Klettertaktik

In der Ruhe liegt die Kraft

Richtig Ruhen beim Klettern
Foto: Ralph Stöhr
Wer rastet, der punktet: Je länger die Route, desto wichtiger ist es, die Muskulatur zwischendurch zu entspannen. Wir zeigen, wo und wie.

Dreimal Weltmeister, viermal Rock Master und 15 Weltcup-Siege: François Legrand war in den 90er-Jahren das Maß der Dinge im Wettkampfklettern. Und nicht selten lag der entscheidende Unterschied zwischen ihm und seinen Kontrahenten darin, dass er ein besonderes Auge für mögliche Rastpositionen besaß. Mal verklemmte er ein Knie, mal verspreizte er sich zwischen zwei weit ausein­ander liegenden Tritten, mal faltete er sich akrobatisch in einem Dachwinkel zusammen. So gelang es ihm, sich ausreichend zu erholen, um anschließend zum Top zu klettern, während die Konkurrenz hoffnungslos gepumpt vorher abtropfte.

 

Schütteln Schwäbische Alb
Foto: Archiv Burmester Fuß ins Loch, um die Arme zu entlasten: hilft auch auf der Schwäbischen Alb.

Schütteln, schütteln, schütteln

Rastpositionen zu erkennen und diese optimal auszunutzen, ist oft der Schlüssel zum Durchstieg. Deshalb macht es Sinn, schon vor dem Losklettern eine Route auf mögliche Rastpositionen hin zu begutachten und sich einen Plan zurechtzulegen. Aber auch während des Kletterns heißt es Augen offen halten, um mögliche Rastpositionen nicht achtlos zu überklettern. Gute Ruhepositionen zu erkennen und optimal auszunutzen, ist eine Frage der Erfahrung. Diese kann man sich aber nur durch bewusstes Schauen und Probieren aneignen. Lasst euch also nicht entmutigen, wenn ihr anfangs öfters daneben liegt. Es lohnt sich!

No Hand Rest

Die perfekte Rastposition ist der sogenannte „No Hand Rest“, sprich
wenn ihr eine Position findet, in der ihr euch nicht festhalten müsst und so beide Arme gleichzeitig entspannen könnt. Dies kann durch Ausspreizen (beispielsweise in einer Verschneidung) geschehen, durch Stemmen (zum Beispiel mit Füßen und Rücken zwischen zwei Sinterfahnen), durch das Verklemmen des Fußes in einem Loch oder durch einen Knieklemmer zwischen einem Tritt und einer Kante für das Knie.

 

Schüttelpunkte und Ruhepositionen beim Klettern
Foto: Ralph Stöhr Rasten auf die spektakuläre Art: Knieklemmer sind zwar schmerzhaft, können aber was.

Blut muss fließen

Unter Belas­tung werden Blutgefäße komprimiert, die Blutzirkulation verringert sich. Ziel beim Rasten ist deshalb, den Blutfluss im gesamten Arm zu erhöhen, um die Muskulatur mit Sauerstoff zu versorgen und um Abfallprodukte (Laktat) abzutransportieren. Dabei hilft die Schwerkraft: Lassen wir die Arme nach unten hängen, fließt mehr Blut hinein. Lockeres Ausschütteln der Arme erhöht diesen Effekt. Um Abfallprodukte abzutransportieren, hilft es zudem, den Arm zwischendurch nach oben zu strecken und ebenfalls leicht zu schütteln. Vielleicht habt ihr schon starke Kletterer beobachtet, die fast bei jedem statischen Weitergreifen den Arm kurz schütteln, bevor sie zugreifen – das
dient genau diesem Effekt.

Fotostrecke: Schüttelpunkte und Ruhepositionen beim Klettern

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Schüttelpunkte und Ruhepositionen beim Klettern Foto: Ralph Stöhr
Schüttelpunkte und Ruhepositionen beim Klettern Foto: Ralph Stöhr
Schüttelpunkte und Ruhepositionen beim Klettern Foto: Ralph Stöhr

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14.04.2011
Autor: Ralph Stöhr
© klettern