Unfall-Ursachen beim Klettern

"Jeder Dritte macht Fehler" - Chris Semmel im Interview

Chris Semmel zur Frage, wie oft Fehler beim Sichern in der Kletterhalle auftreten und wie sie sich am besten vermeiden lassen.

Fotostrecke: Sicherheit beim Klettern - die häufigsten Fehler

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Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV

 

Chris Semmel
Foto: Archiv Chris Semmel Chris Semmel, Sicherheitsspezialist beim DAV.

Wie oft wird in Kletterhallen falsch gesichert?

Am häufigsten kann man Sicherungsfehler bei der Vorstiegssicherung beobachten. Bei stichprobenartigen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass etwa jeder Dritte hierbei Fehler zeigt. Nach unserer DAV-Studie unabhängig von Klettererfahrung, Alter oder Kletterkönnen. Da in den Hallen selten unangekündigt gestürzt wird, passiert zum Glück trotzdem sehr wenig.

Was kann man als Kletterer tun?

Das Problem sind mitunter die Erfahreneren. Sie klettern schon lange und sind teilweise zu selbstbewusst, da ihnen noch nie etwas passiert ist. Sie kommen nicht auf die Idee, dass auch bei ihrem automatisierten Handling etwas nicht stimmen könnte. Deshalb gibt es auch die Fehlbedienungsmuster zu jedem Sicherungsgerät als Videos.

Damit haben Kletterer die Chance, ihr eigenes oder auch das Verhalten ihres Partners zu überprüfen. Und sehr am Herzen liegt mir auch eine offene Rückmeldekultur zu Fehlern. Fehler müssen angesprochen und wertungsfrei diskutiert werden können, ohne jemanden bloßzustellen.

Würde ein verbindlicher Kletterschein helfen?

Ich glaube, eher nein. Ein verpflichtender Kletterschein mag eine flächendeckende Absolvierung von festgelegten Ausbildungsinhalten garantieren. Die Verinnerlichung von Sicherungstechniken auf der Höhe der Zeit garantiert das aber keineswegs. Eine solche Verinnerlichung ist nur auf freiwilliger Basis erreichbar, und auf der Basis einer Kultur der Verantwortung füreinander. Eine solche Kultur gibt es unter Kletterern, und die gilt es zu fördern – zum Beispiel mit Kampagnen wie „Sicher klettern“.

Auf der nächsten Seite: Eins von drei Unfall-Beispielen. Die Beispiele zeigen Unfallabläufe, die sich so oder ähnlich sehr häufig zutragen

Partnercheck und Co - Aktion sicher klettern in der Fotostrecke:

20.12.2011
Autor: Semmel / Burmester
© RoadBIKE
Ausgabe 10/11/2011