Sicherungsgerät blockieren - Selbsthilfe beim Klettern

Sicherheit beim Klettern: Grundlegende Maßnahmen zur Selbsthilfe

Sicherungsgerät blockieren - Sicherheit beim Klettern
Foto: Oesterreichischer Alpenverein OeAV
Jeder Kletterer sollte einige grundlegende Rettungsmaßnahmen beherrschen. Im Handbuch Sportklettern des OeAV werden die wichtigsten Basics beschrieben.

Auch beim Sportklettern ist es notwendig, einfache rettungstechnische Maßnahmen anwenden zu können. Dazu gehören das Blockieren des Sicherungsgerätes, die Errichtung eines Expressflaschenzugs und das passive Ablassen eines Verletzten vom Standplatz.

Es muss nicht gleich ein Notfall sein. Trotzdem treten auch beim Sportklettern Situationen auf, in denen man das Sicherungsgerät abbinden muss, um die Hände frei zu bekommen – sei es, wenn der Partner beim Ausbouldern einer Route eine längere Pause einlegt oder wenn man Knoten im Seil entwirren muss. Doch auch bei rettungstechnischen Maßnahmen ist es notwendig, die Sicherung abzubinden, um weitere Schritte in Angriff nehmen zu können.

Der Tuber wird mit einem Spierenstich abgebunden, die Halbmastwurfsicherung (HMS) mit einem Wasserklang und mit einem Spierenstich hintersichert. Bei halbautomatischen Sicherungsgeräten ist es recht einfach, da ja schon der Bremsmechanismus des Geräts das Seil blockiert. Um auf Nummer Sicher zu gehen, knüpft man ein­fach eine Sackstichschlinge ins Bremsseil. (Die Knoten erklären wir im Detail direkt unterhalb)

 

Knowhow Sicherheit beim Klettern - Selbsthilfe
Foto: Oesterreichischer Alpenverein OeAV

Halbautomaten hintersichern

Da Sicherungsgeräte wie zum Beispiel das Petzl Grigri, Trango Cinch, Edelrid Eddy oder das Sirius von Tre in aller Regel selbsttätig blockieren, genügt hier eine Sackstichschlinge im Bremsseil – sinnvollerweise einige Zentimeter vom Sicherungsgerät entfernt, dann lässt sich der Knoten leichter wieder lösen, ohne dabei das Bremsseil loszulassen.

Falls der nachsteigende Kletterer ein Pro­blem hat und Unterstützung braucht, kann diese mit dem Expressflaschenzug gegeben werden. Dazu legt man einen Kurzprusik oder einen Tibloc am belasteten Seil an und hängt einen Karabiner ein, durch den das Bremsseil geführt wird. Mit dem so gebauten Flaschenzug kann das Gewicht des Kletterers auf etwa 60 Prozent verringert werden. Ach­tung: Um den Prusik wieder nachschieben zu können, muss das Bremsseil festgehalten werden! Bei der Verwendung einer „Plate” als Nachstiegssicherung blockiert diese von selbst und das Bremsseil kann beim Prusik nachschieben losgelassen werden.

 

Sicherheit beim Klettern
Foto: Oesterreichischer Alpenverein OeAV

Express-Flaschenzug bauen

Simpler Aufbau, erstaunliche Wirkung, wenn es darum geht, dem Partner über eine schwierige Stelle hinwegzuhelfen. Bei HMS-Sicherung allerdings mühsam zu bedienen. Um Kraft zu sparen, empfiehlt es sich, das Bremsseil oben ein weiteres Mal umzulenken – dann zieht man nach unten und kann auch das eigene Körpergewicht einsetzen. Zum Aufbau sollte die Sicherung blockiert werden. Muss der Partner komplett hochgezogen werden, kommt man mit dem Express- flaschenzug allerdings nicht weit.

 

Knowhow Sicherheit beim Klettern - Selbsthilfe
Foto: Oesterreichischer Alpenverein OeAV Handbuch Sportklettern des OeAV von Herta Gauster und Josef Hack; erhältlich unter www.alpenverein.at.

Ablassen eines Verletzten


Im Sportklettern
häufig angewendet ist das passive Ablassen, bei dem der Sicherer den Kletterer über sein Sicherungsgerät wieder zum Boden „ablässt“. Üblicherweise passiert dieser Vorgang über eine Umlenkung nach jeder gekletterten Tour. Ist man jedoch schon höher in einer Wand und hat sich ein Klette­rer verletzt, kann dieser unter Umständen nicht mehr aktiv abseilen, jedoch noch passiv abgelassen werden. Dabei hat man auch den Vorteil, dass einem die ganze Länge des Seils zur Verfügung steht. Muss man einen Standplatzwechsel vornehmen, ist es wichtig si­cherzustellen, dass sich der Verletzte mit ei­ner vorbereiteten Schlinge am Stand selbst sichern kann.

 

Knowhow Sicherheit beim Klettern - Selbsthilfe
Foto: Oesterreichischer Alpenverein OeAV

Achtung: Beim Ablassen ist unbedingt darauf zu achten, dass das freie Seil­ende mit einem Knoten gesichert ist und es nicht zum Durchschlüpfen des Seilendes und damit zum Absturz des Partners kommen kann.

Bilder und Inhalte stammen aus dem Handbuch Sportklettern des Oesterreichischen Alpenvereins - Images and content courtesy of Oeav

  • Von der Trainingslehre bis zu Sicherheitsaspekten – das Handbuch Sportklettern des OeAV von Herta Gauster und Josef Hack behandelt das komplette Spektrum des Sportkletterns. Erhältlich unter www.alpenverein.at.

Fotostrecke: Sicherheit beim Klettern - die häufigsten Fehler

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Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Autor: Oesterreichischer Alpenverein
© klettern
Ausgabe 04/2012