Training fürs Klettern

Korb & Matros - die Toptrainer im Interview

Patrick Matros + Dicki Korb
Foto: klettern.de | Hannes Huch
Dicki Korb und Patrick Matros sind nicht erst seit ihrem Buch "Gimme Kraft" gefragte Trainingsspezialisten. Ein Gespräch über Training, Muskelmasse und Bewegungsqualität.

Patrick, Dicki, als wir uns das letzte Mal zum Interview getroffen haben, war Alex Megos noch 16 und eins seiner Ziel war, seine erste 9a zu klettern. Inzwischen gehört er zu den besten Kletterern der Welt. Ihr habt ihn trainiert. Seid ihr stolz auf ihn?

Dicki: Ja, das kann man schon sagen.

Patrick: Wir wollen uns jetzt nicht so präsentieren, als ob wir die einzigen Einflussfaktoren in diesem komplexen Gebilde wären. Aber das macht einen schon stolz, wenn man jemanden entdeckt und den dann so weit führen kann, dass er sich in der Weltspitze etabliert.

Dicki: Alex war auch der erste, den wir trainiert haben, wo es um ganz viele andere Sachen ging, inklusive dem Sprung ins Profi-Leben. Bei dem wir nicht nur gesagt haben, du musst 10 Klimmzüge machen oder 20. Das hat er selbst schnell gemerkt.

Ihr wart also seine Komplettbetreuer?

Dicki: Ja. Wir machen auch das Management für ihn. Wir organisieren alles, schauen die Sponsorenverträge durch. Darum beneiden ihn viele, dass er jemanden hat, der das für ihn macht.

Wie viel von Alex' jetzigen Kletterkönnen ist Talent und wie viel ist Training?

Patrick: Meine Einstellung ist die, dass meistens nicht die größten Talente so weit kommen. Sondern dass die weiterkommen, die am meisten Durchhaltevermögen und den größten Willen haben und die auch mal Niederlagen wegstecken können. Die also das haben, was man im Sport heutzutage als mentale Toughness bezeichnet. Wir sind bei Alex in der glücklichen Lage, dass bei ihm diese mentalen Eigenschaften und die körperlichen Talente – er hat eine besonders gute Ausdauer, er ist von seinen Körpermaßen gut geeignet – in idealer Weise zusammenkamen. Und er halt der eine unter 200.000 oder 300.000 ist, der es soweit bringen kann.

 

Übungen Klettertraining Sasha DiGiulian
Foto: Hannes Huch Sasha DiGiulian bei der Trainings-Analyse mit Trainer Dicki Korb.

Ihr kennt ja fast die ganze Weltspitze persönlich, wie viele solche Ausnahme­talente gibt es?

Patrick: Die sind selten. Und dieses Talent über die Dauer weiter zu entwickeln, ist noch seltener. Wir haben auch die sogenannten Rising Stars, die gerade in jungen Jahren mit grenzenloser Energie, mit einer gewissen Frische und Unbekümmertheit in den Sport reinstoßen und da erst mal alles niederreißen. Aber jeder stößt irgendwann an eine Barriere, wo es nicht mehr darum geht, nur noch Bäume einzureißen. Sondern wo man erkennt: Ok, da ist es ja noch weit bis ganz, ganz oben. Da gibt es viele, die das mental nicht so gut wegstecken.

Dicki: Gerade wenn sie an diesen Erfolg gewöhnt sind. Den Top­athleten zeichnet dann aus, dass er auch mal einen Niederlage wegstecken kann.

Patrick: Es gibt natürlich auch Leute, die haben das Negativ­talent, sich häufig zu verletzen. Da muss man dann lernen, damit umzugehen. Das ist einfach deren Körperkonstitution. Wenn sich jemand jedes Jahr wieder das Ringband reißt, dann ist es schwer, das auf Dauer wegzustecken und dabei zu bleiben. Das kennen wir aus dem Profifußball. Da gibt es Superleute, die sich aber ständig verletzen. Eine gewisse körperliche Härte muss man schon mitbringen, um ganz oben mitzspielen.

Auf der nächsten Seite: Dicki Korb und Patrick Matros über die Entwicklung des Durchschnittsalters im Klettersport; und die Ansätze, wie jeder Mensch stärker werden kann


Bonus: 4 neue Übungen aus der Kraft-Schmiede

Update für "Gimme Kraft" - hier gibt's den Nachschub. Coach Patrick Matros zeigt und erklärt die neuesten Übungen, die nicht nur Maximalkraft und Ausdauer verbessern, sondern auch ein besseres Körperbewusstsein für kletterspezifische Bewegungsmuster schaffen. Bonus: Mit der letzten hier vorgestellten Übung werden die für Kletterer wichtigsten Problemzonen, nämlich die Muskulatur zwischen den Schulterblättern und damit die Brustwirbelsäule sowie die die Hüfte umgebende Muskulatur gelockert, damit mobilisiert und gegen Schmerzen und Probleme gewappnet. Train smart!

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Klettertraining Übungen für Körperspannung Krafttraining Core Foto: Ralph Stöhr
Klettertraining Übungen für Körperspannung Krafttraining Core Foto: Ralph Stöhr
Klettertraining Übungen für Körperspannung Krafttraining Core Foto: Ralph Stöhr

08.01.2016
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 08/2015