Karabiner Sicherheit

Karabiner können brechen

Karabiner fürs Klettern sind normiert, qualitätsgeprüft und aus Metall. Trotzdem können sie brechen. Die gute Nachricht: Diese Fälle sind selten - und lassen sich vermeiden.

Karabiner Ausrüstung Klettern

Karabiner, an Nase aufgehängt.
Foto: www.klettern.de


Sowohl im Testlabor von Black Diamond, USA, als auch bei DMM in Nordwales hat man bereits Bruchkräfte an Karabinern gemessen, die wie im Bild an der Kerbe der Nase aufgehängt sind. Passieren kann das vor allem bei älteren Karabinern mit ausgeprägter Nase. Neuere Karabiner haben meist eine Kerbe, die nach oben leicht abgeschrägt ist.

Im Prinzip kann sich ein Karabiner auf diese Weise am Drahtkabel eines Klemmkeils, einer Schlinge oder auch an bestimmten Bohrhaken mit flachen Laschen verhängen. Karabiner, die so belastet wurden, brachen im Test bei 2 bis 3 kN. Das heißt, sie würden nicht einmal den kleinsten Sturz halten. In Großbritannien hat der dortige Alpenverein BMC über die Jahre tatsächlich von einigen Fällen erfahren, in denen Karabiner in der Praxis so gebrochen sind.

Tipp: Überprüft beim Einhängen stets, dass der Karabiner vollständig in die Sicherung – ob Keil, Schlinge oder Bohrhaken – eingehängt ist. Mit Keylock-Verschlüssen, die keine Kerbe an der Nase haben, kann das Verhängen auf diese Weise übrigens nicht passieren.
Biegebelastung vermeiden!

Karabiner, querbelastet.
Foto: Ralph Stöhr

Karabiner querbelastet = Gefahr!

Für die Biegebelastung über eine Kante, wie im Bild ganz oben zu sehen, macht die EN 12775, Norm, die Anforderungen an Kletterkarabiner stellt, gleich gar keine Vorgaben. Erstens ist offensichtlich, dass das eine Fehlbedienung des Karabiners ist. Zweitens wäre es ziemlich schwierig, einen Karabiner auch in dieser Richtung ausreichend stabil zu konstruieren, ohne ihn gewaltig zu verdicken.

Dennoch kommt natürlich vor, was nicht sein soll: Man sah schon Karabiner in einer Kletterhalle brechen, der nach einem Sturz gegen eine Dachkante gedrückt und belastet wurde. Gelegentlich trifft man auch am Fels auf Bohrhaken, die so ungeschickt über einer Kante gesetzt sind, dass ein eingehängter Karabiner auf Biegung belastet wird (und meist zusätzlich noch der Schnapper aufgedrückt wird).

Bei einer solchen Belastung werden die Haltekräfte des Karabiners auf einen Bruchteil der angegebenen Werte reduziert. Zuletzt wurden Werte um die 4 kN gemessen, wobei das extrem situationsabhängig ist.

Tipp: Schlecht gesetzte Haken und Bohrhaken mit einer gefädelten Schlinge verlängern. Beim Einsatz von Expressschlingen darauf achten, dass auch der untere Karabiner im Sturzfall nicht an einer Kante aufliegt. Falls doch, solltet ihr eine kürzere oder längere Expressschlinge verwenden.

Belastung bei offenem Schnapper
Ein Karabiner mit offenem Schnapper weist meist nicht mal mehr die Hälfte seiner Bruchkraft im geschlossenen Zustand auf. Karabinerbrüche mit offenem Schnapper treten in der Praxis gelegentlich auf.

Hier sind im Prinzip drei Fälle zu unterscheiden:

  • alte Karabiner, deren Schnapper nicht mehr richtig schließen. Die gehören sofort ausgesondert.
  • Dann die Stellen, wo der Schnapper am Fels aufgedrückt wird. Sofern das zu beobachten oder befürchten ist, hilft nur eine andere Expressschlingenlänge oder das Fädeln einer Schlinge in die Sicherung.
  • Schließlich gibt es noch das systemimmamente Öffnen des Schnappers, wenn der Karabiner im Sturzfalls rapide beschleunigt wird (und womöglich gegen den Fels schlägt). Dann wippt der Schnapper aufgrund seiner Masseträgheit kurz nach innen und schwingt dann zurück (whip-lash-Effekt: Nehmt einen Karabiner mit Normalschnapper am schmalen Ende und schlagt ihn mit dem langen Schenkel auf euren Oberschenkel – ihr hört, wie der Schnapper kurz schwingt). Dieses Schwingen lässt sich mit Drahtbügelschnappern (Wiregates) vermeiden.

Tipp: Beim Karabinerkauf auf hohe Schnapper-offen-Bruchkraft achten. Falls Schnapper am Fels aufliegt, mit anderer Schlingenlänge entschärfen. An der Seilseite der Expresse Drahtbügelschnapper verwenden. Nur Karabiner mit gut schließenden Schnappern verwenden.

Karabiner mit Riefen.
Foto: www.klettern.de

Beschädigung des Karabiners

Es gibt schließlich noch die Möglichkeit, dass Karabiner vorgeschädigt sind. Ziemlich offensichtlich sind die Kerben an stark eingeschliffenen Karabinern (meist Umlenkkarabinern; im Bild ein Karabiner, mit dem lange Strecken an nassen Seilen im Granit abgeseilt wurde). Für das Topropeklettern ist die Bruchkraft solcher Karabiner laut Pit Schubert immer noch ausreichend, sofern sie nicht zu mehr als 50 Prozent eingeschliffen sind.

Allerdings: Karabiner mit solchen Schleifspuren haben scharfe Kanten und können das Seil massiv beschädigen. Das geht von Schäden am Mantel bis zum Komlettabriss des Seils, wie vor einigen Jahren in einer Kletterhalle in Prag geschehen. Überhaupt sind scharfe Kanten an Karabinern gefährlich, wes­halb auch der Karabiner, der in den Haken eingehängt wird, nie das Seil aufnehmen sollte. Denn die Karabiner auf der Hakenseite der Exe können nach vielen Stürzen innen scharfe Riefen aufweisen. Aus diesem Grund liefern viele Hersteller die gleichen Karabiner in zwei Farben, einer fürs Seil, einer für den Haken. So ist klar, welcher Karabiner wohin gehört.

Was Alukarabiner gar nicht abkönnen, ist eine Dauerbelastung, wie sie zum Beispiel beim Spannen von Slacklines auftritt. Diese sogenannte Dauerschwellbelastung führt irgendwann zum Bruch des Karabiners.

Tipp: Karabiner mit scharfen Kanten nicht auf der Seilseite der Exe verwenden. Alu-Karabiner, die zum Slackline-Spannen eingesetzt wurden, nicht mehr zum Klettern verwenden. Alle Karabiner, die man nutzt, regelmäßig überprüfen.

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Autor: Ralph Stöhr

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