Mentales Training fürs Klettern

Sei nett zu Dir!

Hundeblick
Foto: Steffen Kern
Zu einem Klettertag gehört auch, dass man Spaß hat. Leider vermiesen wir uns manchmal die Laune und damit den Erfolg. Mental-Coach Petra Müssig erklärt, wie es besser geht.

 

Schwäbische Alb
Foto: Sarah Burmester / klettern.de Ganz entspannt bleiben am Ruhepunkt geht einfacher, wenn man guter Dinge ist.

Vor kurzem beobachtete ich in der Boulderhalle einen jungen Mann. Er ging zielstrebig auf eine Wand mit ziemlich schweren Bouldern zu. Zack, nahm er das erste Problem. Das ging gut. Beim zweiten machte er einen kleinen Fehler. Ich beobachtete, wie er sich innerlich und äußerlich anspannte, um es „noch härter“ zu versuchen. Beim nächsten Mal ging es ganz schief. In ihm begann es zu brodeln. Am Hals traten seine Muskelstränge immer stärker hervor. Verbissen versuchte er es noch einmal und kam wieder nur zum zweiten Griff. Entnervt stampfte er mit dem Fuß auf und ärgerte sich. Dann verzog er sich schmollend in eine Ecke. Eine Viertelstunde später war er gar nicht mehr zu finden: Frustriert hatte er den Rückzug angetreten.

 

Herzförmiges Blütenblatt in Roviste, CZ
Foto: Sarah Burmester / klettern.de Herzlich und freundlich zu sich selbst sein sollte man nicht nur beim Klettern.

"Kann ich eh nicht"

Es „härter“ zu versuchen ist eine der möglichen, aber nutzlosen Strategien, um mit Frust oder Stress umzugehen. Ebenso nutzlos sind Gedanken oder Aussagen wie: „Die anderen sind schuld, das Wetter, der Routenbauer, der Lärm“. Die beste und perfideste Art und Weise, sich in Stress- oder Angstsituationen das Leben selbst schwer zu machen, sind Gedanken wie: „Das konnte ich als Kind schon nicht!“, „Ich bin halt mental nicht so gut!“ und „Das brauch ich gar nicht erst versuchen, das wird eh nichts!“

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12.08.2009
Autor: Petra Müssig
© klettern
Ausgabe 06/2009