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Wetterwissen

Trocken bleiben - Mehr übers Wetter wissen

Im Gebirge können Wetterstürze und vor allem Gewitter lebensbedrohlich sein. Wer den Wetterbericht durch eigenes Wissen und Beobachtungen ergänzen kann, steht seltener im Regen.

Wer in die Berge geht, ist gut beraten, sich nicht nur auf die Piktogramm-Prognosen von Wetter-Webseiten wie wetter.com oder wetter.info zu verlassen. Die Chancen, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, erhöhen sich deutlich, wenn ihr in der Lage seid, einen verbalen (!) Wetterbericht mit eigenen Beobachtungen von Bewölkung, Luftdruck und Temperatur abzugleichen. Hilfreich sind auch Bodenwetterkarten, auf denen auch Laien mit ein bisschen Übung die Großwetterlage erkennen können. Satellitenbilder und Wetterradars wiederum helfen bei der kurzfristigen Tourenplanung, da man so den Wetterbericht mit der tatsächlichen Entwicklung des Wetters abgleichen kann.

Um Wetterprozesse verstehen zu können, sind einige physikalische Grundlagen nötig. Zuallererst: Wie entstehen Wolken, wie Regen? Zwei Faktoren sind hier maßgeblich: Hebungsprozesse von Luftmassen sowie die Kondensation von Feuchtigkeit durch Abkühlung. Bekanntermaßen nimmt die Lufttemperatur mit zunehmender Höhe ab, und warme Luft ist leichter als kalte. Deshalb steigen warme Luftmassen nach oben und kühlen zunehmend ab. Durch Verdunstung über den Meeren enthält Luft einen gewissen Anteil Wasserdampf.

Je nach Temperatur kann die Luft unterschiedlich viel Wasserdampf aufnehmen – je kühler sie ist, desto weniger. Die relative Luftfeuchtigkeit (Verhältnis der Wasserdampfmenge in der Luft zur maximal aufnehmbaren Menge) nimmt also beim Aufsteigen stetig zu. Ist eine Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent erreicht, kondensiert der Wasserdampf zu Wassertröpfchen (in großer Höhe zu Eisteilchen) – es entstehen Wolken. Ist die Luft immer noch wärmer als die der Luftmassen darüber, steigt sie weiter an, die Wolken wachsen nach oben. Irgendwann ist die Luft mit Feuchtigkeit übersättigt – es beginnt zu regnen.

Cumulus-Wolke

Foto: Claudia Röger

Der Luftdruck macht‘s

Ob Luftmassen aufsteigen, hängt auch vom Luftdruck ab. Generell nimmt dieser innerhalb unserer Atmosphäre mit zunehmender Höhe ab – logisch, je weniger Luft darüber ist, desto weniger Gewicht „lastet“ auf der Luft darunter. Als Faustformel gilt: Pro zehn Höhenmeter nimmt der Druck um ein Hektopascal (hPa) ab.
Der Luftdruck auf einer bestimmten Höhe ist jedoch keine konstante Größe, sondern abhängig von der Wetterlage: In einem Hochdruckgebiet ist er höher, die Luftmassen sinken ab und Wolken lösen sich auf, in einem Tiefdruckgebiet niedriger, da Luftmassen am Boden zusammenströmen und aufsteigen.

Wer im Gebirge unterwegs ist, sollte deshalb einen Höhenmesser dabei haben, zur Orientierung – und weil dieser Luftdruckveränderungen anzeigt. Um eine Vergleichbarkeit zu sichern, wird der Luftdruck auf modernen Höhenmessern, Barometern und Bodenwetterkarten als relativer Luftdruck auf Meereshöhe angegeben. Bis 1013 hPa spricht man von Tiefdruck, darüber von Hochdruck. Sinkt der Luftdruck unter 1000 hPa, handelt es sich um ein ausgewachsenes „Tief“, unter 990 hPa meist um ein Sturmtief, bei Werten ab 1025 hPa um ein kräftiges „Hoch“. Auf Wetterkarten erkennt man die Druckverteilung anhand der Luftdrucklinien („Isobaren“). An diesen lässt sich auch die Windrichtung ablesen: In Hochdruckgebieten drehen sich die Luftmassen im Uhrzeigersinn, in Tiefdruckgebieten gegen ihn. Die Höhenwinde wehen dabei immer parallel zu den Isobaren.

Immer das Gleiche

In Europa befinden wir uns an der Grenze zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und der polaren Tiefdruckrinne. Die Trennlinie zwischen diesen Wetterzonen, die „Polarfront“, verschiebt sich im Sommer nach Norden, im Winter nach Süden. Durch Störungsimpulse entsteht eine Welle in der Polarfront, die warme Luft nach Norden und kalte Luft nach Süden leitet. Durch die Erd­rotation bildet sich eine Kreisbewegung der Luftmassen mit warmer Luft an der Vorderseite und nachfolgend kalter Luft – ein Tiefdruckgebiet („Zyklone“) entsteht (sie­he Abb. 2).

Zyklonen laufen stets nach dem gleichen Schema ab: Zuerst kommt die Warmfront, die sich durch eine mehr oder weniger immer gleiche Wolkenabfolge auszeichnet, die mit Cirrus-Wolken beginnt (siehe Abb. 1). Einher geht dies mit einem Luftdruckabfall, wobei der nicht so ausgeprägt ist wie bei der nachfolgenden Kaltfront. Lösen sich einzelne Cirruswolken wieder auf, ist dies dagegen ein Schönwetterzeichen.

