Adam Ondra der Durchstieg von 'La Dura Dura' in Oliana (Katalonien), ein Projekt, das Chris Sharma eingebohrt und dann freigegeben hatte. Wir haben Adam kurz darauf ein paar Fragen gestellt. Nur wenige Tage später scheiterte er ganz knapp im Onsight einer 9a in Cuenca (Video).


Adam, Du hast La Dura Dura lange probiert; insgesamt neun Wochen, hast Du gesagt. Wie war das und wie hast Du Deine Motivation aufrecht erhalten? Warum hat es so lange gedauert?

Also anfangs hatte ich nicht gedacht, dass es so lange dauern würde. Die Route hat sich abgefahren angefühlt, aber ich habe alle Züge hinbekommen und dachte es sei möglich, die Tour in ein paar Wochen zu klettern. Aber meine übliche Rechnung ist nicht aufgegangen mit einem so harten Projekt. Nach zwei Wochen des Probierens habe ich keinerlei Fortschritte gemacht. Es gab fast kein Potenzial für Verbesserungen: Meine Muskulatur hat die Bewegungen perfekt verinnerlicht, ich bin sehr effizient geklettert, aber ich konnte sie immer noch nicht durchsteigen. Ich war ganz einfach nicht stark genug. Also bin ich zurück nach Hause und habe trainiert.
Als ich zurückkam, hat es sich schon etwas besser angefühlt, aber es war immer noch nicht genug, ich konnte La Dura Dura immer noch nicht klettern. Und so ging das weiter bis Januar-Februar, da war ich endlich stark genug. Motivationsprobleme hatte ich nicht, ich war viel zu tief in dem Prozess drin, um aufzugeben. Ich wusste es. Es gab kein Zurück. Und es hat geholfen, dass die Route nicht um die Ecke ist, sondern dass ich 2000 Kilometer weit hinreisen musste. Beim Training zu Hause dachte ich an das Biest. Jedes Mal beim Wiederkehren hatte ich das Gefühl, ich platze vor Motivation.

Gegen Ende konntest Du den Durchstieg absehen, Du hast ihn fast auf den Tag genau angekündigt. Woher wusstest Du, dass es jetzt bald klappt?

Dieses Mal habe ich mich gleich an den ersten Tagen in der Route ganz gut gefühlt. Der Flow war noch nicht da, aber ich habe mich stark gefühlt. Und ich wusste, dass der Flow sich irgendwann einstellen wird. Das war dann auch so - auf einmal bin ich durch den ersten Teil von La Dura Dura durchgeklettert und nur knapp unter der Kelle gefallen. Da war ich mir noch nicht sicher, dass es bald klappt oder ob das nur Glück war und es noch einmal zwei Wochen dauern würde, bis ich wieder über den ersten Teil klettern könnte. Aber dann bin ich im nächsten Versuch wieder ziemlich weit oben gefallen. Da war klar, dass es kein Zufall war und dass der Durchstieg nicht mehr weit sein konnte. Und das Wetter für die nächste Woche war zudem ausgezeichnet angesagt. 

 

Adam Ondra in Oliana
Foto: Bernardo Gimenez Adam Ondra gut gelaunt in Oliana.


Wie sieht La Dura Dura aus und was gefällt Dir besonders daran?

Die ersten 15 Züge sind brutal. Jeder Zug ist hart, ein minimaler Fehler bedeutet den Sturz. Das ist Kraft-Ausdauer von höchster Intensität. Dann kommt es auf die Kunst des Knieklemmens an und wie gut man sich an dem "Ruhepunkt" erholen kann. Den Ruhepunkt darf man sich nicht als große Sintersäule vorstellen, sondern es handelt sich um einen zweieinhalb Zentimeter großen Untergriff. Es ist eher eine Knie-Leiste. Von dort geht der Sprint dann weiter. Die nächsten sechs Meter sind hart, nach oben hin werden die Züge immer härter. Und dann kommen noch einmal 20 Meter 8b-Gelände.

Gefallen hat mir besonders, dass die Route so kompromisslos ist. Du kannst nicht denken und nicht atmen in La Dura Dura. Es gibt keine zehn Meter Zustieg durch Bruch, sondern es geht direkt vom Boden los mit ernsthaftem Klettern. Und es ist die Linie in Oliana. Eine gerade Linie durch einen dunkelgrauen, strukturlosen Streifen - der einzige Streifen, der bis ganz zum Boden reicht.

Ich habe gehört, dass Du eine ganze Menge Kletterschuhe für die Route gebraucht hast. Stimmt das? Und warum?

Für den Knieklemmer waren supersteife, fast brandneue Schuhe vonnöten. Der Tritt ist richtig schlecht und die Entfernung zwischen Tritt und Knie-Position relativ weit. Wenn der Schuh zu weich ist und sich biegt, kommt man mit dem Knie nicht in den Klemmer und kann die Hände nicht lösen.

Was meinst Du, wird es bald eine 9c geben?

Sicherlich wird es eines Tages eine geben, aber wann, weiß ich auch nicht. Derzeit bin ich nicht stark genug dafür... vielleicht in ein paar Jahren.

Nachdem Du jetzt so ein Projekt abgeschlossen hast, wie fühlst Du Dich?

Ich bin hochmotiviert! Ich könnte direkt was Schweres probieren. Pause brauche ich nicht, zumindest nicht für den Kopf. Auch körperlich fühle ich mich recht frisch. Und hier im Süden von Spanien habe ich ein sehr interessantes Projekt gefunden.

Cool, wir sind gespannt. Mal vom Klettern abgesehen: Du hast jüngst die Schule beendet. Was ist jetzt der Plan?

Im Moment klettere ich nur. Im September möchte ich aber anfangen zu studieren, vermutlich Wirtschaft in Brno, meiner Heimatstadt.

Letzte Frage - wie machst Du es, so ein netter, freundlicher und entspannter Mensch im Umgang zu sein, und beim Klettern so ein brutales Tier zu werden? Legst Du da einen Schalter um oder was passiert im Inneren von Adam Ondra?

Das bin ich. Jeder ist innendrin wie ich, wenn ich klettere. Jeder hat animalische Instinkte - ich meine jetzt nicht wie wild rum zu schreien, aber eben komplett konzentriert zu sein, total vertieft in das, was man gerade tut, so dass die Zeit stehenzubleiben scheint. Aber nur wenige Menschen können dieses Tier in sich selbst finden - Kinder können das viel besser. Sie spielen. Ich spiele, wenn ich klettere. Und ich liebe dieses Spiel!

Danke Adam!

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