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Fußtechnik fürs Klettern

Fit für den Tritt

Wer gut steht, spart Kraft und kommt weiter. Wer gut steht, klettert auch sicherer, denn wenn einmal der Fuß vom Tritt rutscht, ist es nicht mehr weit bis zum Sturz. Wie ihr gut steht, steht hier.

Über den Fels tänzeln wie die Profis, leichtfüßig, lässig, das wäre schön. Leider ist das erst mal gar nicht so einfach. Am Fels gibt es keine bunten „Knöpfe“, keine „Fußgriffe“ wie in der Halle. Hier ist alles grau, schräg, und manchmal sind es eher verwirrend viele als zu wenige Tritte. Wer aus der Halle kommt, muss sich am Fels umstellen.

Es bedarf einiger Übung, die besten Trittmöglichkeiten zu erkennen und optimal zu nutzen. Tritte am Fels sind in der Regel kleiner, vielfältiger und weniger vorspringend als in der Halle. Oft sind sie konkav, nach innen gewölbt, also Dellen, Mulden, Löcher, und damit von oben schlecht zu sehen. Auf jeden Fall sind sie nicht an der Farbe zu erkennen.

Sandra steht eingedreht im Kalk von Sizilien (Klick aufs Bild öffnet die Großansicht).
Foto: Ralph Stöhr

Eine Frage der Haltung

Dennoch bleibt das Grundprinzip des Tretens und Stehens immer das Gleiche: Die Füße sollen sauber stehen und nicht rutschen. Die Hubarbeit soll aus den Beinen kommen und die Arme sollen möglichst nur zur Stabilisierung des Oberkörpers dienen.

Was den tänzelnden Profi vom Einsteiger unterscheidet, ist vor allem Vertrauen: Er oder sie weiß, dass der Fuß auf dem Tritt halten wird. Dieses Vertrauen muss man lernen. Der erste Schritt zu richtigem Stehen ist dabei, dass die Fuß-Auge-Koordination stimmt: Das Auge findet den Tritt und wird erst wieder nach oben gerichtet, wenn der Fuß sauber auf diesem platziert ist. Wenn der Fuß steht, bringt ihr Druck drauf, verlagert das Gewicht auf den Fuß. Mit etwas Übung lernt man auch, dass der Schuh selbst auf winzigen Tritten halten kann. Einige Übungen dazu findet ihr auf den folgenden Seiten.

Sicheres Stehen am Fels ist aber nicht nur eine Sache der Füße, sondern des ganzen Körpers. Wenn die Körperhaltung nicht stimmt, steigt die Gefahr, vom Tritt zu rutschen. In geneigtem (weniger als senkrechtem) Gelände steht man möglichst aufrecht und platziert die Füße etwa hüftbreit, so dass der Körperschwerpunkt über der Standfläche liegt. Solange man auf beiden Beinen steht, ist die Standfläche der Bereich zwischen diesen Tritten. Weiter geht es in der Regel durch das sogenannte „unbelastete Antreten“: Das Körpergewicht wird so auf ein Bein verlagert, dass das andere Bein ohne Belastung zum nächsten Tritt geführt werden kann.

Kleine Schritte sind leichter zu bewältigen und sicherer als das Antreten auf Hüfthöhe. Wer nämlich zu hoch antritt, muss sich dazu meist weit hinauslehnen und dann den Körper mit viel Armkraft über den hochgestellten Fuß ziehen und drücken. Muss manchmal sein, sollte aber nicht zur Regel werden. Besser kleine Zwischentritte verwenden. Ebenfalls vermeiden solltet ihr stark überstreckte Haltungen: Wenn ihr sehr weit über dem Kopf liegende Griffe wählt, wird es schwierig, die Fußstellung zu kontrollieren. Meist kommt dann die Ferse hoch und ihr steht nicht mehr sicher. Zudem wird das Anpeilen des nächsten Trittes schwierig, wenn der Körper am Fels klebt.

Auf Nichts stehen erfordert Vertrauen - oder war es Glauben?
Foto: Ralph Stöhr

Tritte nutzen, die es gar nicht gibt

Auch auf Nichts kann man stehen. Jedenfalls solange dieses Nichts Fels ist. Also: Wo kein Tritt ist, muss auf Reibung angetreten werden. In geneigten Platten kann es passieren, dass man ganze Seillängen ohne richtige Tritte klettert. In senkrechtem Gelände kann man natürlich nicht mehr richtig auf Nichts stehen. Um einen hochliegenden Tritt zu erreichen, ist es aber oft nötig oder günstig, mit einem Fuß kurz auf Reibung anzutreten, um dann den anderen Fuß auf den hohen Tritt zu setzen. Auch zum seitlichen Abspreizen gegen eine Wand muss dort nicht unbedingt ein Tritt sein.

Damit all das gut funktioniert, braucht ihr einen passenden Kletterschuh. Wenn der Kletterschuh zu groß ist, wird das Stehen auf kleinen Tritten extrem schwammig bis unmöglich. Zu kleine Schuhe erweisen sich in plattigem und geneigtem Gelände schnell als sehr schmerzhaft. Für den Anfang ist ein satt sitzender, mittelsteifer Schuh am günstigsten.

Autor: Ralph Stöhr

© klettern

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