Mit der Warmfrontpassage ändert sich die Windrichtung auf West bis Südwest. Nach dem Warmfrontregen ist ein deutlicher Temperaturanstieg messbar. Vor allem im Sommer können schwach ausgeprägte Warmfronten ohne Niederschlag auftreten. Wolkenabfolge, Windrichtungsänderung und Erwärmung bleiben aber gleich. Im Winter ist Regen bis auf 2000 Meter oder höher immer Warmfrontregen.
Nach der Warmfront herrscht im Warmsektor der Zyklone für 12 bis 24 Stunden schönes Wetter. Bevor die Kaltfront mit teils kräftigen Frontgewittern eintrifft, ist ein deutlicher Luftdruckabfall zu registrieren. Typisch sind 2 bis 3 hPa in drei Stunden. Bei Veränderungen ab 5 hPa in drei Stunden steht ein Sturm bevor. Bevor die Kaltfrontwolken über einem stehen, kommt es zu starken Winden, häufig auch zu Sturmböen. Mit der Kaltfrontpassage dreht der Wind auf Nord bis West.

Aufgrund dieser immer gleichen Abfolge sind kaltfrontbedingte Notfälle in den Bergen fast immer vermeidbar – durch eigene Beobachtungen und indem man zeitnah zur Tour einen aktuellen Wetterbericht einholt.
Leider tauchen „Warm­front“ und „Kaltfront“ in Wetterberichten kaum noch auf. Wenn aber von „dichten Wolken mit im Verlauf einsetzendem, anhaltendem Regen“ die Rede ist, ist damit eine Warmfront gemeint. „Schauer und Gewitter mit nachfolgend deutlich niedrigeren Temperaturen“ bedeutet eine Kaltfront.

Besser verzichten

Wie intensiv eine Kaltfront ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie warm die Luft davor und wie kalt die Luft dahinter ist. In den Bergen kann jedoch jede Kaltfront zumindest lokal stark ausfallen. Doch selbst für Profis ist es schwierig vorherzusagen, ob sie ihr Unwetterpotenzial bereits in der Nordschweiz oder erst im Salzburger Land ausleben wird.

Ist eine Kaltfront zu erwarten, solltet ihr auf große Touren verzichten oder zumindest nur Routen angehen, wo ihr abseilen und das aufziehende Wetter beobachten könnt (also südwest- bis nordexponiert), um rechtzeitig die Flucht nach unten anzutreten. Denn neben den generellen Gefahren bei Gewittern können auch durch vereis­ten und verschneiten Fels oder Unterkühlung lebensbedrohliche Situationen entstehen.

Kaltfronten samt Gewittern können zu jeder Tageszeit eintreffen und sind des Bergsteigers größter Feind. Vom Temperatursturz abgesehen bergen jedoch alle Gewitterarten ein ähnliches Unwetterpotenzial mit Blitzschlag, Sturm und Hagel.

Zwei Zutaten sind generell zur Entstehung von Gewittern nötig: ausreichend Feuchtigkeit in der Luft und ein markantes vertikales Aufsteigen dieser feuchten Luftmassen, auch Hebung genannt. Die Klassifizierung erfolgt anhand der Ursache für diese Hebung.
Bei Kaltfrontgewittern sorgt die sich unter die warme Luft schiebende Kaltluft für die Hebung, bei Wärmegewittern ist es die starke Erwärmung der bodennahen Luft (Thermik). Bei orografischen Gewittern werden die Luftmassen durch Berge zum Aufsteigen gezwungen. Im Gebirge wird die Hebung somit immer verstärkt, weshalb es hier vermehrt und zu kräftigeren Gewittern kommt.
Die Luftfeuchtigkeit erkennt ihr an der Wolkenbildung – viele Wolken, viel Feuchtigkeit. Wärme- und orografische Gewitter treten meist am Nachmittag und frühen Abend auf, denn zuerst müssen sich ja die mächtigen Gewitterwolken (Cumulonimbus) aufbauen. Bei sommerlicher Gewitterneigung ist deshalb ein früher Aufbruch und eine frühe Rückkehr von der Tour wichtig. Dazu solltet ihr die Wolkenentwicklung immer im Auge haben, um rechtzeitig rea­gieren zu können.

Ein Sonderfall sind Gewitter an Konvergenzlinien. Hier kommt es zu einer markanten Hebung aufgrund des bodennahen Zusammenströmens von Luftmassen (Konvergenz) vor einer Kaltfront. Die Konvergenzlinien sind in Wetterkarten als durchgezogene Linie parallel vor der Kaltfront eingezeichnet. Bei starken Gewittern an der Konvergenzlinie ist das Wettergeschehen an der Kaltfront oft nur noch schwach ausgeprägt.

Gemein ist allen Gewitterarten ihr Auftreten vorwiegend im Sommer, von April bis September. Und für alle Arten gilt, dass man sie möglichst beim Feierabendbier auf der Hütte oder im Tal erlebt.

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Autor: Röger / Kern

© klettern : Ausgabe 07+08/2010

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