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Barbara Zangerl: Interview + Trainingstipps fürs Klettern

Barbara Zangerl im Interview

Ob Bouldern oder Klettern: Barbara Zangerl ist in beidem stark. Die junge Tirolerin verrät, wie sie heute beides miteinander verbindet und worauf es ankommt, um besser zu klettern und dabei vor allem Spaß zu haben.

Vom Bouldern bis Alpinklettern: Bilder von Barbara Zangerl

klettern Barbara Zangerl Kletterprofi Tirol
Foto: Reinhard Fichtinger
klettern Barbara Zangerl Kletterprofi Tirol
Foto: Radek Capek
klettern Barbara Zangerl Kletterprofi Tirol
Foto: Reinhard Fichtinger
klettern Barbara Zangerl Kletterprofi Tirol
Foto: Reinhard Fichtinger

klettern Barbara Zangerl Kletterprofi Tirol
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Hier sind athletische Züge gefragt: Barbara in "After Hour" (8b), Zillertal.
Foto: Reinhard Fichtinger

Du bist am Anfang nur gebouldert. Wie kam es dazu?

Mein Bruder Udo hat meine Schwester und mich vor zehn Jahren das erste Mal zum Bouldern in die Kletterhalle mitgenommen. Dort habe ich dann viele Freunde getroffen, mit denen ich auch draußen am Fels unterwegs war.

Hat dich die Höhe nicht gereizt?

Doch schon, aber in meinem ganzen Umfeld ist eigentlich niemand Routenklettern gegangen, und dann war‘s einfach so. Ab und zu sind wir auch mal leichte Routen mit Seil geklettert, aber sonst bin ich eigentlich immer nur gebouldert.

Wie war das Umsteigen auf Sportklettern für dich?

Am Anfang ist‘s einfach ein ungewohntes Gefühl, wenn man loslässt und im Seil hängt. Das ist ganz anders im Vergleich zum Bouldern. Es war schon ein komisches Gefühl, weit über den letzten Haken zu klettern und sich nur auf die Bewegungen zu konzentrieren, anstatt immer nur ans Stürzen zu denken. Das kostet schon Überwindung, aber wenn man das ein paar Mal macht, ist‘s ok. Daran gewöhnt man sich. Die ersten fünf Meter hab ich mich eigentlich immer gut gefühlt, egal was für Routen ich geklettert bin, aber dann war ich einfach gepumpt. Ruhepunkte zu finden, war komplett unmöglich, ich hatte kaum Zeit meine Arme auszuschütteln. Egal ob Sinter, Zangengriffe oder Henkel, es war einfach unmöglich (lacht). Beim Bouldern knallst du einfach alle Griffe zu, aber wenn du das beim Routenklettern machst, funktioniert das nicht lang. Das ist erst besser geworden, als ich im Winter in der Halle meine Ausdauer trainiert habe. Danach habe ich das Ganze auch umsetzen können.

Kletterst du inzwischen lieber mit Seil?

Momentan ist es einfach extrem cool, längere Routen in Angriff zu nehmen. In den letzten zwei Jahren war ich im Frühjahr und Herbst eigentlich immer zum Sportklettern unterwegs und im Sommer habe ich mich auf höhere Wände konzentriert. Der richtige Mix macht es aus. Das Erlebnis, eine hohe Wand mit mehreren Seillängen anzugehen, ist einfach größer als beim Sportklettern oder Bouldern. Ich kann mich auch ziemlich gut für meine Projekte motivieren. Vielleicht wäre meine Motivation geringer, wenn ich mich immer noch „nur“ aufs Bouldern konzentrieren würde.

Ist es schwierig, Kletterpartner für deine Mehrseillängenprojekte zu finden?

Ja, schon. Vor allem jemanden, der sich für das gleiche Projekt interessiert oder einfach motivierst ist, dabei zu sein. Ich mach es meistens so, dass ich das Ganze kombiniere. Wir gehen zusammen in mein Projekt und danach in eine andere Route, für die sich mein Kletterpartner entscheidet. Ansonsten wäre es voll die Egoparty und das macht mir persönlich keinen Spaß. Aber es ist generell eher schwierig. Es gibt einfach nicht so viele Leute, die mitgehen. Die meisten meiner Freunde sind mehr zum Sportklettern oder Bouldern motiviert.

Spielt es für dich eine große Rolle, wer dich sichert?

Ja, das spielt eine große Rolle. Wenn ich beim Bouldern einen Highball probiere und habe nicht vollstes Vertrauen in meinen Spotter, kann ich nicht an meine Grenze gehen. Aber bei mir war‘s halt immer so, dass stets Leute wie Bernd Zangerl, Dietmar Siegl oder Thomas Steinbrugger dabei waren. Da brauchte ich keine Bedenken zu haben. Die fangen mich in der Luft auf (lacht). Beim Routenklettern finde ich es genau so wichtig, wer sichert. Da gehe ich mit Leuten klettern, von denen ich weiß, dass sie mit der Seiltechnik bestens vertraut sind. Bei Mehrseillängenrouten ist es schon fein, wenn du jemand dabei hast, der sich auch für diese Kletterei interessiert und öfter in alpinem Gelände unterwegs ist.

Wie viel Zeit verbringst du effektiv an einem Boulder oder einer schweren Kletterroute?

Wenn‘s ein schwerer Boulder ist, probier ich ihn fünf- bis sechsmal. Danach kann ich mich vielleicht noch mit leichteren Bouldern beschäftigen, aber ansonsten geht nicht mehr viel. Die reine Kletterzeit ist wahrscheinlich nicht länger als eine halbe Stunde. Vielleicht eine Stunde, länger nicht. Bei Mehrseillängenrouten bist du ewig lang unterwegs. Da machst du auch Pausen, aber das ist ganz was Anderes. Du bist den ganzen Tag speziell aufs Klettern konzentriert und kannst nicht wirklich abschalten im Vergleich zum Bouldern. Da kann es schonmal vorkommen, dass du zehn Stunden in einer Route hängst.

Du hattest bereits einen Bandscheibenvorfall. Im Silbergeier (8b+, 6 SL) hast du wieder Probleme mit dem Rücken bekommen. Was ist da passiert?

Das kam durch die viele Plattenkletterei. Das Stehen auf kleinen Tritten in Kombination mit schwierigen Zügen an Untergriffen ging sehr aufs Kreuz, speziell an der Schlüsselstelle. Ich hatte die Füße eingedreht, dazu einen kleinen Untergriff gehalten und dann folgt so ein Kreuzzug. Den habe ich einfach zu oft probiert. Erst habe ich überhaupt nichts gespürt, aber am dritten Tag in der Route merkte ich beim Ablassen, dass irgendwas nicht stimmt. Das ist von Tag zu Tag schlimmer geworden. Es hat insgesamt fünf Monate gedauert, bis ich wieder richtig klettern konnte. Aber Dank Physiotherapie ging es dann schnell wieder bergauf.

Würdest du heute etwas anders machen?

Irgendwie hat sich alles so ergeben. Mein Glück war, dass ich immer mit den richtigen Leuten unterwegs war, von denen ich viel lernen konnte. Es gab ständig eine coole Gruppendynamik, die mich pushte und motivierte. Durch meine Verletzungen hat sich mein Fokus vom Bouldern mehr aufs Sportklettern verlagert. Dadurch habe ich aber auch an Motivation gewonnen, und es hat sich eigentlich nur positiv auf mich ausgewirkt. Manchmal denke ich schon, dass ich eine Verletzung hätte vermeiden können. Aber so etwas kann passieren. Mann muss einfach ein gewisses Verletzungsrisiko in Kauf nehmen, wenn man den Sport so intensiv betreiben will.

Fotostrecke: Barbara Zangerl klettert Traumroute "Delicatessen" (8b) auf Korsika

Barbara Zangerl klettert Delicatessen (8b) auf Korsika
Foto: Klaus Dell’Orto / adidas Outdoor
Barbara Zangerl klettert Delicatessen (8b) auf Korsika
Foto: Klaus Dell’Orto / adidas Outdoor
Barbara Zangerl klettert Delicatessen (8b) auf Korsika
Foto: Klaus Dell’Orto / adidas Outdoor
Barbara Zangerl klettert Delicatessen (8b) auf Korsika
Foto: Klaus Dell’Orto / adidas Outdoor

Autor: Ralph Stöhr / Barbara Zangerl

© klettern : Ausgabe 09/2012

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